Iberia
Bruchlandung möglich

Streiks machen der Iberia schon seit einiger Zeit enorm zu schaffen. Doch zu keiner Jahreszeit kommen sie der größten spanischen Airline weniger gelegen als in der Urlaubsaison.

MADRID. Am vergangenen Freitag wurden in Barcelona alle Flüge abgesagt, weil das Bodenpersonal streikte, am Montag in Madrid waren es die Wachleute, die protestierten und unlängst verweigerten die überdurchschnittlich gut bezahlten Piloten den Dienst. Ihre Gewerkschaft Sepla forderte eine schriftliche Garantie ihrer Arbeitsplätze bis zum Rentenalter.

Zwar einigten sich die Flugkapitäne nach drei Streiktagen mit dem Management, das ihre Vertragsbedingungen bis 2010 garantierte. Doch will Iberia nicht noch weitere Streiks riskieren, muss sie diese Konditionen nun auf die übrige Belegschaft ausweiten. Damit gerät die Airline unter neuen, immer stärkeren Kostendruck.

Nachdem der Verlust im ersten Quartal mit 45 Millionen Euro trotz großer Restrukturierung und eingefrorener Gehälter fast das Dreifache des Vorjahrs erreicht hatte, weist Iberia fürs zweite Quartal zwar einen Nettogewinn von 36 Millionen Euro aus. Doch der hohe Ölpreis und der starke Wettbewerb der Billigflieger machen dem Unternehmen weiterhin arg zu schaffen.

Die Streiks werden den Verfallsprozess der Airline nur beschleunigen. Zwei Szenarien sind denkbar: Der größte Anteilseigner British Airways (BA) und die spanische Airline fusionieren, wie bereits seit langem geplant. Iberia-Präsident Fernando Conte wollte die Fusion bereits vor zwei Jahren. Doch im eigenen Haus schlug ihm enormer Widerstand entgegen – wegen der kulturellen Unterschiede. Nach dem Weggang von CEO Ángel Mullor, dem größten Kritiker der Fusionslösung, heißt es jetzt, ein engeres Zusammengehen mit BA sei möglich. Dieser Weg erscheint fast als die einzige Rettungsmöglichkeit der Spanier, die ihr Personal nicht mehr im Griff haben.

Eine zweite Möglichkeit wäre, dass Iberia die von ihr mitgegründete Billigfluggesellschaft Clickair, die im Oktober in Barcelona startet, tatsächlich als Überführungsgesellschaft benutzt, wie es die Piloten befürchten. Derzeit hält die Iberia an Clickair nur 20 Prozent. Aber die Verlockung ist groß, den Anteil finanziell und mit Personal aus dem Stammhaus aufzustocken, bekommen doch die Piloten bei Clickair nicht einmal die Hälfte der Iberia-Gehälter.

Dass vor allem die Iberia-Piloten so lange an ihren absurden Forderungen festhielten, verurteilten nicht nur der spanische Wirtschaftsminister Pedro Solbes und die Medien im Lande aufs Schärfste. Ebenfalls verärgert sind die beiden großen spanischen Gewerkschaften CC OO und UGT, weil der finanzielle Streikschaden des Unternehmens auch zu Lasten der diesjährigen Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter gehen wird.

Als wäre der Imageschaden nicht schon groß genug, droht der Fluggesellschaft wegen des Chaos in Barcelona vom vergangenen Wochenende nun auch noch eine Klage der Regierung, die ihr vorwirft, sie hätte die Verhandlungen mit den Gewerkschaften nicht effizient genug geführt. Vor allem die Iberia-Aktionäre dürften angesichts dieser Lage eine Fusion mit den Briten sehnlichst herbei wünschen. Sie haben in diesem Jahr deutlich weniger im Wertpapier-Depot. Ihr Papier erlitt seit Mitte Mai einen Kursverlust von 2,25 auf 1,90 Euro. Eine Übernahme könnte ihm wieder auf die Beine helfen.

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