Hilfe von Baden-Württemberg
Schlecker winkt Geldspritze vom Steuerzahler

Schlecker könnte dringend nötige Hilfe bekommen: Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) fordert unkonventionelle Maßnahmen für die insolvente Drogeriemarktkette. Schleckers Konkurrenz protestiert.
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Stuttgart/DüsseldorfDer Finanz- und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nils Schmid (SPD), will die von der Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker betroffenen Mitarbeiter möglichst schnell in neue Jobs vermitteln.

"Die 12.000 Beschäftigten - in diesem Fall hauptsächlich Frauen mit geringem Einkommen - müssen den Kopf für jahrelange unternehmerische Fehler hinhalten. Der Staat ist gefordert, die Folgen abzumildern", sagte Schmid dem Handelsblatt. Dabei gehe es auch darum, "neue Wege zu gehen". Eventuell müsse das Insolvenzgeld etwas verlängert werden, bis ein tragfähiges Konzept steht. Vielleicht sei es auch möglich, EU-Gelder einzusetzen.

Baden-Württemberg ist besonders betroffen, weil die Firmenzentrale in Ehingen nahe Ulm liegt. Die Filialen aber sind bundesweit verstreut. Schmid fordert deshalb eine länderübergreifende Initiative, um möglichst schnell eine Transfergesellschaft auf die Beine zu stellen.

Beim Wechsel in eine solche Transfergesellschaft werden die Mitarbeiter für maximal ein Jahr weiterbeschäftigt. Sie erhalten dann das sogenannte Transferkurzarbeitergeld, für Mitarbeiter mit Kindern sind das 67 Prozent und für andere 60 Prozent des letzten Nettogehalts. Es wird aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung gezahlt.

Ziel ist es, die Betroffenen in andere Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. Meist werden Transfergesellschaften für eine große Zahl von Mitarbeitern an einem Standort gegründet. Bei Schlecker aber werden bundesweit 2400 Filialen geschlossen, jede davon mit nur wenigen Angestellten - was die Arbeit der Vermittler deutlich erschwert. Doch das kann Schmid nicht von seiner Forderung abbringen. Er verwies darauf, dass Arbeitsplätze im Handel nicht weniger wert seien als in der Produktion.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will bis Ende dieser Woche Klarheit über die Transfergesellschaft, in der die meist älteren, gering qualifizierten Schlecker-Frauen weitergebildet und möglichst schnell in neue Jobs vermittelt werden sollen, schaffen.

Auch Arndt Geiwitz, der vorläufige Insolvenzverwalter von Schlecker, ist für die Gründung einer Transfergesellschaft - doch es fehlt das Geld. Bei der Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch sagte Geiwitz, es gebe dafür keine Mittel aus der Insolvenzmasse.

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  • Misswirtschaft
    Schlecker ist ein einwandfrei wirtschaftlich geführtes Unternehmen. Der Wettbewerbsvorteil wird konsequent genutzt: durch Übernahme von Lohnkosten durch Insolvenzgeld für 3 Monate und ein Jahr durch Auffanggesellschaften, Beteiligung von Regierungen, Druck auf Lieferanten und Mitarbeiter durch konsequente Verjüngung (und wieder geringeren Löhnen) der Belegschaft die nach dem Verfahren wieder neu eingestellt werden.
    Das ist konsequente Betriebswirtschaft und keine Misswirtschaft.
    Misswirtschaft ist allerdings das Management der Politiker, wenn man unterstellt, dass sie für einen effektiven Einsatz der Mittel zum Nutzen der Bürger sorgen sollen.

  • Das bedeutet doch: Wenn man ein Unternehmen, welches seine Mitarbeiter schamlos ausbeutet, durch Kaufboykott bestraft, geht unsere Regierung hin und gleicht das mit unseren Steuerngeldern wieder aus.

  • Wieso das denn? Laut Frau von der Leyen brummt doch der Arbeitsmarkt...
    Manchmal denk ich eher es piept

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