Hintergrund
Chronik: Neuordnung der europäischen Börsenlandschaft

Eine Chronik der Versuche einer Neuordnung der europäischen Börsenlandschaft, die bei der Deutschen Börse zu einer beispiellosen Unternehmenskrise führte:

Juli 1998 - Die Deutsche Börse und die Londoner Börse LSE stellen einen Plan zur Schaffung eines gemeinsamen Marktes für die 300 größten Firmen Europas vor.

September 1998 - London, Frankfurt und sechs weitere Börsenplätze verständigen sich auf eine Basis für eine paneuropäische Allianz mit einem gemeinsamen Regelbuch und einer gemeinsamen elektronischen Schnittstelle. Das Projekt scheitert, weil man sich nicht einigen kann, wessen Technologie benutzt werden soll.

März 2000 - Die Börsen Paris, Amsterdam und Brüssel veröffentlichen Plan zur Bildung der Euronext. Später stößt Lissabon hinzu.

Mai 2000 - Die LSE und die Deutsche Börse stellen einen Plan zur Fusion vor, bei der unter Einbeziehung der Nasdaq ein Mega-Marktplatz mit dem Namen „iX -International Exchanges“ entstehen soll.

August 2000 - Die schwedische Börse OM legt ein Übernahmeangebot für die LSE vor.

September 2000 - LSE zieht sich vom iX-Projekt zurück, um sich auf die Abwehr der Übernahme durch OM zu konzentrieren. OM scheitert; nur 6,7 Prozent der LSE-Anteilseigner sind für die Fusion. Euronext startet in Brüssel.

Oktober 2001 - Euronext gewinnt das Bietergefecht mit der LSE um die Londoner Derivatebörse Liffe.

1. Februar 2002 - Deutsche Börse einigt sich mit Cedel über Angebot zur Voll-Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream.

11. Juli 2002 - Die Deutsche Börse schließt die komplette Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream für rund 1,7 Milliarden Euro ab.

August 2004 - Die Schweizer Börse SWX lehnt Vorstellungen der Deutschen Börse über eine Fusion - faktisch eine Übernahme - ab und will unabhängig bleiben.

13. Dezember 2004 - Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die Londoner Börse LSE über knapp zwei Milliarden Euro.

20. Dezember 2004 - Die Vierländerbörse Euronext bekundet ebenfalls Interesse an einem Kauf der LSE, nennt aber keinen Preis.

15. Januar 2005 - Der an der Deutschen Börse beteiligte Hedge-Fonds TCI lehnt den LSE-Kauf als zu teuer ab. Er will den Aufsichtsrat abwählen und ein Aktienrückkaufprogramm beschließen lassen.

27. Januar 2005 - Die Deutsche Börse veröffentlicht Details zur geplanten Übernahme der LSE und macht Zugeständnisse an den Finanzplatz London. Das LSE-Management lehnt ab.

6. März 2005 - Die Deutsche Börse zieht auf Druck der oppositionellen Aktionäre ihre Offerte für die LSE zurück. Sie behält sich aber ein neuerliches Angebot vor, sollte Euronext aktiv werden.

9. Mai 2005 - Werner Seifert tritt als Vorstandschef der Deutschen Börse zurück. Aufsichtsratschef Rolf Breuer soll aus dem Gremium ausscheiden. Sein Nachfolger wird der Investmentbanker Kurt Viermetz.

15. August 2005 - Die australische Macquarie Bank bestätigt ihr Interesse an einer Übernahme der LSE.

07. September 2005 - Die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SWX sprechen über eine Erweiterung ihrer bestehenden Kooperation.

01. November 2005 - Der bisherige Präsident der SWX, Reto Francioni, übernimmt das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse.

15. Dezember 2005 - Macquarie macht ein formelles Übernahmeangebot für die LSE über 580 Pence je Aktie. Das LSE-Management lehnt ab.

Dezember 2005 - Gespräche über eine Kooperation der Deutschen Börse und Euronext werden auf Eis gelegt. Sie scheitern angeblich an der Frage des Hauptsitzes eines fusionierten Unternehmens.

03. Februar 2006 - Die britischen Wettbewerbsbehörden geben grundsätzlich grünes Licht für eine Übernahme der LSE durch Macquarie.

20. Februar 2006 - Macquarie will das Angebot für die LSE nicht erhöhen und die Frist zur Annahme des Angebots nicht mehr verlängern. Da bislang nur ein Bruchteil der LSE-Aktionäre angenommen hat, kann der Übernahmeversuch als gescheitert gelten.

21./22. Februar 2006 - Die Deutsche Börse stellt einen Plan vor, nach dem gemeinsam mit der Euronext eine kontinentaleuropäische Börsenorganisation mit Hauptsitz Frankfurt geschaffen werden soll. Ziel sei eine „Fusion unter Partnern“. Euronext reagiert reserviert und will den Vorschlag genau prüfen.

28. Februar 2006 - Macquarie kündigt an, das Angebot für die LSE nicht mehr weiter zu verfolgen, nachdem sich nur ein sehr geringer Anteil der LSE-Anleger für eine Übernahme ausgesprochen hatte. Damit ist Macquarie mit ihrem Übernahmeversuch endgültig gescheitert.

08. März 2006 - Die weltgrößte Börse, die New York Stock Exchange (Nyse), feiert ein fulminantes Börsendebüt. Die Aktien legen am ersten Handelstag kräftig zu. Sie hatte zuvor angekündigt, die Einnahmen aus dem Börsengang auch für Zukäufe zu nutzen.

10. März 2006 - Die LSE erklärt, die Nasdaq sei an sie herangetreten. Das Angebot bewerte das britische Unternehmen jedoch zu niedrig und werde daher abgelehnt.

13. März 2006 - Eine Zeitung meldet, dass die Nyse ein Gegenangebot für die LSE erwägt.

14. März 2006 - Euronext geht auf das Gesprächsangebot der Deutschen Börse von Ende Februar ein. Ziel ist eine Fusion.

15. März 2006 - Die Deutsche Börse begrüßt das Entgegenkommen von Euronext, hält sich aber ein Angebot für die LSE offen.

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