Hersteller und Händler müssen Anteile am Dualen System abgeben
Studie zweifelt massiv an Effizienz des Grünen Punktes

Das Kartellamt zwingt das Duale System Deutschland (DSD) zu einschneidenden Maßnahmen. Die Wettbewerbshüter verlangen, dass sich große Handels- und Konsumgüterkonzerne wie Metro, Rewe oder Henkel zum Jahreswechsel aus dem Aktionärskreis des Unternehmens zurückziehen. Das DSD muss sich nun kurzfristig neue Gesellschafter suchen.

cs KÖLN. Als Gegenleistung kündigte Kartellamtschef Ulf Böge gestern an, das noch anhängige Untersagungsverfahren gegen die DSD AG einzustellen, das für das Kölner Unternehmen womöglich das Aus bedeutet hätte. DSD-Aufsichtsratschef Erich Greipl zeigte sich erleichtert über diese Einigung: „Das Damoklesschwert hängt nun nicht mehr über uns.“

Mit der Einigung verliert DSD drei Viertel seines Eigenkapitals. Für den Unternehmensanteil von knapp über 75 Prozent sucht man nun einen vorläufigen Investor. In drei Jahren könne man die Anteile dann an die Börse bringen. Den Unternehmenswert bezifferte Greipl indirekt mit 200 Mill. bis 320 Mill. Euro.

Die betroffenen Wirtschaftsverbände begrüßten das Vorgehen. Allerdings könnte die erzwungene Lösung von Konzernen wie Metro oder Henkel aus dem Aktionärskreis nach Einschätzung von Brancheninsidern dazu führen, dass sich Konsumgüterhersteller auch als Kunden vom DSD abwenden. Viele von ihnen werden von den neuen DSD-Wettbewerbern Interseroh und Landbell umworben.

Zusätzliche Sorgen bereitet DSD eine aktuelle Versuchsreihe von RWE Umwelt, deren Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen. Demnach würde der Verzicht auf die gelbe Tonne die Recyclingquote deutlich erhöhen. Zudem brächte ein Ende der getrennten Müllsammlung vielen Städten Einsparungen. Die vom DSD in Auftrag gegebenen Versuche legen ein Ende der getrennten Sammlung von Haushaltsabfällen und Verpackungsmüll nahe. „Damit würde allerdings auch das bisherige Geschäftsmodell des Grünen Punkts ins Wanken geraten“, sagte ein Kenner der Studie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%