Hilfe zugesagt
Kanzler wirft Karstadt-Management krasse Fehler vor

Angesichts der jüngsten Kürzungspläne bei Karstadt-Quelle hat Bundeskanzler Gerhard Schröder der ehemaligen Leitung des Konzerns krasses Versagen vorgeworfen. Zugleich sicherte er die Hilfe der Bundesregierung bei der Abmilderung sozialer Folgen für die Beschäftigten des Konzerns zu. Finanzielle Hilfen kämen derzeit aber nicht in Frage, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

HB BERLIN. Aus Bankenkreisen hieß es unterdessen, dem Konzern drohe kein unmittelbarer Liquiditätsmangel. Karstadt wolle lediglich eine kurzfristige Kreditlinie leicht aufstocken und verlängern.

„Es handelt sich um Managementversagen in seiner krassesten Form“ und um „Unfähigkeit bis zum Gehtnichtmehr,“ kritisierte der Kanzler am Donnerstag in Berlin. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Konzernleitung so lange die Schwachpunkte des Unternehmens nicht erkannt habe. Die Bundesregierung habe allerdings nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten bei der Sanierung des Unternehmens. Clement sagte Focus Online zudem, für ein schnelles Eingreifen der Bundesregierung sei es noch zu früh. Zunächst müsse das Sanierungskonzept umgesetzt werden. Die Karstadt-Aktie ging am Donnerstag mit einem Minus von 3,46 Prozent aus dem Handel.

Im Juni hatte der damalige Konzernchef Wolfgang Urban nach anhaltenden Umsatzrückgängen seinen Posten räumen müssen. Branchenexperten werfen ihm vor, sich zu sehr auf Nebenkriegsschauplätzen verzettelt zu haben, statt die Kernprobleme anzugehen, insbesondere die Umsatzeinbrüche in den 181 Warenhäusern des Traditionsunternehmens.

Karstadt-Quelle hatte am Dienstag drastische Schritte zur Sanierung des Konzerns angekündigt, die unter anderem den Verkauf oder die Auslagerung von 77 der 181 Warenhäuser sowie den Verkauf aller 305 Fachgeschäfte vorsehen. Dabei stehen mehrere tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel, betriebsbedingte Kündigungen seien unvermeidbar, hatte der Konzern erklärt.

Das Unternehmen bestätigte am Donnerstag die Aufnahme von Gesprächen mit der Bundesregierung, nannte aber keine Einzelheiten. „Es gibt Gespräche und die verlaufen sehr konstruktiv“, sagte ein Sprecher.

Börsianer zeigten sich irritiert von der politischen Einmischung. „Der Markt ist irritiert, dass sich die Regierung bei Karstadt einmischt“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing in Frankfurt. „Das passiert normalerweise nur, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und das Unternehmen kurz vor der Insolvenz steht. Das ist hier aber nicht der Fall“, ergänzte er.

Der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr, wies ebenso wie Wirtschaftsminister Clement Forderungen aus den Reihen der FPD nach allgemeinen Hilfen für den Einzelhandel zurück. „Wir brauchen kein Notpaket, sondern verlässliche Rahmenbedingungen. Der Einzelhandel brauche in erster Linie den Verzicht auf weitere Belastungen. „Das Wort Steuererhöhung darf niemand mehr in den Mund nehmen.“ Der HDE hatte jüngst seine Umsatzprognose für die Branche herabgesetzt und rechnet für 2004 mit einem nominalen Rückgang um 0,5 Prozent statt eines Anstiegs um 0,5 Prozent.

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