Hilfen für Airlines
Linienflieger fordern Erleichterungen von EU

Der Branchenverband der Linienfluggesellschaften fordert in der Wirtschaftskrise europäische Unterstützung. Brüssel soll die Flughafen- und Luftverkehrsgebühren einfrieren und Slots garantieren, auch wenn Sie nicht genutzt werden. Dafür wollen die Gesellschaften auf finanzielle Hilfen verzichten.

LONDON. Die europäischen Linienfluggesellschaften haben die Europäische Kommission um Hilfe bei der Bewältigung der Rezession gebeten. Der Branchenverband AEA, in dem 35 Fluggesellschaften organisiert sind, hat dem Verkehrskommissar Antonio Tajani einen Katalog von Wünschen vorgelegt. Der Verband hofft, dass die Kommission alle Flughafen- und Luftverkehrsgebühren einfriert und seinen Mitgliedern bestehende Start- und Landerechte garantiert, auch wenn sie diese vorübergehend nicht nutzen. Die nicht im AEA organisierten Billigflieger sind damit allerdings nicht einverstanden und auch die Flughafenbetreiber dürften protestieren.

„Wir bitten die Politik nicht um finanzielle Hilfe“, sagte Athar Husain Khan, General Manager für Infrastruktur bei der AEA, dem Handelsblatt. Die Fluggesellschaften erhofften sich aber regulatorische Unterstützung, um mit der Rezession zurechtzukommen. Bisher bestehe ein Ungleichgewicht im Verhältnis zwischen Flughäfen und Fluggesellschaften. Das gelte es zu beseitigen. Die Kommission solle dafür sorgen, dass Start- und Landegebühren, Sicherheitskosten und Abgaben für die Nutzung des Luftraums ab sofort nicht mehr erhöht werden dürften.

Diese Gebühren werden entweder staatlich festgesetzt oder von privaten Flughäfen erhoben und von Aufsichtsbehörden genehmigt. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wollte sich zu der Idee nicht äußern. Ein Sprecher wies darauf hin, dass die Gebühren so kalkuliert seien, dass sie die Kosten deckten. Fraport hat die Start- und Landegebühren zum Jahresanfang um 2,3 Prozent erhöht. Der weltweit größte Flughafenbetreiber, die britische BAA, wollte sich nicht zum Thema äußern. Ein Sprecher der britischen Aufsichtsbehörde CAA sagte, wenn konkrete Vorschläge aus Brüssel vorlägen, sei man gerne bereit, darüber zu diskutieren. Vom europäischen Flughafenverband ACI war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Eine weitere Forderung der AEA bezieht sich auf eine international übliche Regel für die Zuteilung von Start- und Landerechten, den sogenannten Slots, auf stark frequentierten Flughäfen. Sie besagt, dass eine Fluggesellschaft einen Slot verliert, wenn sie ihn im Laufe eines Jahres zu weniger als 80 Prozent nutzt. Die AEA will, dass diese Regel – wie nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 – ausgesetzt wird. Das soll verhindern, dass europäische Fluggesellschaften ihre Slots verlieren, weil sie konjunkturbedingt das Flugprogramm zusammenstreichen.

Flughäfen wie Frankfurt oder London-Heathrow haben allerdings Wartelisten und hätten Einnahmeausfälle zu beklagen, wenn Slots ungenutzt blieben. Billigflieger und internationale Fluggesellschaften stünden bereit, einzuspringen. Entsprechend empört reagiert etwa Easyjet-Chef Andy Harrison: „Hier geht es nicht um den Schutz einer Branche, sondern um die Unterstützung einiger schlecht geführter, ineffizienter Netz-Fluggesellschaften mit veralteten Geschäftsmodellen“, polterte er. Die EU dürfe den AEA-Mitglieder nicht erlauben, ihre Slots in der Krise zu horten. „Wir müssen Europa davor bewahren, in die protektionistische Steinzeit zurückzurutschen. Das würde die Branche nur immer tiefer in die Krise stürzen.“

Laut AEA hat sich die Kommission bereiterklärt, die Vorschläge zu prüfen. Ein Sprecher des Verkehrskommissars Tajani wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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