Hugo Boss will Kollektionen mit Hologrammen sichern – Besonders gefragt sind Accessoires
Modehersteller kämpfen gegen Piraterie

Plagiate aus Ostasien bedrohen die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie. Mit einem Gesamtwert von 24 Millionen Euro beschlagnahmte der deutsche Zoll im vergangenen Jahr doppelt so viele gefälschte Textilien wie noch 2003. Der Modekonzern Hugo Boss will seine Kleider künftig mit Hologrammen kennzeichnen.

DÜSSELDORF. Gefälscht werden aber nicht mehr nur internationale Luxuslabels. Auch der im mittleren Preissegment vertretene Wäschespezialist Triumph kämpft gegen die Markenpiraten.

Für das laufende Jahr erwartet der Branchenverband Textil und Mode eine weitere Welle. Denn am 1. Januar sind die Importkontingente der Europäischen Union (EU) für Textilien gefallen. „Plagiate kommen nicht nur als Schmuggelware, sondern auch auf legalem Weg“, sagt Ursula Oefinger vom Gesamtverband Textil und Mode. Besonders betroffen sind die Sportartikelhersteller. Allein Puma zog im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Produkte aus dem Verkehr. Als Zentrum der Fälscher gilt China.

In Italien, wo die Textilindustrie traditionell einen höheren Stellenwert einnimmt, fordern die Branchenverbände bereits ein Kontroll-Zertifikat, um den Import der falschen Kleider zu stoppen. Deutsche Unternehmen schweigen sich über das Problem bisher aus oder verfolgen individuelle Lösungen. Vorreiter sind Puma und die Fußballvereine Bayern München und 1. FC Köln, die ihre Sportartikel mit Hologrammen auszeichnen.

Im Fokus der Fälscher steht auch Hugo Boss. 2003 – jüngere Daten gibt es von der Europäischen Kommission nicht – zählte der Konzern aus Metzingen zu den vier am meisten gefälschten Modemarken in der EU – gleich hinter Ralph Lauren, Nike und Lacoste. Bei den Düften, die Procter & Gamble als Lizenzpartner produziert und vertreibt, erreichte Hugo Boss sogar Rang eins.

Um seine Kollektionen zu schützen, führt Hugo Boss derzeit Gespräche mit mehreren Hologramm-Anbietern, unter anderem mit Rako-Etiketten aus Witzhave. Das bestätigte gestern ein Hugo Boss-Sprecher. Wann die Kollektionen allerdings mit welchen Sicherheitsetiketten gekennzeichnet werden, stehe noch nicht fest.

Gefälschte Kollektionen spielen beim Münchener Edelschneider Escada bisher kaum ein Rolle. Die Mode sei zu klassisch, zu speziell, sagen Experten. Produktpiraterie gibt es aber auch hier. Tausende Flakons der Escada-Parfums, die von der Wella-Gruppe produziert und vertrieben werden, wurden in den vergangenen sechs Monaten sowohl in Europa und Asien als auch auf Umschlagsplätzen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten entdeckt. Und damit ist Escada kein Einzelfall.

Gefälschte Accessoires wie Parfums, Gürtel und Handtaschen sind besonders gefragt – bei Fälschern wie bei Käufern. Denn diese transportieren das Luxus-Image und müssen nicht einmal richtig passen. Beziffern lässt sich der Schaden für die Textilbranche kaum. Denn unklar ist, ob jemand, der ein Imitat gekauft hat, auch ein Original gekauft hätte. Entscheidender für viele Hersteller ist der Imageschaden, der durch die schlechte Qualität der Plagiate entsteht. Damit Fälschungen nicht erst bei Beschwerden auffliegen, rät Andreas Blume, Experte für Produktpiraterie bei der IHK-Pfalz, einen Grenzbeschlagnahmeantrag zu stellen. Der Zoll könne dann gezielt auf die Marke achten und Plagiate beschlagnahmen.

Beim Damenwäschehersteller Triumph beobachtet man seit Jahren die Piraterie im eigenen Markenportfolio; dazu zählen neben dem Klassiker Triumph auch Sloggi, Bee-Dees und Triaction. „Die Qualität der Plagiate wird immer besser und die Fälscher dreister“, berichtet Claudia Meindel, Leiterin Rechtsschutz bei Triumph. Während früher noch gefälschte Unterwäsche mit dem Etikett „Trinmph“ auftauchte – das „u“ im Markennamen hatten die Nachahmer einfach umgedreht und so auf den flüchtigen Blick des Käufers gesetzt –, sind die Kopien heute nahezu perfekt. Erst jüngst ließ das Unternehmen, das in Deutschland zu den größten Arbeitgebern der Bekleidungsbranche zählt, in der rumänischen Hafenstadt Konstanta 20 000 Wäscheteile beschlagnahmen.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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