Hudson's Bay
Der coole Kaufhof-Eigentümer aus Kanada

Auch wenn hinter Hudson's Bay mittlerweile US-Investoren stehen: Die Kanadier lieben „The Bay“ – eine Frage des Nationalstolzes. Wie es der neue Eigentümer von Kaufhof geschafft hat, ein ganzes Land an sich zu binden.
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OttawaDie Hudson‘s Bay Company gehört zu Kanada wie Eishockey und Ahornsirup. Nun expandiert „The Bay“ mit der Übernahme von Galeria Kaufhof nach Europa. In Kanada hat die HBC einen treuen Kundenstamm, der das breite Sortiment an Markenprodukten hoher Qualität bei gleichzeitig attraktiven Preisen schätzt – und oft genug darüber hinaus stolz ist, mit dem Einkauf bei der Bay „kanadisch“ zu kaufen.

Jill Hawkins gerät ins Schwärmen. „Ich bin ein regelmäßiger Kunde der Bay.“ Das reicht lange zurück. „Ich war 19 Jahre alt, als ich meine erste Kreditkarte bekam. Es war eine Kreditkarte der Hudson‘s Bay Company. Ich benutze noch heute die Kreditkarten der Bay“, erzählt die jetzt 60-jährige Frau mit dem grauen Lockenkopf und lächelt. „Es ist wirklich cool, hier zu kaufen.“ Cool, das sind für sie die Bay-Markenprodukte mit den klassischen Farben, den rot-weiß-grün-blauen Streifen. Es gibt wohl kaum Kanadier, die diese Farben nicht mit der Bay verbinden. Einem internationalen Publikum werden diese Farben alle zwei Jahre bei einem sportlichen Großereignis präsentiert: Seit 2006 stattet die Hudson‘s Bay Company Kanadas Olympiateams aus.

Kanadier sind es gewöhnt, dass ihre Unternehmen von ausländischen Ketten oder Investoren übernommen werden. Jetzt hat ein kanadisches Unternehmen einmal im Ausland zugeschlagen; HBC übernimmt für gut 2,8 Milliarden Euro die 119 Kaufhof-Warenhäuser. Dass hinter HBC mittlerweile Investoren aus den USA stehen, ist dabei zweitrangig. „The Bay“ ist und bleibt für sie ein kanadisches Unternehmen, das an der Börse in Toronto gelistet ist. Die „Bay“, das ist kanadische Geschichte. Gegründet 1670 in London war ihr Zweck über Jahrhunderte vornehmlich der Pelzhandel im Einzugsbereich der Hudson-Bucht. Mehr als ein Drittel der Fläche des heutigen Kanada gehörte ihr, annähernd vier Millionen Quadratkilometer. Die Posten der HBC waren oft die Keimzellen von Siedlungen und Städten.

In Großstädten wie Toronto, Montreal, Vancouver und Ottawa ließ sich die HBC in historischen Gebäuden der Innenstädte nieder oder baute sie. In Ottawa steht das rund 100 Jahre alte Gebäude zentral in der Innenstadt, nicht weit vom Parlament entfernt an der Rideau Street. Es wirkt im Inneren alles etwas eng, die schmalen Rolltreppen scheinen noch aus den 1950er-Jahren zu stammen. Aber das macht auch den Charme des Kaufhauses aus.

Aber Geschichte ist heute allenfalls ein schmückendes Beiwerk. Jill Hawkins liebt es, alles unter einem Dach zu finden und eine breite Auswahlmöglichkeit zu haben. „Markenprodukte zu vernünftigen Preisen“, urteilt sie. Denn bei der Bay ist fast alles, was Rang und Namen in Mode, Schmuck, Parfümerie und bei Einrichtungsgegenständen hat, zu finden. Im Kellergeschoss ist es die Abteilung für internationale Lebensmittel, im Erdgeschoss die Parfümerie und der Schmuck und weiter oben im fünfgeschossigen Gebäude die Mode. Spontan fällt Hawkins die „Olsen Boutique“ ein, die in der Bay ihren Platz hat, aber auch Marken wie Ralph Lauren und Mexx, Michael Kors und Hugo Boss. Und dann für Haushalt und Küche Zwilling und Villeroy und Boch.

Die Hudson‘s Bay Company ist bekannt für ihre Werbung und ihre Sonderangebote. Die Werbebeilagen in den Zeitungen stellen jeweils ein Segment aus dem Angebot in den Vordergrund, seien es Uhren, hochwertige Bekleidung oder Kosmetik. Und bei den „Bay Day Sales“ mit Preisnachlässen von zehn bis 30 Prozent oder noch mehr, können Kunden wirklich gute Geschäfte machen. „Hosen, Röcke, Jacketts, alles Markenprodukte, zu günstigen Preisen“, freut sich Jill Hawkins. Auch ihr Mann Roger Ehrhardt kauft gerne bei HBC, allerdings eher im Bereich „salopp“, in der Freizeitbekleidung.

Die Hudson‘s Bay Company hat es geschafft, Kunden im mittleren bis höheren Einkommensbereich zu gewinnen. „Es war niemals Nordstrom, aber auch niemals Zellers“, gibt Roger Ehrhardt die Spannbreite zwischen dem eleganten Nordstrom und der Billigladen Zellers an, den HBC vor einigen Jahren an die US-Kette Target abgab. Dass Target mittlerweile vom kanadischen Markt verschwunden ist, scheint die HBC-Strategie zu bestätigen. Nun werden die Kanadier aufmerksam beobachten, ob ihre „Bay“ als Unternehmen auch auf dem deutschen Markt erfolgreich sein wird, auch wenn sie dort nicht unter dem Namen „Hudson‘s Bay“, sondern weiter als „Galeria Kaufhof“ auftreten wird. Mitbringen will das Unternehmen aber offenbar die US-Marke Saks Fifth Avenue, die in die Kaufhof-Filialen integriert werden soll.

Gerd Braune
Gerd Braune
Handelsblatt / Korrespondent, Kanada

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