HHLA Hafenchefin treibt Aktien auf Fünfjahresrekord

Die Chefin des Hamburger Hafenbetreiber HHLA, Angela Titzrath, schließt ihr erstes Halbjahr mit großem Erfolg ab: Der Konzern steigert seinen Gewinn um mehr als 50 Prozent – und korrigiert den Ausblick nun nach oben.
Update: 14.08.2017 - 13:38 Uhr Kommentieren
Die Zahl der im ersten Halbjahr an den Kaimauern insgesamt bewegten Stahlboxen erhöhte sich um knapp zwölf Prozent auf 3,6 Millionen Stück. Quelle: dpa
Hamburger Hafen

Die Zahl der im ersten Halbjahr an den Kaimauern insgesamt bewegten Stahlboxen erhöhte sich um knapp zwölf Prozent auf 3,6 Millionen Stück.

(Foto: dpa)

HamburgSchon kurz nach ihrem Antritt als Chefin von Hamburgs Hafenbetreiber HHLA machte sich Angela Titzrath, 50, auf zur Weltreise. In Genua besuchte sie den mächtigen MSC-Reedereichef Gianluigi Aponte, in Marseille traf sie Führungskräfte des Container-Riesen CMA CGM, in Taiwan und China die von Evergreen und Cosco. Auch bei den drei Reederei-Konzernen NYK, K-Line und MOL in Tokyo schaute sie vorbei. Beim Start ihrer neuen Seefahrts-Allianzen im April bat sie die Reeder, sie sollten auf keinen Fall den Hafen Hamburg vergessen.

Der Einsatz hatte Erfolg, wie die Halbjahreszahlen der HHLA an diesem Montag offenbaren. Der börsennotierte Hafenkonzern, an dem die Hansestadt rund zwei Drittel der Stimmrechte hält, wuchs zwischen Januar und Juni weit stärker als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem einem kräftigen Plus beim Containerumschlag verdankt es die HHLA, dass die Konzernumsatz um fast neun Prozent auf 622,8 Millionen Euro nach oben kletterte. Das Betriebsergebnis (Ebit) des Gesamtkonzerns legte um 48 Prozent auf 98,8 Millionen Euro zu, wobei der Ertrag des börsennotierten Teilkonzerns Hafenlogistik sogar um gut 54 Prozent auf 90,6 Mio. Euro stieg. „Die HHLA konnte bei der Neuordnung der Allianzen zwölf Liniendienste akquirieren“, erklärte dazu ein Sprecher. „Das bringt uns nun mehr Menge als zuvor.“

Das Gewinnplus fiel allerdings auch deshalb so hoch aus, weil im ersten Halbjahr 2016 Sonderbelastungen in Höhe von 15 Millionen Euro angefallen waren. Damals hatte der Hafenkonzern sein Überseezentrum Logistik geschlossen.

Positiv wirkte sich zudem aus, dass der zuletzt stockende Handel mit China wieder wuchs, ebenso das Containergeschäft mit Russland. Einen kräftigen Sprung nach oben gab es zudem beim Containertransport nach Skandinavien und ins Baltikum.

Dass im ersten Halbjahr 2017 an den drei HHLA-Terminals Burchardkai, Altenwerder und Tollerort zwölf Prozent mehr Container umgeschlagen wurden als im Vorjahreszeitraum, bedeutet für den von der Stagnation bedrohten Hamburger Hafen allerdings noch keine Entwarnung. Am vierten Hafenterminal, den der Wettbewerber Eurogate betreibt, soll das Geschäft deutlich schlechter gelaufen sein, berichten Insider. Mit Spannung wird daher der Bericht über den Gesamthafen erwartet, der am Mittwoch vorgelegt werden soll.

