Hochfrequenzhandel
Börsen geraten ins Visier der Ermittler

US-Aufseher ermitteln gegen amerikanische Börsen. Sie sollen Hochfrequenzhändler gegenüber anderen Anlegern bevorzugen. Vor allem kleine Handelshäuser fühlen sich benachteiligt.
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New York Die Diskussion um die Gefahren des Wertpapierhandels mit superschnellen Computern nimmt in den USA eine überraschende Wendung. Statt der Hedge-Fonds und der Broker mit ihren High-Tech-Systemen geraten nun die Börsen in den Fokus der Ermittler.

Der Vorwurf: Eigentlich dazu verpflichtet, jeden Anleger gleich zu behandeln, sollen Börsen die Hochfrequenzhändler mit unfairen Vorteilen anlocken und so deren Geschwindigkeitsrausch noch verstärken. Man müsse die verzögerte Versorgung der Öffentlichkeit mit Daten und die zur Verfügung stehenden Ordertypen weiter sowie Hochfrequenzhandel insgesamt untersuchen, sagte die Chefin der US-Börsenaufsicht Mary Schapiro am Dienstag bei einer Anhörung zum Thema.

Vor allem kleinere Handelshäuser fühlen sich benachteiligt. "Seit die Börsen vor ein paar Jahren selbst an die Börse gingen und nun Gewinne machen müssen, bekommen die besonders lukrativen Kunden schnellere Daten und besondere Ordertypen", sagt Sal Arnuk, Gründer des Brokers Themis Trading, der zehn Leute beschäftigt. Und in der Tat haben die Börsen ökonomisch betrachtet allen Grund in Zeiten schrumpfender Margen die Hochfrequenzhändler als Kunden besonders zu umgarnen. Schließlich machen diese in vielen Fällen zwei Drittel der Handelsumsätze aus.

Doch langsam wird der SEC offenbar klar, dass die Börsen dabei die übrigen Investoren benachteiligen. So wurde die Nummer Eins der Branche, die New York Stock Exchange (Nyse), Mitte September in einer aufsehenerregenden Entscheidung mit einer Geldstrafe von fünf Millionen Dollar belegt: Die Nyse habe 2008 gegen die Regel verstoßen, allen Anlegern einen fairen Zugang zum Handel zu gewähren, indem sie bestimmten Kunden Daten schneller zur Verfügung gestellt habe als anderen, lautete die Begründung.

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Mehr als 1000 verschiedene Ordertypen

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  • zentale Infrastruktur - dazu gehören auch die Börsen - gehört eben nicht in private Hände

  • wer zugelassen hat, dass öffentliche Marktplätze(Börsen) in die Hände von privaten Investoren gelegt wurden, muss sich darüber klar sein, dass wie bei jeder Privatfirma Großkunden bevorzugt werden. Wer geglaubt hat, dass nur das faire Handelsgeschäft mit einer Provision das Geschäftsmodell ist, muss sich belehren lassen, dass auch das inhaltslose Fördern der Häufigkeit des Handelsgeschäfts Zusatzgewinnprovisionen erbringt. Wer überzeugt ist, dass nur der Wert des Handelsobjektes den Grund für das Handelsgeschäft darstellt, muss endlich erkennen, dass weite Kreise des Finanzmarktes nur an provozierten, möglichst großen, möglichst kurzfristigen Differenzschwankungen der Handelsobjekte anstelle ihres fairen Wertes interessiert sind. Wer will, dass fairer Wert und langfristige Investition wieder im Vordergrund stehen, muss anders organisierte, öffentlichrechtlich geführte Handelsplätze schaffen.

  • +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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