Hugo Boss
Das schwere Erbe des Ex-Modebosses

Nach dem Rücktritt des langjährigen Vorstandschef Lahrs legt Hugo Boss seine Geschäftszahlen offen. Besonders die Prognose hat es in sich: Der Gewinn soll stark zurückgehen. Doch die Anleger bleiben verschont.

DüsseldorfDer Modekonzern Hugo Boss hält trotz des Gewinnrückgangs die Dividende stabil. Je Anteilsschein schlug der Vorstand für 2015 eine Ausschüttung an die Aktionäre von 3,62 Euro je Aktie vor, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Anleger reagierten mit Erleichterung auf die Nachricht: Die Aktien stiegen um bis zu 5,3 Prozent auf 56,85 Euro. Damit notierten sie aber immer noch rund 20 Prozent unter dem Niveau von Ende Februar, als eine Prognosesenkung einen Kurssturz auslöste.

Der auf die Anteilseigner entfallende Konzerngewinn lag aufgrund höherer Abschreibungen und gestiegener Finanzaufwendungen mit 319 Millionen Euro um vier Prozent unter dem Vorjahreswert. Boss hatte bereits im Januar vorläufige Zahlen zur schwachen Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr bekannt gegeben.

Boss hat mit einer Rabattschlacht, vor allem in den USA und einem schwachen China-Geschäft zu kämpfen. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (Ebitda) soll in diesem Jahr um eine niedrige zweistellige Prozentzahl schrumpfen. Im vergangenen Jahr war das Ebitda um ein Prozent auf 594 Millionen Euro gestiegen, deutlich weniger als in Aussicht gestellt. Der Umsatz legte 2015 währungsbereinigt um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. In diesem Jahr soll er ebenfalls niedrig einstellig wachsen.

Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs hatte vor zwei Wochen seinen Hut genommen, kurz nachdem er eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr aussprechen musste. Viele Jahre war Lahrs erfolgreich: Er baute das Filialnetz massiv aus. So verdoppelte er die Zahl der eigenen Läden seit 2010 weltweit auf rund 1100. Gleichzeitig trieb er so den Umsatz in die Höhe. Außerdem gab Lahrs hohe Zielvorgaben für das Ergebnis des Modekonzerns aus, wohl zu hohe. Branchenkenner kritisieren, dass länger schon klar war, das diese hohen Zielvorgaben nicht zu halten waren.

Doch dem Investor Permira gefiel die Strategie. Er profitierte von steigenden Kursen. Im März vergangenen Jahres stieß der Finanzinvestor sein letztes Aktienpaket mit einem ordentlichen Gewinn ab. Auch Lahrs verkaufte damals sein Aktienpaket zu einem ordentlichen zweistelligen Millionenbetrag.

Aber seitdem ging es mit dem einstigen Vorzeigeunternehmen bergab. In China konnte der Konzern lange Zeit seine Anzüge zu Preisen verkaufen, die deutlich über den Preisen in Europa lagen. Doch das funktioniert weder bei Boss noch bei vielen Luxuskonzernen noch. Denn die Chinesen kennen inzwischen den Preisunterschied – und kaufen Boss lieber in Europa ein.

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Ausflug ins Luxussegment riskant

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