Hohe Verluste
US-Mutter rettet deutsche Wal-Mart-Kette vor Insolvenz

Ohne massive finanzielle Hilfe des amerikanischen Mutterkonzerns hätte die Wuppertaler Wal-Mart Deutschland vor spätestens zwei Jahren Insolvenz anmelden müssen. Das geht aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2003 hervor, den der SB-Warenhausbetreiber jetzt im Bundesanzeiger veröffentlicht hat.

DÜSSELDORF. In ihrem Bestätigungsvermerk stellt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young fest, dass "die Gesellschaft zum Bilanzstichtag buchmäßig mit 528,2 Mill. Euro überschuldet" war. Die Fortführung des Betriebes, so die Wirtschaftsprüfer, sei "von der weiteren finanziellen Unterstützung" der Konzernmutter in Bentonville/Arkansas abhängig.

Damit rückt die Gewinnschwelle für den weltweit größten Handelskonzern hier zu Lande in immer weitere Ferne. 1997 hatte Wal-Mart mit dem Kauf von 21 "Wertkauf"-Häusern erstmals deutschen Boden betreten, ein Jahr später folgten 74 "Interspar"-Märkte. Seither ist der in allen anderen Ländern erfolgreiche Handelsriese in Deutschland aus den roten Zahlen nicht herausgekommen.

Jahrelang hielt Wal-Mart seine Deutschland-Zahlen geheim. Erst als das Wuppertaler Registergericht mehrfach auf die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse drängte und Ordnungsgelder verhängte, lenkten die Amerikaner ein - wenn auch regelmäßig mit langen Verzögerungen. Die Zahlen für 2004 sind längst noch nicht publiziert, erst recht nicht die für 2005.

Die nun veröffentlichten Geschäftsergebnisse für 2003 fallen deutlich schlechter aus als in der Branche vermutet. Hatten die Marktforscher von M+M Eurodata für Wal-Mart einen Umsatz von 2,82 Mrd. Euro errechnet, schaffte das Unternehmen 2003 tatsächlich nur 2,45 Mrd. Euro - und damit 4,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Auch das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit von minus 487 Mill. Euro dürfte das US-Mutterhaus alarmieren. Der hohe Verlust - Wal-Mart Deutschland verliert mit jedem Euro Umsatz 20 Cent - zehrte ihre 2002 und 2003 eingezahlten Kapitalrücklagen von insgesamt 296 Mill. Euro komplett auf. Ihre Überweisungen nach Deutschland sind damit nicht beendet. Mittelfristig werde weiterhin mit operativen Verlusten gerechnet, heißt es im Geschäftsbericht, und einer "steigenden bilanziellen Überschuldung". Vorsorglich stellte die Zentrale aus Bentonville 2004 weitere 236 Mill. Euro in die Kapitaleinlage ein.

An der Finanzierung des wackeligen Deutschlandgeschäfts sind externe Banken nicht beteiligt. Bis Ende 2009 kann Wal-Mart Deutschland über einen Kredit von 1,6 Mrd. Euro der Finanzierungsgesellschaft Retail Finance verfügen. Hinter dem Geldgeber steht die amerikanische Wal-Mart-Zentrale selbst. Zudem hat sich die US-Mutter bereit erklärt, der Tochter bis Ende 2007 bei Schwierigkeiten mit bis zu 500 Mill. Euro unter die Arme zu greifen, um eine Insolvenz zu verhindern.

Zur prekären Geschäftslage äußerte sich Wal-Mart auf Anfrage nicht.

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