Das sind die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Group
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Ein Unternehmen mit Tradition: Seit ihrer Gründung 1871 hat sich die Hamburg Süd von einer konventionellen Reederei zu einer international operierenden Transport-Logistik-Organisation entwickelt. Im März 2016 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI. Im März 2017 hat der Oetker-Konzern – zu dem Hamburg Süd gehört – die Reederei an den Konkurrenten Maersk verkauft. Die Flotte der Hamburg Süd umfasst 105 Schiffe, die eine Containerkapazität von insgesamt 564.000 Stück haben.

Quelle: Alphaliner

Platz 9: Mitsui O.S.K. Lines
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Die Japaner sind zurück in der Top Ten. Mit der MOL Triumph hat die Reederei aus Tokio nicht nur das größte Containerschiff der Welt ist der Flotte, sondern konnte auf 79 sagenhafte 569.000 Container transportieren.

Platz 8: Yang Ming Marine Transport Corp.
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Im Jahr 1972 in Taiwan gegründet, besitzt Yang Ming eigene und in Kooperation betriebene Containerterminals in den USA, Belgien, den Niederlanden sowie in Taiwan. Die Schiffsflotte besteht aus 95 Schiffen und umfasst eine maximale Kapazität von 580.000 Containern. Doch die Reederei leidet unter der schwächelnden Konjunktur in China. Eine Großallianz, die 2017 mit der deutschen Hapag-Lloyd und vier weiteren asiatischen Reedereien startet, soll helfen.

Platz 7: OOCL
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Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung gegründet. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. Zuletzt machte die asiatische Reederei den größten Sprung. Rund 672.000 Container kann das Unternehmen auf 98 Schiffen unterbringen. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Platz 6: Evergreen Line
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Die Reederei Evergreen stammt aus Taiwan. Mit ihren 194 Schiffen bedient das Unternehmen Linien in Osteuropa, nach Europa und zur US-Westküste und kann insgesamt 1,07 Millionen Standardcontainer unterbringen.

Platz 5: Hapag-Lloyd
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Mit 1,5 Millionen Containern hat aufgeholt: Unter dem Druck der schweren Schifffahrtskrise schloss sich die Reederei Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zusammen. Damit kommt die hamburgische Reederei, auf eine Flotte von 212 Schiffen. Zudem hat die neue Allianz mit den asiatischen Reedereien den Hamburgern eine gute Position auf den Weltmeeren verschafft.

Platz 4: Cosco Container Lines
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Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz sukzessive ausgebaut. 1,82 Millionen Container kann das Unternehmen unterbringen. Die Flotte umfasst aktuell 331 Schiffe.

„Die Zahlen der HHLA sind für den Hafenstandort Hamburg nur auf den ersten Blick erfreulich“, mahnte daher auch Michael Kruse, Hamburgs wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Der Containerumschlag liege trotz guter Weltkonjunktur noch immer deutlich unter dem Niveau der Jahre 2013 und 2014. „Hamburg braucht nun zügig die Fahrrinnenanpassung der Elbe“, forderte er.

Möglicherweise profitierte die Hansestadt zudem von Einmaleffekten. Denn bei den zwei Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen, die bei der Umschlagmenge vor Hamburg rangieren, gab es im zweiten Quartal massive Schwierigkeiten.

Dort führte die Neuaufstellung der Allianzen zu erheblichen Verwirrungen - mit der Folge, dass die Terminals bei der Schiffsabfertigung nicht mehr mithielten. Binnenschiffe wurden nur noch mit mehrtägiger Verspätung gelöscht und beladen. In Antwerpen wuchsen die Wartezeiten auf vier Tage, in Rotterdam sogar auf bis zu fünf.

Die HHLA zeigt sich hingegen optimistisch und korrigiert nun ihre Jahresprognose – im Übrigen die dritte seit Beginn es Geschäftsjahres – leicht nach oben. Der Konzern werde wohl mit einem Ebit zwischen 135 und 155 Millionen abschließen, erklärte Titzrath, nach einem Vorjahresergebnis von 148 Millionen Euro.

Der Börsenkurs markierte am Morgen mit 25,90 Euro ein Fünfjahreshoch, musste einen Teil der Gewinne im Tagesverlauf jedoch wieder abgeben.

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