Hintergrund
Insolvenzfall Wehmeyer

Die Modehauskette Wehmeyer ist der erste Totalausfall aus der Hinterlassenschaft von Karstadt-Quelle. Am 1. August 2005 wechselte der Aachener Filialist mitsamt seinen 57 Standorten zum US-Finanzinvestor Schottenstein, der gemeinsam mit dem Textilanbieter Miro Radici für den Einzelhändler geboten hatte. Anfang Juli 2008 meldete Wehmeyer Insolvenz an.

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung machten den Weg zum Amtsgericht Aachen notwendig, das den Düsseldorfer Anwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte.

Betroffen von der Pleite sind rund 1 000 Mitarbeiter, die noch bis Ende September Insolvenzgeld erhalten. Die Geschäfte des Textilhändlers laufen vorerst weiter und werden beliefert. Von den ursprünglichen Standorten blieben allerdings in den vergangenen Jahren nur noch 38 Geschäfte in vier Bundesländern - schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen - übrig.

Der Insolvenzverwalter bemüht sich inzwischen um den Verkauf der Modekette. Zwölf potenzielle Investoren hätten bereits ihr Interesse bekundet, heißt es dort, erste Sondierungsgespräche liefen. Unter den ernsthaften Interessenten seien sowohl Finanz- als auch strategische Investoren.

Schon der Jahresabschluss 2006, der erst vor fünf Wochen an die Öffentlichkeit gelangte, zeichnete eine vertrackte Lage. 2006 sank der Umsatz um zwölf Prozent auf 151 Mill. Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag mit 2,4 Mill. Euro im Minus, nach minus 2,1 Mill. Euro im Vorjahr. 2007 startete Wehmeyer noch einmal eine verzweifelte Rettungsaktion, indem man die Zentrale in Aachen sowie die Standorte in Limburg und Siegburg verkaufte. Mit den Verkaufserlösen, die deutlich über dem Buchwert ausfielen, wollte man die Liquidität der Gesellschaft mittelfristig sicherstellen. Am Ende aber reichte es nicht.

Die Kette Wehmeyer war 1988 vom Warenhauskonzern Hertie gekauft worden, der seinerseits 1994 an Karstadt ging. Als der wenig später um Quelle erweiterte Handelskonzern Karstadt-Quelle im Herbst 2004 in eine tiefe Krise rutschte, entschloss sich Konzernchef Thomas Middelhoff, den ertragsschwachen Filialisten zu verkaufen.

Doch vor allem die Expansion von Billiganbietern wie Kik und Vögele erschwerte den neuen Eigentümern den erhofften Turn-around. Bis Ende 2006 mussten die beiden Gesellschafter dem Unternehmen, das weitgehend ohne Bankkredite arbeitete, 85 Mill. Euro leihen. Im Januar 2008 stieg Radici, bislang 50-Prozent-Gesellschafter, bei Wehmeyer aus. Seither ist die Schottenstein-Gruppe alleiniger Gesellschafter.

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