Hohes Transaktionsvolumen
Bieterkampf um Max Bahr

Drei Bieter drängeln sich inzwischen um Max Bahr und sie sind sogar bereit einen vergleichsweise teuren Preis für die Hamburger Baumarktkette zu bezahlen. Nach Angaben aus Bieterkreisen könnte Max Bahr für mehr als eine Milliarde Euro den Besitzer wechseln. Experten halten den Run auf die Baumarktkette für berechtigt.

DÜSSELDORF. Um die Hamburger Baumarktkette Max Bahr ist ein Bieterkampf entbrannt. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Firmen erfuhr, gingen in den letzten Tagen insgesamt drei Angebote bei der Investmentbank Lazard ein. Die Frankfurter Mergers & Akquisitions-Experten waren vor wenigen Wochen von der Bahr-Eigentümerfamilie Möhrle mit dem Verkauf betraut worden.

Den Informationen zufolge sollen sich neben dem Beteiligungsunternehmen Permira auch die Baumarktbetreiber Praktiker und Obi für Max Bahr interessieren. Offiziell wollten sich die drei Firmen auf Anfrage dazu nicht äußern. Eine Sprecherin von Max Bahr bestätigte allerdings, es seien bei der Verkaufsrunde sowohl strategische wie auch finanzielle Investoren im Rennen. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, spätestens im September solle die Entscheidung fallen.

Die Höhe des Transaktionsvolumen bewegt sich nach Informationen aus Bieterkreisen – inklusive Immobilien und der Übernahme von Verbindlichkeiten – zwischen einer und anderthalb Milliarden Euro. Max Bahr würde damit nahezu ähnlich hoch bewertet wie der Wettbewerber Praktiker, den der Düsseldorfer Metro-Konzern vor wenigen Monaten über die Börse verkaufte. Zwar schaffte die Bahr-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 816 Mill. Euro nur knapp ein Drittel des Praktiker-Umsatzes, und auch der Betriebsgewinn fiel mit 58 Mill. Euro nur halb so hoch aus, Experten bewerten das Verkaufskonzept der Hamburger jedoch als vorbildlich.

Das erfolgreiche Konzept dürfte vor allem für Permira den entscheidenden Wert des Unternehmens ausmachen. Schon zum Jahresbeginn hatte Permira-Deutschlandchef Thomas Krenz gegenüber dem Handelsblatt Kaufabsichten bezüglich Max Bahr angedeutet. Falls ihm die Übernahme gelingt, wird Permira voraussichtlich die Hand nach weiteren, dann aber ertragsschwachen Baumarktketten ausstrecken. Sie könnten anschließend, so der Plan von Permira, auf das Bahr-Konzept umgestellt werden. Als Übernahmekandidaten werden in der Branche die Baumärkte von Marktkauf, Toom (Rewe) und Hellweg gehandelt.

Doch noch ist es nicht soweit. Auch der Wettbewerber Praktiker habe nach einem Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat am 9. August ein Angebot für Max Bahr abgegeben. Intern ist die Offerte jedoch äußerst umstritten. Dass Geld für die mögliche Übernahme müsse bei der Expansion nach Osteuropa eingespart werden, kritisierten Mitarbeiter. Die Sorgen scheinen keineswegs unbegründet, denn allein mit dem Verweis auf die lukrativen Aktivitäten in Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei hatte Praktiker-Chef Wolfgang Werner den Aktienkurs während des Börsengangs nach oben getrieben.

Nun aber sieht es so aus, als ob die Nummer zwei der Branche die 80 Baumärkte von Max Bahr übernehmen will, um beim deutschen Verdrängungswettbewerb mitmischen zu können. Hier erwartet insbesondere die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bis zum Jahr 2015 eine rigorose Marktbereinigung. Aufgrund erheblicher Überkapazitäten und schwindender Flächenproduktivität werde es dann nur noch drei deutsche Baumarktbetreiber geben, kündigen die Branchenexperten an.

Auch Obi-Chef Sergio Giroldi fürchtet offenbar um seine Marktführerschaft. Die Übernahme des Filialisten Bahr aber wäre für die Wermelskirchener Tengelmann-Tochter mit erheblichen Integrationsschwierigkeiten verbunden. Bislang nämlich betreibt Obi sei Verkaufsnetz als Franchise-Organisation.

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