Höffner, Ikea, Roller

Online-Boom erfasst den Möbelhandel

Lange spielte der Online-Handel im Möbelbereich eine untergeordnete Rolle. Doch das scheint sich nun zu ändern. Online-Anbieter wie Home24 oder Otto wachsen stürmisch. Schon sehen erste Studien die Möbelhäuser gefährdet.
Auch bei Möbeln läuft der Online-Handel langsam an. Quelle: dpa
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Auch bei Möbeln läuft der Online-Handel langsam an.

(Foto: dpa)

KölnIm deutschen Möbelhandel klingeln die Alarmglocken. Denn der Online-Handel schickt sich an, jetzt auch die Welt von Ikea, Höffner, XXL-Lutz und Roller dramatisch zu verändern. Nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC droht im schlimmsten Falle jedem dritten der rund 30.000 deutschen Möbel- und Einrichtungsgeschäfte bis 2020 das Aus.

Zwar entfallen bislang nach Angeben des Bundesverbandes des Deutschen Möbelhandels (BVDM) nur gut 6 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche auf den Online-Handel. Doch die Signale, dass der Online-Handel im Begriff ist nach dem Buchhandel und der Textilbranche auch die Möbelbranche durcheinanderzuwirbeln, sind unübersehbar.

Der zur Start-up-Schmiede Rocket Internet gehörende Möbelhändler Home24 etwa steigerte seine Umsätze in den ersten neun Monaten 2015 um über 63 Prozent auf über 171 Millionen Euro. Der Versandhändler Otto - nach eigenen Angaben die Nummer eins im Online-Einrichtungssegment - kam 2015 sogar schon auf rund 700 Millionen Umsatz und rechnet in diesem Jahr mit ein weiteren Plus in dreistelliger Millionenhöhe.

„Im Moment werden hauptsächlich kleinere Einrichtungsgegenstände im Internet bestellt, aber die Verbraucher werden es in Zukunft auch immer öfter wagen, größere Stücke wie Sofas oder sogar ganze Küchen im Internet zu ordern“, erwartet der ECC-Branchenexperte Jens Rothenstein. „Viele Händler scheinen die Bedrohung noch nicht erkannt zu haben.“ Das könnte sich rächen. Im schlimmsten Falle sind nach einer Studie des ECC ein Drittel der Möbel- und Einrichtungsgeschäfte gefährdet.

Nicht alle sehen die Lage so dramatisch. Aber dass die Branche vor großen Veränderungen steht, das ist unbestritten. „Alle großen Möbelhändler haben erkannt, dass es wichtig ist im Online-Handel dabei zu sein. Allein das wie ist strittig“, sagt Sebastian Deppe von der Unternehmensberatung BBE.

Der Marktführer im deutschen Möbelhandel Ikea etwa ist längst dabei, sein Internetstandbein zu stärken. Dafür errichtet er inzwischen neben den klassischen Einrichtungshäusern auch noch zusätzliche Abholstationen, sogenannte Pick-up-Points, wo online bestellte Artikel in Empfang genommen werden können. „Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen in Deutschland innerhalb einer Fahrtzeit von 20 bis 45 Minuten bei Ikea einkaufen oder ihre online bestellten Ware abholen können“, erklärt Ikea-Manger Klaus Cholewa.

Möbel für Macher
Moosmanufaktur Freund
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Man muss im Internet wohl nicht lange nach Studien suchen, die beweisen, dass sich ein Mitarbeiter in einer gesunden Umgebung wohler fühlt, als wenn er von grauen Bürowänden umgeben ist. Wie wäre es also mal mit etwas Moos? Zu sehen gibt es die ungewöhnliche Wandgestaltung derzeit auf der internationalen Einrichtungsmesse IMM Cologne, die noch bis Sonntag geöffnet hat.

100 Prozent Naturmoos
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Die grünen Wandelemente, die von der Firma Freund aus Berlin hergestellt werden, bestehen ausschließlich aus echten Moosen und Pflanzen. Besonders praktisch: Die Moose sind gereinigt und konserviert! Für Menschen wie mich, die noch nie einen Grünen Daumen hatten, wohl das perfekte Accessoire für den Arbeitsplatz...

Lust auf ein Meeting im Grünen?
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Und ja, es riecht! Aber gar nicht aufdringlich und unangenehm, sondern ein kleines bisschen nach Wald. Eigentlich doch ganz nett, oder? Wir kommen ja eh viel zu selten aus unseren Büros raus...

Pappelrinde
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Sie sind mehr so der Holz-Typ? Dann kleiden Sie sich Ihr Büro doch mit dieser Pappelrinde aus! Die können bis zu vier Zentimeter dick sein, schlucken einiges an Lautstärke und sind genauso pflegeleicht wie das apfelgrüne Moos. So oder so: Ein interessanter Gegenpool zur schnelllebigen High-Tech-Welt, oder? Die Nachfrage nach verwittertem Holz, so heißt es unter Möbelexperten, steigt.

Organoid Technologies
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Am Stand nebenan zeigt die Österreichische Firma Organoid Technologies, wie man sich die Natur, die man als vielbeschäftigter Manager ja nur noch am Wochenende oder im Urlaub zu Gesicht bekommt, an den Arbeitsplatz holen kann. Diese Wände können etwas ganz Besonderes...

Hmm, was duftet hier nach Kakao?
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Richtig, diese Wand macht Hunger. Ich hätte damit ja Probleme, wenn ich zehn Stunden lang in einem Büro sitzen müsste, das die ganze Zeit latent nach Schokolade riecht... dann lieber doch eine andere Variante, denn die Idee an sich gefällt mir sehr gut.

Befreit die Seele, macht klare Gedanken
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Mein Favorit, neben der Almheuwand, ist die hier mit Lavendel: Das Kraut soll ja gegen die verschiedensten Leiden helfen. Was man so liest, ist, dass es eine befreiende Wirkung auf unsere Seele hat, klare Gedanken verleiht und dabei hilft, abzuschalten – wer kann das nicht gebrauchen? Ich stelle sofort einen Beschaffungsantrag und nein, ich bekomme vom Hersteller kein Geld dafür, dass ich das schreibe.

Allerdings hat es der schwedische Gigant mit dem Ausbau seines Internetangebots nach Einschätzung von Branchenkennern auch nicht allzu eilig. Schließlich sind Impulskäufe im Ikea-Einrichtungshaus ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Und die sind im Internet wesentlich schwerer zu erzielen.

„Der Online-Anteil wird kontinuierlich wachsen, aber es ist eine Evolution, keine Revolution“, glaubt deshalb Marco Atzberger vom EHI. wahrscheinlich liege die Zukunft in der Verbindung beider Vertriebswege. Atzberger verweist darauf, dass nicht nur der Online-Handel wächst, gleichzeitig würden auch weiterhin neue Riesen-Möbelhäuser gebaut. „Es gibt immer noch viel Bedarf ein Möbel zu sehen und auszuprobieren“, betont er.

Probleme drohen nach seiner Einschätzung vor allem inhabergeführten kleineren Geschäften, die nun gleichzeitig durch die Großflächen und durch die Online-Händler unter Druck gesetzt würden. Dadurch könne sich die Marktbereinigung beschleunigen.

  • dpa
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