ICE-Neubaustrecke Berlin-München

Bahn will Störungen beheben und Kunden entschädigen

Bis zum Wochenende soll der Verkehr auf der Strecke zwischen München und Berlin einwandfrei laufen. Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle bedauert den „missglückten“ Start – und verspricht Betroffenen Entschädigung.
Update: 13.12.2017 - 16:26 Uhr Kommentieren
Bahn will Störungen auf Neubaustrecke bis zum Wochenende beheben Quelle: dpa
Schnellfahrstrecke München - Berlin

Allein am Sonntag mussten deshalb acht Züge auf die alte Strecke umgeleitet werden.

(Foto: dpa)

Berlin
Die Deutsche Bahn will bis zum Ende dieser Woche auf ihrer neuen Paradestrecke Berlin-München wieder halbwegs zuverlässig in die Spur kommen. Bis zum Wochenende werde sich die Situation im Linienverkehr weiter stabilisieren, sagte die Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Schon am Montag und Dienstag seien nur noch wenige Züge ausgefallen oder umgeleitet worden. Technische Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS hatten seit Beginn der Regelverkehrs am Sonntag einige ICE-Züge ausgebremst

Die Abkürzung ETCS steht für European Train Controm System. Es steuert und sichert Zugfahrten ohne Signale vollautomatisch ab und soll auch den grenzüberschreitenden Verkehr einfacher machen.

Mit der Kostenexplosion beim Prestigeprojekt Stuttgart 21 beschäftigte sich am Mittwoch der Aufsichtsrat der Bahn. Konkrete Ergebnisse wurden aber nicht erwartet. Ein Beschluss zum neuen Zeit- und Kostenplan soll im Januar in einer Sondersitzung gefasst werden. Ende November war bekannt geworden, dass die Kosten für den unterirdischen Durchgangsbahnhof und Anschlussstrecken um eine Milliarde auf 7,6 Milliarden Euro steigen werden. Die Station soll zudem erst drei Jahre später, im Jahr 2024, in Betrieb gehen.

Nicht nur zwischen München und Berlin, auch auf den anderen Strecken will die Bahn „die Reisenden im Weihnachtsverkehr zuverlässig an ihr Ziel zu bringen“, wie Bohle sagte. Sie sei „zuversichtlich, dass wir das bis dahin weitgehend im Griff haben“. Den Start auf der neue Strecke nannte Bohle „missglückt“. Sie entschuldigte sich bei den Fahrgästen für Zugausfälle und Verspätungen.

Als Kulanzregel legte die Bahn bis zum Jahresende fest, bei Verspätungen von mehr als einer Stunde auf der Strecke München-Berlin den Kaufpreis komplett zu erstatten. Die Fahrgastrechte sehen in diesem Fall sonst 25 Prozent Erstattung vor. Die Bahn will Betroffenen außerdem einen Reisegutschein im Wert von mindestens 50 Euro zukommen lassen.

Die große Fahrplanumstellung, bei der am Sonntag ein Drittel aller Verbindungen verändert wurden, sei insgesamt „nicht gut gelaufen“, sagte Bohle. Das habe auch mit dem starken Schneefall an jenem Tag zu tun gehabt. Dadurch gab es Streckensperrungen, etwa von Köln nach Frankfurt, und Weichenstörungen. Am Frankfurter Hauptbahnhof sei die Weichenheizungsanlage komplett ausgefallen.

Das sind die größten Regional-Konkurrenten der Bahn
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In Großbritannien transportiert die Gesellschaft Go-Ahead eigenen Angaben zufolge mit 26.000 Mitarbeitern rund ein Drittel aller Bahnreisenden. So zum Beispiel „Ozzy“ Osbourne, Ex-Lead-Sänger der Band Black Sabbath, in Birmingham (Foto, Mitte). Das Unternehmen, das 1987 im Zuge der Privatisierung städtischer Busnetze durch ein Management-Buyout entstand, gehört inzwischen zu 30 Prozent der französischen SNCF-Tochter Keolis. In Baden-Württemberg will die 2014 in Berlin gestartete Deutschlandtochter nach der nun gewonnenen Ausschreibung 2019 Zugverbindungen aufnehmen.

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Die Pariser Gesellschaft Keolis, die in Deutschland die „Eurobahn“ (Foto) betreibt, ist eine 70-Prozent-Beteiligung der französischen Staatsbahn SNCF. Die restlichen 30 Prozent gehören einer kanadischen Pensionskasse. Keolis beschäftigt weltweit 60.000 Mitarbeitern und setzte zuletzt 5,6 Milliarden Euro um. Die von Düsseldorf aus gesteuerte Deutschland-Tochter ist in Ostwestfalen-Lippe, im sogenannten Hellweg-Netz zwischen Münster und Dortmund sowie zwischen Maas, Rhein und Lippe im Regionalverkehr aktiv. Ihr Marktanteil: Zwei Prozent.

