Hotelkonzern wird aufgeteilt
Der letzte Auftritt des Mr. Dorint

Der Traditionsname Dorint wird bald Geschichte sein. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Neuss wurde die Zerschlagung des Hotelkonzerns in mehrere Marken beschlossen. Die Aufteilung gilt als letzter Versuch, die schwer in Not geratene Kette vor der Insolvenz zu bewahren.

NEUSS. Das Buffet für die Aktionäre hatte angemessenes Drei- bis Vier-Sterne-Niveau: Kontinental-Frühstück, erweitert um O-Saft und Obst. Und selbst an Diabetiker-Spezialitäten war gedacht. Im Sitzungssaal gab es weniger Schonkost: Die Aktionäre des einst stolzen, schwer in Not geratenen Hotelkonzerns Dorint mussten auf der außerordentlichen Hauptversammlung im Dorint-Novotel in Neuss den wohl letzten Rettungsversuch absegnen.

52 von 93 Hotels sollen sich künftig in die Markenwelt des in den vergangenen Jahren eingestiegenen Großaktionärs Accor eingliedern. Sie firmieren jetzt als Sofitel, Mercure und Novotel. Eine neu gegründete Dorint GmbH wird 41 Häuser betreiben – im Imperium des Kölner Immobilienentwicklers Herbert Ebertz. Dessen Name ist seit Jahrzehnten mit dem Schicksal von Dorint verbunden: Die von ihm aufgelegten Fonds finanzieren die meisten der Hotelimmobilien. Ebertz gilt in der Branche als Urheber einer völlig überzogenen Expansion bei Dorint.

Der „Spin off“, die Aufteilung der Hotels, so Dorint-Vorstandschef Michael Theim, sei die einzige Chance gewesen, die Insolvenz abzuwenden. Gedroht hatte sie laut Theim, weil „unsere schönen Produkte mehr gekostet haben, als sie erwirtschaften konnten.“ Das habe an den Pachtverträgen mit den Immobilienfonds gelegen. Die hohen Pachten, allmählich mühsam herunter gehandelt, strangulierten die Dorint-Gruppe.

Seinen Traditionsnamen wird der Konzern bald verlieren. Er geht an die neue Dorint GmbH, die Ebertz laut Theim für 100 000 Euro übernommen hat. Als Mitgift liefert die AG der GmbH 52 Mill. Euro Eigenkapital, finanziert aus den letzten Kapitalerhöhungen, vorwiegend von Accor aufgebracht. Ner neue Name der AG „New Gen“ firmieren löst bei den Aktionären Unverständnis aus. „New Gen klingt wie Klon-Forschung“ empörte sich eine Anteilseignerin

„Für ’nen Appel und ’n Ei“ habe Ebertz den am deutschen Markt klangvollen Namen gekauft, kritisierte ein Aktionär. Ein weiterer wertete die Hotel-Aufteilung als „Begräbnis erster Klasse“. Gerade die Kleinaktionäre beschleicht die Furcht, dass Accor sie bald alle herausgedrängt hat. Der Finanzchef des viertgrößten Hotelkonzerns der Welt, Jacques Stern, sagte, Accor werde bald 90 Prozent der Anteile halten und auch weiter kaufen: „Ohne Accor wäre die Dorint-Aktie schon im vorigen Jahr nichts mehr wert gewesen, jetzt bieten wir 35 Euro pro Papier.“ Einen späteren Squeeze-out wollte er aber nicht ausschließen.

Umstritten wie eh und je bleibt Ebertz, der einstige „Mr. Dorint“ und scheidende Aufsichtsrat. Es habe „Geschmäckle“, dass ausgerechnet bei ihm die Hotelmarke verbleibe, befand ein Aktionär. Andere wiederum dankten dem „lieben Herrn Ebertz“ für seinen Einsatz. Der teilte mit gewohnter Kraft aus und brüstete sich geradezu damit, 50 Mill. Euro bei der Beinahe-Pleite verloren zu haben. Als er sich, einmal in Fahrt, am Aufsichtsratstisch „mal selbst das Wort erteilen wollte“, drehte ihm aber Versammlungsleiter und Aufsichtsratschef Volker Büring den Ton ab.

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