Hyundais Tourismusprojekt mit Nordkorea wackelt
Bizarre Geschäfte mit dem Klassenfeind

Der Tod einer Touristin in Nordkorea bringt eine Tochter des mächtigen südkoreanischen Hyundai-Konzerns in Schwierigkeiten. Ein wichtiger Teil des Tourismus-Geschäftes mit dem kommunistischen Norden liegt auf Eis. Es drohen Millionen-Verluste und ein schwerer Rückschlag für Hyundais bizarre Pläne mit dem Regime von Diktator Kim Jong-Il.

DÜSSELDORF. Schlimmer hätte es für Hyundai nicht kommen können. Eine Touristin wird in Nordkorea erschossen und infolge gerät eine ganze Sparte des Konzerns ins Trudeln.

Bereits im ersten Quartal verzeichnete Hyundai-Asan, die Tourismus-Sparte von Hyundai, wegen des schwachen Won sechs Millionen Euro Verluste. Nun drohen zusätzliche Verluste von bis zu 25 Millionen Euro. Das ist für ein Unternehmen, das noch im vergangenen Jahr etwa 190 Millionen Euro Umsatz machte, ein harter Schlag.

Grund für die akuten Finanzprobleme von Hyundai-Asan ist ein dramatischer Vorfall in Nordkorea. Dort war vor wenigen Tagen eine 53-jährige Hausfrau aus Südkorea von einem Soldaten erschossen worden – in einem Tourismus-Gebiet, das Hyundai-Asan durch einen ungewöhnlichen Deal vom kommunistischen Regime gepachtet hat.

Der Tod der Frau sorgt für Wut und Empörung auf beiden Seiten des Zauns. Alle Reisen nach Geumgangsan, der kapitalistischen Oase im Norden, sind bis auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Seoul wettert, Pjöngjang droht und Hyundai-Asan bangt um sein Geschäft.

Der Fall macht deutlich, welch bizarre Wirtschaftsbeziehungen sich in den vergangenen Jahren zwischen Nord- und Südkorea etabliert haben. Beide Staaten befinden sich offiziell noch immer im Krieg, der politische Annährungsprozess kommt nur langsam voran, der Norden provoziert mit seinem Atomprogramm. Gleichzeitig boomt das Tourismus-Geschäft zwischen Nord- und Süd – mit dem Hyundai-Konzern als Dreh- und Angelpunkt.

Der Klassenfeind aus dem Süden hat die Tourismuswirtschaft im Norden fest in der Hand. Der mächtige Hyundai-Konzern, in Europa meist nur mit Autobau verbunden, versucht hier mit seiner Tourismussparte Hyundai-Asan den schwierigen Spagat zwischen Steinzeit-Kommunismus und Marktwirtschaft. Wer als Südkoreaner oder Ausländer in den Norden reisen will, kommt an Hyundai nicht vorbei.

Luxusurlaub mit Aussicht auf bitterarme Dörfer

Hyundai-Gründer Chung Ju-Yung persönlich hat noch eingefädelt, dass touristische Reisen in den Norden heute überhaupt möglich sind. Dafür traf Chung im Jahr 1998 mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Il zusammen. Ergebnis war die Gründung von Hyundai-Asan und ein Abkommen zur Erschließung der Diamantenberge Geumgangsan, dem Ort, an dem sich jetzt auch das tragische Unglück ereignete.

Für 50 Jahre hat der Hyundai die Rechte an Geumgangsan und am Nordkorea-Tourismus insgesamt. Das Projekt war dem Hyundai-Gründer eine Herzensangelegenheit. Chung wurde in einem kleinen Dorf in Nordkorea geboren, knapp 40 Kilometer entfernt von den berühmten Bergen.

Der südkoreanische Konzern hat in Geumgangsan seitdem auf einer Fläche etwa 500 Quadratkilometern seine eigene Welt erschaffen, jedes einzelne Gebäude gebaut und die Infrastruktur hergerichtet. Die zerklüfteten Diamantenberge liegen etwa 20 Kilometer hinter der scharf bewachten Grenze, die Korea in zwei Teile trennt, und sind eine der touristischen Hauptattraktionen Nordkoreas. Jeder Koreaner träumt davon, irgendwann einmal die für sie mystische Landschaft zu sehen. Den Urlaub lassen sie sich etwas kosten. Im Schnitt zahlen sie 350 Dollar für zwei Tage Nordkorea. Bislang kommen im Jahr rund 800 000 Besucher.

Für ihre Wandertouren werden die Gäste aus dem Kapitalismus in Hyundai-Bussen in den Norden gefahren, über Straßen, die Hyundai gebaut hat. Sie können ausschließlich in Hyundai-Restaurants speisen und ausschließlich in Hyundai-Hotels übernachten. Nur das Personal stammt mehrheitlich aus dem Nordkorea.

Den Vorwurf, die Diktatur im Norden mit dem wirtschaftlichen und finanziellen Engagement zu stützen, wird bei Hyundai zurückgewiesen. Das Gegenteil sei der Fall, bei Hyundai spricht man von einer "friedenspolitischen Bedeutung". Die Regierung sieht das ähnlich. Sie subventioniert das Projekt im Sinne einer „Friedensindustrie“.

Seite 1:

Bizarre Geschäfte mit dem Klassenfeind

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%