Hunolds Rücktritt
Tragische Notlandung

Seine hemdsärmelige, zupackende Art hat Joachim Hunold die größten Erfolge beschert. Doch nun wuchs dem Selfmade-Unternehmer die Herausforderung über den Kopf. Für Air Berlin geht es um alles oder nichts. Ein Kommentar.
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Düsseldorf

Am Ende wurde er selbst zur Belastung. Joachim Hunold, ohne den es die Air Berlin in ihrer heutigen Größe nicht gäbe und ohne den die Lufthansa weitgehend konkurrenzlos durch Deutschland fliegen würde, hat die Konsequenz gezogen und seinen Rücktritt als Chef von Air Berlin angeboten. Ein geschätzter Macher wird zur tragischen Figur.

Dabei hat er eine Tellerwäsche-Karriere hinter sich, für die er in den USA bewundert würde. Ein abgebrochenes Jura-Studium, Aushilfsjobs als Kellner und ein Berufsstart als Ramp Agent, der Flugzeuge belädt, prädestinieren normalerweise nicht für die Führung von Deutschlands zweitgrößter Airline. Doch Hunold hat sich noch nie vor großen Aufgaben gefürchtet.

Die Neu-Gründung der Air Berlin, die Umwandlung des Ferienfliegers in einen expansiven Billigflieger, die Übernahme der DBA, der Frontalangriff auf Lufthansa, der Börsengang - keine Herausforderung schien für ihn zu groß. Aus einem Luftfahrtunternehmen mit gerade mal zwei Flugzeugen machte er Europas sechstgrößte Airline mit mehr als 30 Millionen Passagieren.

Geheimnis seines Erfolges war aber nicht nur seine Tatkraft. Es war insbesondere sein Talent, ein großes Netz an persönlichen Kontakten zu knüpfen – und das geschäftlich zu nutzen. Zu seinen Freunden zählen nicht nur Luftfahrt- und Touristikunternehmer, sondern beispielsweise Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit oder der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner.

Welche Wertschätzung Hunold in der Branche genießt, zeigte beispielhaft die Übernahme des Konkurrenten Germania Express im Jahr 2005. Germania-Gründer Hinrich Bischoff rief Hunold an sein Sterbebett und bat ihn, Anteile an seiner Fluggesellschaft mit 44 Maschinen zu übernehmen und so sein Lebenswerk fortzuführen.

Kommentare zu " Hunolds Rücktritt: Tragische Notlandung"

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  • "Ein abgebrochenes Jura-Studium, Aushilfsjobs als Kellner und ein Berufsstart als Ramp Agent, der Flugzeuge belädt, prädestinieren normalerweise nicht für die Führung von Deutschlands zweitgrößter Airline." ... da fragt sich manch kritischer Leser verwundert, was eigentlich fürs Schreiben beim Handelsblatt prädestiniert?!

  • Den Beitritt zur OneWorld-Allianz haben wir nicht unterschlagen, er steht im Text. Natürlich ist Lufthansa international gesehen nicht konkurrenzlos, und da ist Air France mindestens genau so stark einzuschätzen wie British Airways. Aber auf innerdeutschen Strecken hätte LH ohne Air Berlin kaum ernsthafte Konkurrenz. Und dies ist eine der großen Leistungen von Achim Hunold, die jetzt wieder in Gefahr ist.

  • Sie sind doch ein gut informiertes Wirtschaftsblatt - aber anscheinend kennt Ihr Luftfahrtexperte nur LH und Air Berlin hier in Deutschland, die kennt jeder Laie auch. Sie haben völlig unterschlagen (Absicht ?), dass der Beitritt zur Oneworld Alliance rechtskräftig verabschiedet ist. Und die Gruppe um British Airways wird sich von Lufthansa kaum die Butter vom Brot nehmen lassen.

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