Hotelkonzept mit Identität
So wollen Reisekonzerne Gäste locken

Charakterlose Bettenburgen sind passé. Reisekonzerne wie Tui und Thomas Cook wollen bei Urlaubern mit neuen, schicken Hotelmarken punkten. So sollen auch die Margen beim Bettenverkauf wieder steigen.
  • 0

DüsseldorfGleiche Idee, gleiches Produkt – aber zwei Firmen. Ursprünglich sollten Hotelmarken mit einer unverwechselbaren Identität kreiert werden, doch das ging gründlich daneben. Völlig zufällig wählten die Reisekonzerne Tui und Thomas Cook für ihre neuen Ferienhotels Namen, die auch erfahrene Urlauber verwirren dürften: Sensimar heißen die Tui-Hotels, Sentido die von Wettbewerber Thomas Cook.

Ähnlich wie die Namen sind die Intentionen, die hinter dem missglückten doppelten Markenstart stehen: Die beiden Reiseveranstalter, die ihr Geld immer noch zum großen Teil über die klassische Pauschalreise an die Mittelmeerstrände verdienen, wollen sich mit eigenen Häusern aus der Masse des Angebots hervorheben.

Wettbewerb läuft nur über den Preis

Das hat gute Gründe. „Wir müssen endlich aus dem Thema Preis herauskommen“, sagt Andreas Pospiech, in Hannover für das Sensimar-Hotelmanagement verantwortlich. Bislang tauchen viele Hotels nicht nur bei einem der großen Reiseveranstalter im Katalog oder Internet auf, sondern genauso bei einem oder mehreren Konkurrenten. Die Folge: Der Wettbewerb findet ausschließlich über den Preis statt. Das ruiniert die Margen ausgerechnet beim Bettenverkauf, der noch die besten Renditen im Touristikgeschäft verheißt.

Die beiden Branchengrößen machten aus der Not eine Tugend. „Einfach nur noch Flug und ein x-beliebiges Hotel zusammenpacken, das funktioniert nicht mehr“, sagt Michael Tenzer, Geschäftsführer Touristik bei Thomas Cook in Oberursel. Gerade bei reiseerfahrenen, anspruchsvolleren Gästen gebe es bei der Hotelauswahl einen klaren Trend zur Marke. Das bestätigt auch Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher: „Modernen, zielgruppengerechten Hotelformaten gehört die Zukunft.“

Über das Aussehen gibt es aber durchaus unterschiedliche Auffassungen. „Wir wollen eine internationale Hotelkette sein, mit einem Konzeptprodukt, das der Kunde nur bei uns findet“, sagt Sentido-Chefin Stefanie Berk. Bei Sensimar hat Kollege Pospiech nur den deutschen Gast im Visier: „Wir sind eine exklusive Hotelmarke der Tui Deutschland.“ Bestätigung für ihre Konzepte haben beide: Berk spricht von der „ausgesprochenen Erfolgsgeschichte“ und zweistelligen Wachstumsraten; Pospiech freut sich über eine durchschnittliche Auslastung der Hotelbetten von über 80 Prozent.

Unterschiede gibt es beim Kundenprofil: Sentido lockt gleichermaßen Singles, Paare und Familien mit Kindern in beste Strandlagen rund ums Mittelmeer. Sensimar verspricht ebenfalls Topstandorte direkt am Wasser, sieht sich aber eher als Refugium für besserverdienende Paare mittleren Alters.

Seite 1:

So wollen Reisekonzerne Gäste locken

Seite 2:

Kommentare zu " Hotelkonzept mit Identität: So wollen Reisekonzerne Gäste locken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%