Hohe Rohstoffpreise
Bittere Stimmung in der Schokoladenindustrie

Weihnachtszeit ist Schokozeit – kein Monat ist für die Schokobranche so wichtig wie der Dezember. Festtagsstimmung kommt derzeit aber nicht auf in der Branche. Die Preise für Nüsse und Kakao machen ihr zu schaffen.

WaldenbuchDie Kassen klingeln in der Schokobranche, doch die Stimmung ist schlecht. Grund sind höhere Rohstoffpreise für Kakao, Haselnüsse und Mandeln. So rechnet Marktführer Ritter Sport zwar mit einem geschätzten Plus von neun Prozent auf wohl etwa 470 Millionen Euro Umsatz 2015.

„Doch das Umsatzwachstum macht uns nicht froh - 2015 ist kein gutes, sondern ein enttäuschendes Jahr“, sagt Firmenchef Andreas Ronken. Die hohen Rohstoffpreise belasteten das Ergebnis schwer. Ronken rechnet in etwa mit einer schwarzen Null, immerhin etwas besser als der leichte Verlust von 2014. Auch Wettbewerber wie Nestlé, Rübezahl und Klett äußern sich besorgt über die hohen Rohstoffpreise.

Bei den Ritter-Sport-Zahlen handelt es sich um Prognosen, die genauen Zahlen gibt das Unternehmen aus Waldenbuch bei Stuttgart erst Ende Januar bekannt. Schätzungen gibt es auch von Rübezahl, einer auf Schokoweihnachtsmänner und Schokohasen spezialisierten Firma aus dem schwäbischen Dettingen. Bei 180 Millionen Euro Jahresumsatz sei zwar ein leichtes Plus gemacht worden, so Sprecher Dieter Schäfer. Grund für den Zuwachs waren allerdings Preiserhöhungen, die durch höhere Rohstoffpreise verursacht wurden. „2015 waren die Rohstoffpreise für Mandeln und Haselnüsse auf einem noch nie dagewesenen, hohen Niveau.“

Vor allem der Preisanstieg für Haselnüsse hat die Schokobranche hart getroffen. Noch 2013 habe man für ein Kilo etwa 6 Euro bezahlt, 2014 sei der Preis wegen einer Missernte im Hauptanbauland Türkei auf 17 Euro hochgeschossen, sagt Ritter-Sport-Chef Ronken. Inzwischen sei der Wert zwar wieder auf etwa 11 Euro abgesackt. „Verglichen mit vor zwei Jahren ist das aber immer noch fast eine Verdopplung.“ Pro Jahr brauche seine Firma 5000 Tonnen Haselnüsse, die Mehrkosten von fünf Euro pro Kilo schlagen also mit 25 Millionen Euro zu Buche. Auch die Kakao- und Mandelpreise seien sehr hoch, sagt Ronken.

Ein düsteres Bild zeigt eine Commerzbank-Analyse. Die Kakaopreise dürften sich auch 2016 auf hohem Niveau bewegen, schreiben die Experten. Sollte die Kakaoernte in Ghana und anderswo schlecht ausfallen, „könnte dies die Preise noch weiter nach oben treiben“.

Wenig Begeisterung löst das Thema Kakaopreis auch beim Branchenriesen Nestlé aus. „Kakao wurde aufgrund der Missernte in Ghana deutlich teurer, Mandeln sind sogar extrem gestiegen, während Zucker leicht rückläufig war“, sagt Nestlé-Managerin Barbara Groll. Für 2016 rechne man mit teilweise weiter steigenden Rohstoffkosten.

Aktuell sprechen viele Firmen mit den Einzelhändlern über Abnahmeverträge für 2016. Wollen die Schokofirmen höhere Preise durchdrücken, die letztlich an den Verbraucher weitergereicht würden? Ritter-Sport-Chef Ronken hält sich bedeckt: „Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen.“ Zugleich betont er: „Die Rohstoff-Kosten für uns werden nicht geringer.“

Seite 1:

Bittere Stimmung in der Schokoladenindustrie

Seite 2:

Schokolade wird 2016 teurer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%