„Hypothetische Gefährdung“
Back-Shops siegen in Hygiene-Streit

Die Stadt München wollte Selbstbedienungs-Bäckereien in München vorschreiben, das Zurücklegen von Ware aus Hygienegründen zu verhindern. Mit der Forderung scheiterten die Behörden aber vor Gericht.
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MünchenRund neun Monate nach dem Hygieneskandal bei Müller-Brot haben die bayerischen Behörden erneut gravierende Mängel in einer Großbäckerei festgestellt. Die Betreiber von zwei Münchner Backshops konnten am Mittwoch vor Gericht derweil schärfere Hygiene-Vorgaben der Behörden abwehren. Sie brauchen ihre Brötchen-Regale nicht nachzurüsten.

In der Backfabrik bei Landshut entdeckten Kontrolleure am vergangenen Freitag an zwei Standorten Hygienedefizite, berichtete ein Sprecher der zuständigen Kreisbehörde am Mittwoch. In dem Betrieb wurden auch Oktoberfest-Brezeln von Müller-Brot hergestellt. Die neuen Inhaber der Müller-Filialen hätten sich für die Produktion der Brezeln in dem kontrollierten Betrieb eingemietet, bestätigte deren Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings habe nicht eine Müller-Brezel in dem fraglichen Zeitraum die Bäckerei verlassen.

Die Hygiene im Backhandwerk beschäftigte zugleich das Münchner Verwaltungsgericht: Die Richter wiesen Bescheide der Münchner Behörden zurück, wonach die Geschäfte sogenannte Rücklegesperren in ihre Regale einbauen sollten. Diese hätten verhindert, dass Kunden Waren aus der Auslage erst anfassen und dann wieder zurücklegen können. Zwei SB-Backshops hatten dagegen geklagt.

Die Shopbetreiber kritisierten, eine solche Sperre bedeute einen hohen Aufwand und enorme Kosten - und widerspreche dem Prinzip der Selbstbedienung. Im Fall der Rücklegesperren wären Stäbe heruntergekommen, nachdem die Ware herausgenommen wurde. In den beiden Läden liegen die Waren bislang in aufklappbaren Plexiglaskästen. Dies ist in der Branche üblich. Die Kunden werden zudem aufgefordert, das Gebäck nur mit Zangen zu entnehmen.

Der Stadt ist das nicht hygienisch genug. Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs reichen allerdings „rein hypothetische Gefährdungen“ nicht aus, um behördliche Auflagen zu rechtfertigen. Die Backshops beriefen sich erfolgreich auf diese Entscheidung.

Im Fall der niederbayerischen Großbäckerei ging es nicht nur um Hygienemängel. Laut dem Sprecher der Kreisbehörde gab es auch bei der Dokumentation Probleme. Nun werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Bäckerei-Konditorei Heinz KG selbst berichtete, sie habe die Herstellung in den beiden Werken nach der Überprüfung vorübergehend gestoppt worden. Bereits nach wenigen Stunden seien am Samstag aber wieder alle Produktionslinien in Betrieb gewesen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Kranke Justiz, die hier Urteile fällt. Typisch Deutschland, raffgierige Ferkel bekommen auch noch Recht. Die Marge muss halt fett sein.

  • Sinngemäß: INAHLATED but not SMOKED - SHAKEN NOT STIRRED!
    Statt einen Mangel zuzgeben und zu beheben wird der Bote mit der schlechten Nahcricht geköpft.

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