Hornbach, Müller, Frosch
Zu viel gecheckt

Der NDR hat die Marken Frosch, Hornbach und Müller unter die Lupe genommen. Die Sendung ist symptomatisch: Die ARD-Sender haben sich vom Erfolg der Check-Formate verführen lassen – und übertreiben inzwischen maßlos.
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MünchenWie lässt sich überprüfen, ob ein Unternehmen qualitativ hochwertige Produkte verkauft? Die naheliegende Antwort ist, möglichst viele der angebotenen Artikel zu testen, um anschließend eine einigermaßen allgemeingültige Antwort zu geben. Beim NDR-Markencheck läuft das etwas anders. In der aktuellen Ausgabe steht unter anderem die Drogeriemarkt-Kette Müller im Fokus der Reporter. Offenbar willkürlich wird ein Produkt ausgewählt: Der Deoroller der Müller-Eigenmarke.

Und wie wird getestet? Sechs Profitänzer treten an, sie schmieren sich vier unterschiedliche Roller (Eigenmarken anderer Drogerieketten sowie ein Markenprodukt) in die Achselhöhlen. Eine zweiköpfige Jury aus anderen Tänzern schnuppert vorher und nachher unter den Oberarmen. Das Ergebnis: Alle Roller tun ihren Dienst, aber die Müller-Eigenmarke riecht nicht mehr so stark nach Deo, sondern eher „neutral“ – deshalb Platz vier von vier.

Solche Tests sind typisch für die Markenchecks der ARD-Sender. In möglichst plakativen, fernsehtauglichen Versuchsanordnungen werden einzelne Produkte getestet, um daraus ein Gesamturteil über ein Unternehmen zu fällen. Im Fall von Müller sind es Küchenrollen und Deos. Was das aussagt? Dass beide Produkte in Ordnung sind, mehr allerdings nicht.

Mit den Markenchecks hatte der WDR in der ARD begonnen. Der NDR hat in einer Art abgespeckten Regionalvariante am Montag unter dem Titel „Große Marken im Check“ gleich drei Unternehmen getestet – besagte Drogeriekette Müller, den Reinigungsmittelhersteller Frosch und den Baumarktkonzern Hornbach. In dieser Zeit nimmt sich der Markencheck des WDR gerade mal ein Testobjekt vor. Es blieben im NDR also knapp 15 Minuten, um Frosch, Hornbach und Müller zu bewerten. Zwei kurze Produkttests, ein Wissenschaftler und ein Markenexperte kommen zu Wort – und schon folgt das Fazit.

Im Fall von Müller klang die Zusammenfassung ziemlich beliebig. Die getesteten Produkte seien okay, die Werbestrategie erfolgreich, aber bei der Fairness hapere es. Denn Gründer und Eigentümer Erwin Müller wehre sich gegen Betriebsräte, heißt es. Das ist allerdings schon seit längerem bekannt. Ein bisschen wirkt der Markentest des NDR wie eine eilig zusammengeschnittene Resterampe der großen Check-Schwester, die in der ARD läuft. Die Recherchen genügten für sich genommen offenbar nicht für eine ganze Stunde im Ersten. Große Teile der NDR-Sendung sind in ähnlicher Form bereits im SWR-Format Marktcheck gelaufen – eine perfekte öffentlich-rechtliche Wiederverwertungskette.

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  • Für solche anspruchsvollen Verbrauchertests zahlen wir doch gerne die GEZ-Gebühren...noch haarsträubender sind meist die Bank- und Versicherungsvergleiche.

    Lasst es lieber und packt einen alten Derrick oder so ins Programm, ist bedeutend anspruchsvoller...

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