Hintergrund
Hängepartie Hertie

Nicht überall, wo Hertie draufsteht, ist Hertie wirklich drin. Was Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff im Herbst 2005 dem britischen Finanzinvestor Dawnay Day und der Londoner Beratungsfirma Hilco verkaufte, hieß in Wahrheit "Karstadt Kompakt" - ein Sammelsurium aus kleinen Warenhäusern in deutschen Mittelstädten und Stadtteilen, deren Belegschaft per Sanierungstarifvertrag für fast drei Jahre vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt war.

Die wirklichen Perlen aus dem Bestand des ehemaligen Hertie-Konzerns, den Karstadt 1994 erworben hatte, behielt der Essener Handelsstratege für sich - unter ihnen Vorzeigeobjekte wie das Berliner KaDeWe und das Hamburger Alsterhaus.

Was sich die Briten da an Land gezogen hatten, dürfte ihnen schon bald nach dem Verkauf aufgegangen sein. Statt der zum Start verkündeten schwarzen Zahlen sah man bei der Warenhauskette dunkles Rot. Jahr für Jahr fuhr die Warenhauskette operativ ein Minus von gut 30 Mill. Euro ein, Geschäftsführer kamen und gingen. Auch eine Umbenennung der 74 "Karstadt Kompakt"-Häuser in Hertie - die ungenutzte Marke hatte ihnen Middelhoff als Mitgift in den Warenkorb gelegt - änderte daran nichts. Der Umsatz sackte immer stärker ab, im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent auf 540 Mill. Euro.

Von den trüben Aussichten der in die Jahre gekommenen Kaufhäuser ließen sich die Briten nicht beirren. Über enorme Mietforderungen, die über die abgetrennte Immobilienfirma eingetrieben wurden, zogen sie mehr Geld aus dem Unternehmen, als Hertie gut tat. Die Beratungsfirma Hilco zog schon früh die Reißleine und stieg bei Hertie aus. Nur noch zwei Hilco-Manager halten seitdem einen kleinen Anteil von 13 Prozent am Unternehmen.

Das Eigenkapital, so jedenfalls zeigte es der 2007 vorgelegte Geschäftsbericht, ist angegriffen. Falls der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Eigentümer Dawnay Day ausfällt, könnte den Warenhäusern bald die notwendige finanzielle Absicherung fehlen. 4 100 Jobs stünden auf dem Spiel.

Wie groß der Schaden für Dawnay Day tatsächlich werden kann, ist ungewiss. "Knapp 500 MillionenEuro" habe man für Karstadt Kompakt erhalten, berichtete Karstadt-Quelle-Chef Middelhoff vor drei Jahren. Der tatsächliche Zahlungsfluss, erzählen dagegen Topmanager der ersten Stunde, sei "dramatisch niedriger" gewesen.

Auch von dem Versprechen, der deutschen Warenhaustochter frisches Kapital für Investitionen an die Hand zu geben, hat Dawnay Day nur wenig eingehalten. Bislang flossen die Gelder nur spärlich in die Essener Zentrale.

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