Hohe Kosten schrecken Interessenten ab
Lufthansa spart sich Gebot für Alitalia

Lufthansa hat sich entschlossen, kein Angebot für die angesschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia vorzulegen. "Der Vorstand hat sich nach einer wirtschaftlichen Abwägung entschieden, nach den vorliegenden Erkenntnissen kein Angebot für Alitalia abzugeben“, hieß es.

HB FRANKFURT. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand bietet die Lufthansa bei Alitalia nicht mit, obwohl die Marken gut zusammenpassen.“ In der Gesamtschau seien die Kosten zu hoch, sagte Lufthansa -Sprecher Klaus Walther. Eine Sprecherin fügte hinzu, für eine Übernahme würden der interessante Markt in Italien, das gute Management und das ausgebaute Netz der Alitalia sprechen. Nachteilig sei aber die Finanzplanung und der drohende Verlust der guten Bonitätseinstufung der Lufthansa im Fall einer Übernahme. Die Lufthansa -Aktie reagierte am Vormittag mit einem Kursgewinn von zeitweise mehr als zwei Prozent auf die Mitteilung.

In den vergangenen Tagen hatten beide Seiten bereits intensive Gespräche etwa über die Aufteilung der Alitalia -Drehkreuze Mailand und Rom oder die Modernisierung der Flugzeugflotte geführt. Mit der Abgabe eines unverbindlichen Angebots hätte die Lufthansa ernsthaftes Interesse signalisiert und Einblick in die Zahlen erhalten.

Unterdessen hat Air France -KLM schriftlich ihr Interesse an einer Übernahme der finanziell angeschlagenen italienischen Fluglinie erklärt. Angesichts der großen Risiken schreckte die nach Umsatz weltgrößte Fluggesellschaft aber vor einem verbindlichen Kaufangebot zurück.

Alitalia häuft bereits seit Jahren massive Verluste an und gilt als Sanierungsfall. In einem Brief an den Alitalia -Verwaltungsrat schlug Air France -KLM ein "Projekt zur Rückeroberung des italienischen Marktes“ unter dem Dach der Air France -KLM vor. Die Marke Alitalia solle erhalten bleiben. Einen Kaufpreis nannte der französisch-niederländische Konzern nicht. Nach Informationen der Pariser Finanzzeitung "La Tribune“ ist Air France -KLM nicht bereit, den als "überzogen“ gewerteten Börsenwert von 1,1 Mrd. Euro zu zahlen.

Die italienische Finanzpresse schrieb, dass auch die Lufthansa und die italienische Air One Angebote für Alitalia vorlegen wollten. Die Lufthansa soll danach geplant haben, 3 500 bis 5 000 Stellen bei Alitalia zu streichen und 50 der 185 Flugzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Die Franzosen wollen Alitalia angeblich um 2 700 Stellen und 30 Flugzeuge verkleinern. Air One plant einen noch kleineren Schnitt. Verbindliche Angebote werden bis zum Frühjahr erwartet.

Nach Informationen des Handelsblatts ist Lufthansa -Chef Wolfgang Mayrhuber mit seinem Wunsch, Alitalia zu kaufen, am Mittwochabend im Aufsichtsrat auf Widerstand gestoßen. Aufsichtsratschef Jürgen Weber und Vertreter der Arbeitnehmerseite waren gegen den Plan.

Die italienische Regierung will mindestens 39,9 Prozent, möglicherweise auch ihren gesamten Alitalia -Anteil von 49,9 Prozent verkaufen. Das Vorhaben ist schon mehrfach an den römischen Preisvorstellungen und Bedingungen gescheitert. Interessenten wie Aeroflot sprangen ganz ab.

Air France -KLM verfügt über rund 600 Flugzeuge und ist hoch profitabel. Angesichts des schnellen Wachstums der Golf- Fluggesellschaften sucht das Unternehmen aber Übernahmemöglichkeiten. Im Visier ist neben Alitalia vor allem die spanische Iberia. Im Geschäftsjahr 2006/07 (31. März) hatte Air France -KLM 23,07 Mrd. Euro Umsatz geschrieben und 73,5 Mill. Passagiere transportiert. Der Überschuss lag bei 891 Mill. Euro.

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