Hertie rutscht tief ins Minus
Alarmstufe Rot

Hartnäckig dementiert Hertie Verkaufspläne. Nun belegen neue Zahlen: Die Warenhäuser fahren saftige Verluste ein.

KÖLN. Die tiefrote Krawatte leuchtet ihm voran, als Kay Hafner am 25. Januar 2007, einem sonnigen Wintertag, vor die Presse tritt. Dies sei die Farbe, bedeutet der Firmenchef den anwesenden Journalisten in Düsseldorf, unter der man jetzt den frisch getauften „Hertie“-Warenhäusern neues Leben einhauchen wolle. Rot, die Farbe von Dynamik, Leben, Herz. Der vom Londoner Immobilieninvestor Dawnay Day dem Karstadt-Konzern abgekaufte Filialist werde damit ein „eigenständiges Unternehmen“, frohlockt Hafner.

Was kaum jemand an diesem Morgen ahnt: Es sind wohl eher die Geschäftszahlen der im August 2005 erworbenen 73 ehemaligen Karstadt-Häuser, an denen sich die Krawattenfarbe des Firmenchefs orientiert. Das offenbart jetzt die jüngste, noch unveröffentlichte Bilanz des geheimniskrämerischen Einzelhändlers, die dem Handelsblatt vorliegt. Rot, die Farbe des Alarms, des Verlustes, des Infarkts.

Das Zahlenwerk, erstellt für das im August abgeschlossene Geschäftsjahr 2006, gibt berechtigten Anlass zur Sorge. Bei jedem Euro Umsatz, der Hertie in die Kasse floss, legte der Handelsbetrieb fünf Cent obendrauf. Fast 33 Millionen Euro Verlust kamen auf diese Weise in der Firmenzentrale im westfälischen Gladbeck zusammen. Ohne eine Steuerrückerstattung wäre er sogar auf über 44 Millionen Euro gestiegen – und das bei einem Eigenkapital von nicht einmal 55 Millionen Euro. Gleichzeitig brach der Umsatz um 16,5 Prozent auf 570 Millionen Euro ein.

Was schiefging, das zeigt beispielhaft das umgebaute Warenhaus in Kölns etwas verwahrlostem Stadtteil Porz. In dem trostlosen Waschbeton-Klotz aus den Siebzigern, in dessen Seitenpassage es streng nach Urin riecht, haben die Ladenbauer das Interieur zu einem Kleinod verwandelt. Edle Hölzer auf dem Fußboden, organisch geschwungene Laufflächen aus hellen Fliesen, Kassentische in Buche- und Alu-Optik – manch Ladenbetreiber von Düsseldorfs nobler Königsallee könnte vor Neid erblassen. Dass sich die hohen Investitionen lohnen werden, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Denn rings um das Hertie-Haus reihen sich Wettbewerber wie C&A, Takko, Ernsting’s Family oder Schlecker. Man kauft billig – und das auch bei Hertie selbst.

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