Hoffnung auf Fall der Metropole: Die ganz großen Gewinne locken in Europa

Hoffnung auf Fall der Metropole
Die ganz großen Gewinne locken in Europa

Erst vor wenigen Tagen wurde bei einer Ziehung in Paris bei „Euro-Millions“ der größte europäische „Jackpot“ aller Zeiten geknackt. Einziger Schönheitsfehler: Das Lottomonopol verhindert die Teilnahme der Spieler in Deutschland.

DÜSSELDORF. Rund 24 Millionen Euro warten heute im bisher zweitgrößten deutschen Lottotopf auf ihren Gewinner. Eine gewaltige Summe – doch im internationalen Vergleich ist das eine Petitesse. Erst vor wenigen Tagen wurde bei einer Ziehung in Paris bei „Euro-Millions“ der größte europäische „Jackpot“ aller Zeiten geknackt – er war 183 Mill. Euro schwer. Einziger Schönheitsfehler: Bei uns dürfen die Lose hierfür wegen des hiesigen staatlichen Lottomonopols nicht verkauft werden. In zehn anderen europäischen Ländern hatten die Spieler dagegen die Chance auf diesen Gewinn.

Im deutschen Zahlenlotto setzten die Spieler am vergangenen Wochenende fast 89 Mill. Euro ein, um den Jackpot zu knacken. „Nach ersten vorläufigen Zahlen bedeutet dies eine Steigerung von rund 30 Prozent im Vergleich zu einer Durchschnittswoche“, sagt die Sprecherin der Land Brandenburg Lotto GmbH. Wie groß der Jackpot heute sein wird, hängt noch davon ab, wie viele Spieler nun ihr Glück versuchen.

Ob sie sich demnächst zwischen dem deutschen und dem europäischen Lotto entscheiden können, hängt davon ab, ob das staatliche Lottomonopol Bestand hat. Gespannt warten weltweit Lottoanbieter auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das im April gefällt werden könnte. Wenn eine Münchener Buchmacherin Recht bekommt und neben Pferde- auch Sportwetten annehmen kann, wäre dies gleich bedeutend mit der Öffnung des Sportwettenmarktes, sagen Marktkenner wie Rechtsanwalt Klaus Hambach von der Münchner Kanzlei Hambach & Hambach: „Das könnte ein Art Vorentscheid sein.“ Kurzfristig, räumt er ein, sieht er das staatliche Lottomonopol aber noch nicht wanken.

Weltweit bereiten sich indes immer mehr Lottogesellschaften unverdrossen auf die Zeit nach den großen Monopolen vor. So wie die italienische Lottomatica, die Anfang des Jahres die amerikanische G-tech für knapp vier Mrd. Euro übernommen hat. Lottomatica will damit zum weltweiten Marktführer im Lottogeschäft aufsteigen, von Italien bis Russland und China, und außerdem 2007 nach eigenen Angaben als Techniklieferant rund 60 Prozent des weltweiten Lottomarktes beherrschen. Lottomatica wird auch Appetit auf die britische Lottolizenz nachgesagt, die nächstes Jahr wieder ausgeschrieben wird.

Selbst im Internet setzt sich die Globalisierung fort. Der amerikanische Lotterieanbieter Scientific Games will jetzt die britische The Global Draw für 183 Mill. Dollar akquirieren. Dabei unterscheiden sich die Manager in ihrem ungebrochenen Optimismus kaum von den Spielern, die sie anlocken wollen. Noch ist nichts sicher. Aber je größer die Aussicht auf Gewinn, desto mehr siegt die Hoffnung über die Rationaliät. Das ist im Glücksspiel halt so.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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