Hudson's Bay sticht Benko aus
Kaufhof-Verkauf macht es für Karstadt noch schwerer

Für 2,8 Milliarden Euro übernimmt Hudson's Bay die deutsche Warenhauskette Kaufhof. Der Einstieg der Kanadier dürfte den Wettbewerb verschärfen – und den Konkurrenten Karstadt vor Probleme stellen.
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DüsseldorfDer Deal ist durch: Nach wochenlangen intensiven Verhandlungen haben sich die Metro AG und der kanadische Kaufhauskonzern Hudson's Bay Company (HBC) auf einen Verkauf von Kaufhof geeinigt. 2,825 Milliarden Euro bezahlen die Kanadier für die Metro-Tochter und übernehmen zusätzlich noch verschiedene Verbindlichkeiten.

Leer ausgegangen ist damit der konkurrierende Bieter, die Signa-Gruppe des österreichischen Karstadt-Eigentümers René Benko.

Damit entsteht ein globaler Kaufhaus-Riese mit 464 Standorten in Kanada, den USA, Deutschland und Belgien. Zusammen kommen die acht unter einem Dach vereinten Handelsketten auf einen Umsatz von neun Milliarden Euro – davon knapp ein Drittel in Deutschland.

Mit der finanziellen Power und dem Ehrgeiz des kanadischen Investors dürfte sich der Wettbewerb in der deutschen Handelsbranche deutlich verschärfen. Dies wird besonders der Konkurrent Karstadt zu spüren bekommen, der sich in den vergangen Monaten ebenfalls mit aller Kraft bemüht hatte, Kaufhof zu übernehmen. Karstadt-Eigner Benko hatte mit sehr weitgehenden Zugeständnissen an die Metro und an die Arbeitnehmer vergeblich versucht, doch noch zum Zuge zu kommen.

Nach Ansicht von Experten ist Kaufhof viel besser aufgestellt als Karstadt, bei denen durch zahlreiche Führungswechsel in den vergangenen Jahren die Kontinuität gefehlt habe. Bereits Ende Mai hatte sich Karstadt offenbar auf eine Niederlage im Bieterstreit eingestellt und in einem Brief an die Mitarbeiter Durchhalteparolen ausgegeben.

So schrieb Finanzchef Miguel Müllenbach an die Kollegen, dass sie Kaufhof nicht zum Überleben benötigten. Karstadt habe sowohl das Ergebnis als auch den Cash Flow so weit verbessert, so dass das Unternehmen „stark und eigenständig“ sei. „Lassen Sie die anderen reden – wir handeln“, schloss er den Mitarbeiterbrief.

Nun sieht es so aus, als ob die Konkurrenz das Heft des Handelns in der Hand halte. Für Karstadt dagegen dürften schwierige Zeiten anbrechen. Denn HBC hat bereits eine Verdopplung der Investitionen in Kaufhof angekündigt. Außerdem wollen die Kanadier das Online-Geschäft deutlich ausbauen und es nach dem Vorbild ihrer kanadischen und amerikanischen Ketten enger mit dem stationären Geschäft verknüpfen.

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Kommentare zu " Hudson's Bay sticht Benko aus: Kaufhof-Verkauf macht es für Karstadt noch schwerer"

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  • Glückwunsch Herr Koch !
    Rund 25 Millionen für eine Kaufhoffiliale in Witten, Hamm oder Neubrandenburg
    zu kassieren durch offensichtlich Ahnungslose muß man erstmal schaffen.

  • Als Frage bleibt doch wohl nur: Welcher der beiden Kaufhausdinosaurier stellt zuerst seine Lebenszeichen ein?

  • Die Deutsche Warenhaus AG kann es immer noch geben, allerdings nicht unter Benko. Nun ist knallharte Sanierung bei Karstadt angesagt und eine ehrliche Marktstudie, ob Karstadt in Zukunft allein überhaupt eine Chance hat.
    Sinnvoll wäre es sicherlich Karstadt und Kaufhof nicht weiterhin in Konkurrenz zueinander zu halten, sondern Karstadt so anzupassen und zu sanieren, dass es nahtlos bei Kaufhof eingefügt werden kann. Benko könnte, eine Einigung mit Hudson's Bay vorausgesetzt, so das ewige Problem Karstadt mit Gewinn nach wenigen Jahren wieder abstoßen. Es bringt für beide betriebswirtschaftlich am Ende zu wenig gegen die Online-Konkurrenz allein weiter zu wursteln und die möglichen Synergien nicht zu nutzen.

    Im Übrigen, wenn der Mittelschicht hier in Deutschland ähnliches blüht wie der Mittelschicht in den USA und deren angepasste Doof- und Dummheit spricht dafür, dann werden die Umsätze der deutschen Warenhäuser in Zukunft noch eklatanter sinken. Ich denke die Nordamerikaner wissen ebenfalls um dieses Risiko, sie sollten es zumindest wissen und werden sicherlich gesprächsbereit sein, alles andere wäre dumm.

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