Ikea, Apple & Co.
Image in Gefahr!

Ob Ikea in der DDR, Apple in China oder H&M in Bangladesh: alle wollen ihre Produkte noch günstiger herstellen. Dabei verlieren die Konzerne jedoch oft die Kontrolle über die Zulieferer - und riskieren ihr Image.
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Stockholm/DüsseldorfHerbert Kornetsky ist sich sicher. „Ja, das hier, das haben wir in Waldheim gemacht“, sagt der Endsechziger und zeigt auf Klippan, das Ikea-Sofa, aus dem Katalog von 1983. Kornetsky war damals Entwicklungseiter im Möbelkombinat Dresden. Und dieser einstige Stolz der DDR hatte einen ganz besonders wichtigen Kunden aus dem Westen: Der schwedische Möbelriese Ikea ließ einen Teil seiner Klippan-Sofas in Waldheim produzieren. Auf der Jagd nach günstigen Produktionsstandorten war der Konzern auf die DDR gestoßen, die sich so wichtige Devisen beschaffen konnte.

So weit, so gut. Das haben viele, auch deutsche Textilunternehmen gemacht. Jetzt jedoch ist Ikea unter Druck geraten, nachdem der öffentlich-rechtliche schwedische Fernsehsender SVT angekündigt hatte, am Mittwochabend eine Dokumentation zu zeigen, in der Beweise geliefert werden sollten, dass der Einrichtungsriese von der Zwangsarbeit politischer Häftlinge in der DDR profitiert haben soll.

Um es vorweg zu nehmen: Beweise gab es überhaupt keine, nur Mutmaßungen. Dem Reporter ist es trotz monatelanger Recherchen nicht gelungen, einen einzigen ehemaligen politischen DDR-Häftling zu finden, der klar und eindeutig sagen konnte, er habe für Ikea arbeiten müssen. Dennoch bleibt nach dem 45-Minuten-Film der Verdacht, dass der schwedische Weltkonzern tatsächlich bei der Wahl seiner Produktionspartner schon einmal Fünfe hat gerade sein lassen.

Die Suche nach immer günstigeren Produktionsstandorten hat zahlreiche global operierende Konzerne in eine gefährliche Falle gelockt. Denn bei der Freude über die geringen Kosten haben viele von ihnen geflissentlich übersehen, dass sie auch die Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern kontrollieren sollten. Das gilt nicht nur für Ikea, Beispiele gibt es viele: So sah sich Apple nach mehreren Selbstmorden beim chinesischen Zulieferer Foxconn massiven Vorwürfen ausgesetzt, er kümmere sich nicht um die Arbeitsbedingungen bei seinen Vertragspartnern.

Unbezahlte Überstunden, mangelhafte Sicherheitsbedingungen, miese Gesundheitsstandards - ob Mac, iPad, iPod oder iPhone: Die Produkte des US-Konzerns werden alle von Zulieferern hergestellt, meist in China – und oft mit brutalen Folgen für Mensch und Umwelt. Schwere Vorwürfe gab es zuletzt im Fall Foxconn, Apples wichtigstem Zulieferer. Inzwischen hat Apple reagiert und weitreichende Untersuchungen der Arbeitsbedingungen in der chinesischen Fabrik angekündigt.

Offenbar hat der Konzern erkannt, dass man es sich nicht mehr leisten kann, als ein Unternehmen dazustehen, dass 100 Milliarden Dollar auf dem Konto hat, eine fette Dividende an seine Aktionäre ausschüttet und gleichzeitig zu Hungerlöhnen in unsicheren Fabriken fertigen lässt. Es bedurfte dazu jedoch des Drucks der Öffentlichkeit. Mittlerweile wurden die Arbeitsverträge bei Foxconn verändert, die Arbeiter erhalten heute deutlich mehr Lohn.

CSR, die Corporate Social Responsibility, da sind sich alle Experten einig, wird künftig immer wichtiger. Mangelnde Nachhaltigkeit der Produktion und schlechte Arbeitsbedingungen vor Ort können das Image eines Unternehmens langfristig schädigen. Und es gibt noch großen Nachholbedarf: Erst 500 bis 1000 der insgesamt 42.000 Konzerne in der EU haben eine CSR-Strategie.

