H&M enttäuscht Anleger
Moderiese auf Schlingerkurs

H&M war eine schwedische Erfolgsgeschichte. Doch die Kritik an Firmenchef Karl-Johan Persson, der den Modegiganten in dritter Generation führt, wächst. Die agilere Konkurrenz wie Zara oder Primark setzt H&M unter Druck.
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StockholmEin etwas gequältes Lächeln kann er sich dann doch noch abringen. Nein, es läuft nicht rund für Karl-Johan Persson. Der Chef der schwedischen Modekette H&M konnte auch am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Jahres seine Kritiker nicht überzeugen.

Ja, der Vorsteuergewinn von 3,2 Milliarden Kronen (umgerechnet 334,5 Millionen Euro) war ein bisschen besser als von den meisten Analysten erwartet, doch im Vorjahresquartal lag dieser noch etwas höher. Auch die Margen fielen im ersten Quartal höher als erwartet aus, Der Umsatz stieg sogar um 1,3 Milliarden Kronen auf 47 Milliarden Kronen, blieb allerdings hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Doch auch das vorsichtige Lächeln von Karl-Johan Persson nützte nichts, die H&M-Aktie fiel bis zum Mittag um mehr als sechs Prozent. „Der Modehandel hatte eine schwierige Entwicklung auf mehreren unserer größten Märkte in Mittel- und Südeuropa und den USA“, erklärte Persson. „Richtig zufrieden sind wir nicht.“

Das, was auch die Aktionäre beunruhigt, sind die unsicheren Aussichten über die weitere Geschäftsentwicklung. Die Lagerbestände sind um 30 Prozent angestiegen. Das heißt, der Konzern wird über Rabattaktionen versuchen müssen, die Ladenhüter unters Volk zu bringen. „Beunruhigend“ finden das die Analysten von Morgan Stanley. Und auch dem 42-jährigen Persson ist die immer stärkere Konkurrenz durch Zara, Primark und andere durchaus bewusst. „Wir müssen schneller und flexibler werden“, räumte er in Stockholm ein.

Tatsächlich macht den Schweden derzeit zu schaffen, dass sie im Gegensatz zum Rivalen Zara hauptsächlich in Asien produzieren lassen. Während Zara den Großteil seines Sortiments in Europa nähen lässt und somit kurze Lieferwege zu den wichtigsten Märkten hat, muss H&M lange Transportwege in Kauf nehmen. Eine schnelle Reaktion auf veränderte Kundenwünsche ist so nicht möglich. Außerdem müssen sie ihre Lieferanten in Dollar bezahlen und sind so einem deutlich größeren Währungsrisiko ausgesetzt.

Ein weiterer Nachteil für die Schweden: Das Mode-Geschäft bewegt sich immer stärker in Richtung Online-Handel. Und hier hat H&M einigen Nachholbedarf. Denn der Konzern hat sich erst recht spät dazu durchgerungen, stärker auf das Geschäft im Internet zu setzen. Derzeit ist H&M auf insgesamt 64 Märkten vertreten, doch nur in 35 Ländern können die Kunden auch Online shoppen. Bis 2020 wird sich das geändert haben, bis dahin sollen die Kunden in sämtlichen Ländern auf der H&M-Website einkaufen können.

Das hat allerdings Konsequenzen: „Unser früheres Ziel, jedes Jahr 10 bis 15 Prozent mehr Läden zu eröffnen, wird in ein Umsatzziel umgewandelt, bei dem sowohl unsere Geschäfte als auch die Online-Shops mit eingerechnet werden“, erklärte Persson schon vergangenes Jahr. Für 2017 soll der Umsatz demnach um zehn bis 15 Prozent bei gleichbleibender Rentabilität steigen.

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