Hugo Boss
Der neue Boss räumt auf

Die Halbjahreszahlen sind bescheiden. Und so stellt Mark Langer, der neue Boss von Hugo Boss, auch weitere harte Einschnitte bei Deutschlands größtem Herrenschneider vor. Weltweit macht er weitere Filialen dicht.

DüsseldorfDer neue Chef des Modekonzerns Hugo Boss hat 2016 „zum Jahr der Konsolidierung“ ausgerufen. „Wir müssen kurzfristig unsere Hausaufgaben machen“, sagte Mark Langer am Freitag in einer Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen. „Wir müssen schneller, digitaler und kundenorientierter werden.“

Langer, der Deutschlands größten Herrenschneider seit knapp drei Monaten führt, will das Expansionstempo beim Ausbau des weltweiten Ladennetzes deutlich bremsen. Hugo Boss werde zwar noch „punktuell“ neue eigene Läden eröffnen. Aber er will vor allem „die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Läden und den Mix aus Damen- und Herrenmode deutlich verbessern“. Er will mehr Geld in die Modernisierung der 443 Boss-Filialen weltweit investieren, die fünf Jahre oder älter sind. Es gebe aber keine Pläne, neben den heute angekündigten 20 Geschäften weitere weltweit zu schließen. Und er geht davon aus, dass die Einmalaufwendungen von 57 Millionen Euro alle Kosten für die Schließungen umfassen.

Sie gehören zu den „schmerzhaften Entscheidungen, um den Konzern wieder profitabel zu machen“, wie er es formulierte. Langer handelt in seiner neuen Rolle als CEO offenbar nach der Devise: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Denn solche Einschnitte belasten das Ergebnis.

Langer erwartet daher, dass der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Jahr um 17 bis 23 Prozent sinken werde. Als er die Zahlen für das erste Quartal vorlegt hatte, war er noch von einem Rückgang in einem niedrigen zweistelligen Prozentbereich ausgegangen. Auch das Umsatzziel kassiert er nun. Statt eines Wachstums im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet er im Bestfall eine Stagnation oder sogar ein Minus von drei Prozent.

Diese Einschnitte werden bereits im zweiten Quartal sichtbar. So sank der Umsatz um vier Prozent auf 622 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Ebitda ging um 13 Prozent auf 108 Millionen Euro zurück. Das Konzernergebnis brach sogar um 84 Prozent auf elf Millionen Euro ein. Außerdem belastet die Strategieänderung in den USA den Konzern. Dort litt Hugo Boss unter den Rabattschlachten seiner dortigen Großhändler. Langer hat sich deshalb von der Mehrheit von ihnen getrennt. Daraufhin schmierte der Umsatz in diesem für Hugo Boss so wichtigen Absatzmarkt im zweiten Quartal um 21 Prozent ab.

Außerdem muss Langer neue Kollektionen schneller in die Läden bringen. Wie viele andere deutsche Modekonzerne braucht Hugo Boss dafür noch deutlich länger als vertikal integrierte Textilmarken wie die schwedische H&M oder die spanische Zara. So will er schneller auf neue Modetrends reagieren. Weitere Einzelheiten zu seiner Strategie will Langer auf einem Investorentag am 16. November verkünden.

Die Präsentation der Halbjahreszahlen ist eine Premiere für Mark Langer. Zum ersten Mal legt er Zahlen vor, die er in seiner neuen Rolle als Vorstandschef zu verantworten hat. Der Aufsichtsrat hatte den 48-Jährigen kurz vor der Hauptversammlung am 19. Mai zum neuen Topmanager des Metzinger Konzerns gekürt. Seit Ende Februar war Langer aber bereits als Interimschef eingesprungen.

Denn sein Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs war nach vielen Jahren an der Spitze überraschend Ende Februar abgetreten. Er hatte die Öffentlichkeit zuvor mit Gewinnwarnungen schockiert. Lahrs hatte zu ehrgeizige Ziele für die Unternehmenskennzahlen und für den weiteren Ausbau des Filialnetzes ausgegeben. Außerdem wollte er die Positionierung der Marke zum Teil in den Luxusbereich verschieben. Diese Strategie kritisierten Brancheninsider.

Ehe die Entscheidung fiel, den bisherigen Finanzvorstand Mark Langer zum Nachfolger von Lahrs zu küren, vergingen drei Monate. So lange hatte Aufsichtsratschef Michel Perraudin nach einem Kandidaten gesucht. Offenbar war mancher externer Topmanager nicht bereit, für die bevorstehenden Aufräumarbeiten nach Metzingen zu wechseln.

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