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Die Hessische Landesbahn GmbH (HLB, Foto) gehört dem Land Hessen. Sie betreibt im Schienenverkehr die Strecken Lahntal-Vogelsberg-Rhön und Main-Lahn-Sieg. Hinzu kommen Verbindungen in der Wetterau, das Taunusnetz sowie die 3LänderBahn. In Deutschland kommt sie damit auf einen Marktanteil von drei Prozent.

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Das europaweit operierende Nahverkehrsunternehmen Abellio (Foto) wurde 2001 von der holländischen Staatsbahn Nederlandse Spoorwegen als NedRailways gegründet. Es beschäftigt mehr als 17.000 Mitarbeiter. Hierzulande zählen die Regionen Nordrhein Westfalen (Westfalen-Bahn) und Mitteldeutschland (Saale-Thüringen-Südharz-Netz) zu den Schwerpunkten. Gesteuert wird der Deutschlandbetrieb aus der Firmenzentrale in Berlin. Die operativen Einheiten sind Hagen, Halle/Saale und seit kurzem auch aus Stuttgart. Der Marktanteil liegt bei vier Prozent.

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Der Nahverkehrsanbieter Benex, der sich aus „Better Nexus“ („bessere Verbindung“) abkürzt, gehört zu 51 Prozent der Hamburger Hochbahn AG (HHA). Den Rest stellt der britische Infrastrukturfonds International Public Partnerships. Das Unternehmen mit 1.890 Mitarbeitern und 330 Millionen Euro Umsatz betreibt unter anderem die Regionallinien Metronom (Foto) und Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG), was ihm einen deutschen Marktanteil von rund vier Prozent bringt.

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Die 2003 in Hamburg gegründete Tochter des damals britischen Transportkonzerns Arriva, die sich 2011 den Namen Netinera gab, ist nach eigenen Angaben nach Deutscher Bahn und Transdev das drittgrößte Eisenbahnunternehmen Deutschlands ¬ mit einem Marktanteil von vier Prozent. Nach dem Verkauf Arrivas an die Deutsche Bahn ging die Deutschland-Tochter 2010 an ein Konsortium der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (51 % der Anteile) und eines französisch-luxemburgischen Infrastrukturfonds. Die 3.800 Mitarbeiter betreiben unter anderem die Regentalbahn, die Berchtesgadener Landbahn und die Vlexx (Foto), die auch nach Frankreich fährt.

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Der französische Bahn-Verfolger Transdev gehört der staatlichen staatlichen Caisse des Dépôts und Veolia. Der Konzern zählt 119.000 Beschäftigte und erwirtschaftete einen Umsatz von acht Milliarden Euro. In Deutschland betreibt die Gesellschaft unter anderem die Bayerische Oberlandbahn (Foto), die Nord-Ostsee-Bahn in Schleswig-Holstein und die Nordwestbahn in Niedersachsen – mit einem deutschen Marktanteil von vier Prozent.

Am Sonntag mussten nach Angaben Bohles 16 ICE mit Schäden aus dem Verkehr gezogen werden, in den meisten Fällen lag es an Eis und Schnee, nur in vier Fällen war ETCS die Ursache. Die Bahn bereite sich zwar seit Jahren gut auf die Wintersaison vor. Die vergangenen Tagen hätten aber gezeigt, dass es „weiteren Verbesserungsbedarf“ gebe.

Die Probleme mit dem Zugsicherungssystem ETCS auf der Strecke seien „nicht systematischer Natur“. Es gehe vielmehr um einzelne Fehler, die allesamt mit der Wegmessung in den ICE-Zügen zu tun hätten. Die Folge war nach Angaben Bohles jeweils, dass der Zug vom System automatisch gebremst wurde. Am Sonntag seien von 92 Zügen sieben ausgefallen und acht mit ETCS-Problemen auf die alte Strecke umgeleitet worden. Gemeinsam mit den Experten des ETCS-Herstellers Alstom würden die Ursachen gesucht, sagte Bohle.

Anlässlich der Aufsichtsratssitzung forderte der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Mehrkosten beim Bahnprojekt Stuttgart 21 dürften nicht zulasten des bundesweiten Schienennetzes gehen. „Der Investitionsbedarf der Schiene war noch nie so groß wie heute. Die wichtigsten Bahnknoten, wie etwa in Köln oder in Frankfurt, sind überlastet“, stellte der VCD-Bahnexperte Philipp Kosok am Mittwoch in Berlin fest. Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel sagte, die Öffentlichkeit dürfe nicht länger scheibchenweise die Wahrheit erfahren. „Wir brauchen endlich ein strenges Kostenmanagement und eine realistische Risikobewertung beim Tunnelbau.“.

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