Kommentare zu " Ikea, Apple & Co.: Image in Gefahr!"

Alle Kommentare
  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Image in Gefahr! ...

    Es geht nicht ums Image; Es geht einfach nur um die "Kohle" !

    That its. .....

  • Wo ist da jetzt der "Skandal" bzw. wo soll dieser sein?

    Das Gefängnisinsassen an Produkten schrauben ist bekannt. Auch in Deutschland. Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen.

  • Uiuiui! Es soll sogar einen Staat gegeben haben, der der bösen DDR Geld dafür gegeben hat, dass er politische Gefangene aussiedeln lässt. Die DDR hat davon doch nicht etwa Waffen und Stasi-Mitarbeiter bezahlt?

  • @mondahu

    'Produkte möglichst billg ... seit 250 Jahre'.
    Glaube ich nicht!

    H. Ford beispielsweise vertrat den Standpunkt, dass seine Arbeiter anständig verdienen müssten, damit sie sich seine Autos auch leisten könnten. Nicht nur nobel, diese Ansicht, sondern auch weitsichtig.

    Nokia so scheint mir, hätte besser über neue Produkte intensiver nachdenken sollen, statt ständig die Fabriken in billigere Umgebung zu verlegen.

    Immer billiger, immer größere Margen hat auch so manchem IT-Produzenten in der Vergangenheit geschadet. Super Deckungsbeitrag bei Dienstleistungen, kaum DB bei Produkten. Produkte eingestellt. Dienstleistungen für Fremdprodukte angeboten und siehe da, die Margen sind im Wettbewerb weggebrochen.

    Wer hat verbockt, oft die Unternehmensberater, denen es an Weitsicht mangelt. Immer billiger ist kein ausreichendes Konzept.

  • Man darf nicht unterschlagen, dass die heimischen schwedischen Möbelhersteller IKEA zunächst boykottierten und IKEA nach Polen gehen mußte. Das wird häufig übersehen. Bei der Eröffnung der (ersten) IKEA - Filiale in Eching bei München war schon gesagt worden und bekannt, dass IKEA in der DDR produzieren ließ (ich glaube, es war sogar in der SZ?!); also das ist echt nichts neues.

  • Was ist so falsch daran, Produkte möglichst billig auf den Markt zu bringen. Das ist die Maxime der westlichen Zivilisation seit 250 Jahren, Kolonien eingeschlossen. Natürlich ist es ehrenwert, nicht mehr so weitermachen zu wollen, doch dann darf man nicht gleichzeitig "Geiz ist geil" zur allgegenwärtigen Parole ausrufen.
    Der Westen hat mindestens seit 20 Jahren weit über seine Verhältnisse gelebt. Die jetzt unbeherrschbar gewordenen Schuldenberge sind das Ergebnis. Und nun wird man sich wundern, wie schnell das Blatt sich wendet.

  • Ob die westlichen Unternehmen wirklich e i g e n e Erkenntnisse über die schonugslose Ausplünderung politischer Häftlinge hatten, ist fraglich. Die Verträge wurden sicherlich nicht in den Zuchthäusern und Arbeitslagern ausgehandelt. Auch persönliche Kontakte zwischen Auftraggebern im Westen und politischen Häftlingen in DDR-Haftanstalten bestanden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Mit großer Sicherheit ist dagegen anzunehmen, dass frei gekaufte DDR-Häftlinge die zuständigen Behörden über ihr Leid informiert und sogar um öffentliche Ächtung der Versklavung der Zurückgebliebenen baten. Zu hinterfragen ist also, ob den Unternehmen solche Informationen zur Verfügung gestellt wurden. Diese Prüfung ist bedeutsam, weil der Ost-West-Handel i. A. seriös geführt worden ist und eine pauschale Diskreditierung aller Beteiligten seitens Einzelner inakzeptabel wäre.

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