HMV will Buchkette Ottakar’s schlucken – Autoren und Verlage fürchten um literarische Vielfalt
Handelsfusion erzürnt britische Verleger

In Großbritannien ist ein erbitterter Kampf um die Handelsware Buch ausgebrochen. Die HMV Group, führender Verkäufer von Musik-CDs, DVDs und Büchern, will die zweitgrößte Buchkette Ottakar’s übernehmen. Ein Zusammenschluss mit der HMV-Tochter Waterstone’s würde den mit weitem Abstand führenden Sortimentsbuchhändler auf der Insel entstehen lassen

LONDON. Analysten befürworten den Schritt, doch Verleger und Autoren befürchten eine Verödung des Angebots und fordern die Kartellbehörden auf, die Fusion zu verbieten.

Der Kampf um Ottakar’s begann bereits Ende August, als das Management anbot, das Unternehmen per Management-Buyout von der Börse zu nehmen. Die 1987 vom heutigen Chairman Philip Dunne und vom Vorstandschef James Heneage gegründete Buchkette ist seit 1998 börsennotiert. Dunne und Heneage bieten den Aktionären zusammen mit Phoenix Equity Partners 91 Mill. Pfund (134 Mill. Euro).

Doch am 8. September konterte HMV mit einem Gegenangebot von 100 Mill. Pfund und gewann die Zustimmung der unabhängigen Board-Mitglieder, die nicht in das Angebot des Managements eingebunden waren. Auch Analysten sprachen sich für die Kombination aus. Die Buchketten Waterstone’s und Ottakar’s hätten wenig Überschneidungen und eine Fusion brächte erhebliche Synergien, lauteten die Urteile.

Verleger und Autoren fürchten, dass sich die Macht auf dem Buchmarkt zu ihren Ungunsten verschieben wird. „Es gäbe dann nur noch ein beherrschendes Einkaufsteam und nur noch ein Buch der Woche“, sagt Richard Charkin, Vorsitzender der Publishers Association und Chef des Verlagshauses Macmillan. Verlage wären nach der Fusion gezwungen, alle Rabattforderungen von Waterstone’s zu akzeptieren. Die Zentralisierung des Einkaufs, wie Waterstone’s sie betreibe, ebne die regionalen Unterschiede in den Sortimenten der Buchläden ein und dörre die literarische Vielfalt aus.

Auch die Society of Authors hat bei der OFT protestiert. Von einer „alarmierenden Entwicklung“ und einer „extrem Besorgnis erregenden Konzentration von Macht“, spricht Anthony Beevor, Vorsitzender des Schriftstellerverbandes und Autor historischer Romane.

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