Hintergrund
Geldvernichter Sinn-Leffers

Auf wackligen Beinen steht auch die von Middelhoff im September 2005 verkaufte Textilkaufhauskette Sinn-Leffers. Nur ein umfangreicher Gesellschafterkredit des neuen Eigentümers DIH/HMD Investco - ein in Luxemburg ansässiges Joint Venture aus Deutscher Industrieholding (DIH) und dem britischen Beteiligungsfonds HMD Partners - verhindert derzeit die Pleite des Hagener Filialisten.

Wie dem vor wenigen Wochen hinterlegten Jahresabschluss 2006/2007 zu entnehmen ist, stützt DIH/HMD die verlustreiche Kette inzwischen mit Krediten in Höhe von 96,8 Mill. Euro. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr pumpten die Eigner 20 Mill. Euro ins Geschäft, um die Insolvenz des 3 800 Mitarbeiter zählenden Unternehmens zu verhindern.

Der Filialist, der sich gegen aggressive Ketten wie Esprit und Peek & Cloppenburg behaupten muss, lief miserabel. Der Umsatz sackte um neun Prozent auf 406 Mill. Euro und hinterließ beim Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ein Minus von 19 Mill. Euro. Im Klartext: Bei einem Einkaufsbon über 100 Euro legt Sinn-Leffers fast fünf Euro oben drauf.

Selbst nach dem Verkauf von zwei Hugo-Boss-Markenshops blieb dem Filialisten zum Geschäftsjahresende ein Fehlbetrag von 2,5 Mill. Euro. Der "nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag" in der Konzernbilanz erhöhte sich entsprechend auf 67,1 Mill. Euro. "Zur Vermeidung der Überschuldung", ist dort zu lesen, erklärten die Eigentümer für ihren Kredit einen Rangrücktritt. Im Insolvenzfall hätten sie damit Probleme, an ihr Geld zu kommen.

Wettbewerber erwarten deshalb, dass die Kette schon bald auf den Markt kommt. Offerten von Seiten der Eigentümer sind aber bislang nicht bekannt geworden. "Uns liegt nichts Belastbares vor", bestätigt der Chef einer großen deutschen Maklerfirma.

Peter Zühlsdorff, der als geschäftsführender Gesellschafter der DIH dem Aufsichtsrat von Sinn-Leffers vorsitzt, wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern. Der Ex-Wella-Vorstandschef und Tengelmann-Sanierer hatte den Kauf vor drei Jahren eingefädelt.

Mit der Übernahme glückte Zühlsdorff allem Anschein nach ein lohnendes Geschäft - trotz der Misere von Sinn-Leffers. Zwar blieb der Kaufpreis seinerzeit unter Verschluss, Analysten wie Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank hielten es aber für unwahrscheinlich, dass die Käufergruppe für die Kette mehr als den Nulltarif zahlte. Die 200 Mill. Euro, die damals der Konsortialpartner Curzon/Isis für die 17 Kaufhaus-Immobilien von Sinn-Leffers auf den Tisch legte, dürften deshalb als Ausgleich an DIH/HMD geflossen sein.

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