Hohe Kosten und Billigkonkurrenz
Alitalia droht abzuschmieren

Alitalia fliegt am Rande der Pleite. Noch immer ist nicht sicher, ob die Banken der angeschlagenen italienischen Airline unter die Flügel greifen, damit sie überwintern kann. Angeführt von der Deutschen Bank sollen sie noch vor Jahresende die geplante Kapitalerhöhung garantieren, um die von der EU-Kommission geforderte Privatisierung einzuleiten. Alitalia sollen dadurch 1,2 Milliarden Euro zufließen.

MAILAND. In diesen Tagen muss der Vorstandsvorsitzende Giancarlo Cimoli die Kreditinstitute von seinem Sparplan überzeugen. Jedoch ist noch immer nicht klar, wie der Unternehmenslenker das zusätzliche Loch von 320 Millionen Euro stopfen will, das ihm durch die hohen Ölpreise entstanden ist. Die rund 80 Millionen Euro, die der Alitalia voraussichtlich durch die Steuer- und Gebührensenkungen der italienischen Regierung zugute kommen, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie schlecht es der Airline geht, zeigt der jüngste Vorschlag, die eigenen Flugzeuge zu verpfänden, um Geld in die Kasse zu bekommen. Immer neue Streiks des Personals gegen die Sparmaßnahmen machen die Lage noch schlimmer. Wenn Reisebüros schon die Konkurrenz empfehlen, damit die Kunden auch wirklich ankommen, ist es nicht gut bestellt um eine Fluggesellschaft. Die Mitarbeiter sind nur zu „Effizienzsteigerungen“ bereit, nicht zu Lohnkürzungen. Cimoli will eventuell weitere Mitarbeiter in den Frühruhestand entlassen, nachdem seit dem letzten Sommer bereits 1600 Mitarbeiter gehen mussten.

Bei Alitalia rächt sich auch die hohe Lohnpolitik der vergangenen Jahre. Als staatlicher Monopolist hat Alitalia seinen Mitarbeitern bisher Löhne gezahlt, von denen die Kollegen bei Lufthansa- oder British Airways nur träumen konnten. Der Service für die Passagiere war deshalb nicht besser. Mit der Liberalisierung im Flugverkehr ist der Druck auf die Preise gestiegen und die Kunden sind schnell zur Konkurrenz gewechselt. Das Ergebnis: In den vergangenen 16 Jahren hat die italienische Fluggesellschaft nur viermal einen Gewinn gemacht.

Es kann gut sein, dass die Banken die Fluggesellschaft noch einmal stützen, indem sie die Kapitalerhöhung mittragen. Damit werden die Kreditinstitute Alitalia zwar noch einmal vor der Pleite retten, denn die liquiden Mittel hätten nur noch wenige Monate gereicht. Aber es ist dennoch nur eine kurzfristige Erleichterung. Denn die hohen Ölpreise und Lohnkosten bleiben und die Konkurrenz nimmt eher zu als ab. Erst vergangene Woche hat der Billig-Flieger Easyjet angekündigt, den Mailänder Flughafen Malpensa als Drehscheibe für sein Italien-Geschäft zu nutzen. Ab dem kommenden Jahr will die Low-Cost-Linie von Malpensa aus fünf Ziele in Europa anfliegen, später sollen inländische Strecken hinzukommen.

Das trifft Alitalia mitten in ihrem Kernmarkt. Während sich die Billigflieger bisher auf kleine Regionalflughäfen wie Pisa und Bergamo beschränkt haben, treten sie nun direkt mit der angeschlagenen Airline in Konkurrenz. Ein Ende der Abwärtsspirale ist für Alitalia kaum abzusehen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%