Hotelkonzern auf Expansionskurs
Kempinski baut weltweit auf Luxus

Die traditionsreiche Hotelmarke Kempinski will international ihre Präsenz im Top-Segment der Fünf-Sterne-Herbergen ausbauen. Damit sollen auch akute Probleme im deutschen Heimatmarkt mit derzeit zwölf Hotels ausgeglichen werden.

BERLIN. Das Portfolio von knapp 60 Häusern, die von der deutschstämmigen, nicht börsennotierten Aktiengesellschaft betrieben werden, soll weltweit in den kommenden Jahren auf mindestens 100 Hotels der Luxusklasse wachsen, kündigten Vorstandschef Reto Wittwer und Aufsichtsratsvorsitzender Mike Selby vor Journalisten in Berlin an.

Anders als die meisten, überwiegend amerikanischen Ketten setzt Kempinski international auf individuell gestaltete und geführte Häuser. „Einzigartigkeit statt Uniformität“, beschreibt Wittwer das Konzept, das sowohl innerstädtische Businesshotels als auch ausgesuchte Urlaubsresorts umfassen soll. Richtungweisend soll dabei deutscher Hotelstandard sein, gemessen an den Konzern-Flaggschiffen, dem Hotel Adlon in Berlin und dem Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee.

In der Beraterbranche werden die Konzernpläne mit Interesse, aber auch mit Skepsis gesehen. Stephan Gerhard, Chef der auf Hotels spezialisierten Treugast, hält die Internationalisierung für gut, wirft dem Unternehmen aber vor, dass es in seinem deutschen Heimatmarkt seinen guten Ruf verspielt habe. Einige der zwölf Kempi-Häuser hier zu Lande seien, abgesehen vom Adlon und vom Hotel in Heiligendamm, inzwischen weit vom Fünf-Sterne-Niveau entfernt. Der Konzern vernachlässige die „Kernmarkenpflege“.

Wittwer räumte Schwierigkeiten ein: „Wir haben Schwachstellen und müssen das deutsche Problem lösen.“ Vor dem Hintergrund der für die deutschen Hotels bescheidenen Erlössituation sei es jedoch schwierig, die Eigentümer zu aufwendigen Renovierungen zu bewegen. Er sei aber zuversichtlich, dass mit der wachsenden Zahl hochwertiger Häuser im Ausland der Qualitätsdruck auf die deutschen Eigner zunehme.

In der Hotelbranche heißt es dazu, Wittwer habe ein delikates Problem. Fünf der deutschen Häuser – darunter das Atlantic in Hamburg, das Gravenbruch in Frankfurt und das Taschenbergpalais in Dresden - gehören dem früheren Kempinski-Großaktionär Dieter Bock. Wenn sich Kempinski mit ihm überwerfe, verliere der Konzern auf einen Schlag fünf nach wie vor gute Adressen im Heimatmarkt.

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