Ideenkonferenz TED expandiert
Mit Max und Moritz die Welt erklären

In den USA ist die TED schon legendär – die Vorträge sind dort stets ein Jahr im voraus ausgebucht. Nun soll die Innovationskonferenz in alle Welt expandieren. Ein Besuch in Berlin macht Lust auf mehr.
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Berlin Blockbuster, Smartphones und coole Internet-Dienste sind die bekanntesten Exportgüter aus Kalifornien. Eines könnte bald dazukommen: Ein legendäres Konferenz-Konzept. Denn die Innovationskonferenz TED, die alljährlich hochrangige Politiker, Wissenschaftler und die Elite des Silicon Valley in den Westen der USA lockt, expandiert in alle Welt. Mehr als 5000 Konferenzen hat es bereits gegeben. Die nicht-kommerzielle Organisation setzt dabei auf ein bewährtes Rezept großer Konzerne, wie die Konferenz an diesem Freitag in Berlin zeigt.

Die TED-Konferenz ist in den USA legendär. Wobei der Begriff Konferenz das Phänomen nur unzureichend beschreibt. Es gibt keine Krawatten, kein Pult, kein Powerpoint-Gewitter. Mit den kurzen, prägnanten und unterhaltsamen Vorträgen ist sie eher ein Ideen-Festival mit einer wilden Themenmischung. Mal geht es um Fusionsreaktoren für die Garage, mal darum, wie Schulen die Kreativität abwürgen, mal um den Einfluss von Facebook und Twitter auf die Politik.

„Ideas worth spreading“ lautet das Motto – Ideen, die es wert sind, weitererzählt zu werden. Wenn es gemeinsame Nenner gibt, sind das die Technikbegeisterung und eine „leicht euphorisierte Zukunftsgläubigkeit“, wie die "Süddeutsche Zeitung" einmal schrieb. Andere Konferenzen nehmen sich das längst zum Vorbild, in Deutschland zum Beispiel die DLD.

In diesem Geist lädt auch die TEDx nach Berlin. Draußen am Spreeufer ist es winterlich grau, im Haus der Kulturen leuchtet auf der halbdunklen Bühne das rote Logo. Wenn ein Redner nach vorn schreitet, wandern die Scheinwerfer herum wie bei einem Konzert. TED-Vorträge sind eine Show.

„Crossing Borders“ lautet das Motto an diesem Freitag. Ben Scott, früher Berater der US-Außenministerin Hillary Clinton, zeigt etwa am Beispiel des Facebook-Nutzers Tom, wie die Sozialen Medien die Politik umkrempeln. Der Aktivist John Bunzl erklärt anhand der Geschichte von Max und Moritz, warum sich die Regierungen so wenig für den Klimaschutz tun und wie Bürger sie zu mehr Engagement bewegen können. Und die amerikanische Aktivistin Carolina Gonzalez-Bunster berichtet, wie der Unfall ihres Bruders sie dazu brachte, ihren Job bei Goldman Sachs zu kündigen und eine Stiftung zu gründen, die sich für gehbehinderte Menschen einsetzt. Zwischendurch gibt es Musik.

Kommentare zu " Ideenkonferenz TED expandiert: Mit Max und Moritz die Welt erklären"

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  • Chapeau für den Artikel. Nur sollten sie vielleicht auch einmal einen Artikel über die interssantesten Inhalte bringen. Denn im Gegensatz zu Hollywood SciFi-Filmen ala Starwars/Matrix, die ja auch aus Californien kommen, sind die TED Talks fast schon Realität.

    Frau Schavan Sie stehen in der Pflicht die Wissensgesellschaft Realität werden zu lassen. Mein Appell an Sie: Jeder Lehrer in Deutschland sollte sich verpflichtend diese Videos reinziehn

    Ich empfehle die Talks zur Synthetischen Biologie und Robotik. Spätestens seit Craig Venter in 2010 erstmalig künstlich programmiertes Leben erschaffen hat, ist die Zeit der Religionen hoffentlich endgültig vorbei.

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