Ikea-Gründer Ingvar Kamprad: Der kauzige Herr der Möbel

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad
Der kauzige Herr der Möbel

Er kauft Kleidung auf dem Flohmarkt und fährt in der U-Bahn mit Seniorenticket: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat die Sparsamkeit zum Lebensprinzip erhoben. Seine Sünden haben ihm die Schweden zum 90. Geburtstag vergeben.
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StockholmEs war wieder typisch für ihn: Als Ikea-Gründer Ingvar Kamprad in der vergangenen Woche eines seiner sehr seltenen Interviews gab, kokettierte er einmal mehr mit seiner Sparsamkeit. „Ich glaube nicht, dass ich irgend ein Kleidungsstück trage, das ich nicht auf einem Flohmarkt gekauft habe“, erklärte er dem verdutzten TV-Journalisten. Typisch Ingvar Kamprad, der heute 90 Jahre alt wird. Den Mythos vom sparsamen, ja fast geizigen Milliardär will er unter allen Umständen aufrechterhalten. Auch mit 90.

Der Mann, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen, Holzpantoffeln und durchgescheuertem Sakko hebt oft und gern seine Sparsamkeit hervor. Die Anekdötchen vom Milliardär, der immer nur Holzklasse fliegt und den Seniorenrabatt in der U-Bahn ausnutzt, sind vielfältig. Und zum Teil sind sie auch wahr. Doch es ist auch überliefert, dass Kamprad früher einen Porsche fuhr. „Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer“, betonte er sofort und versuchte, den edlen Sportwagen aus Zuffenhausen zu einem Allerweltsgefährt zu machen.

Einem Neunzigjährigen sieht man solche Marotten nach. In seiner Heimat, in die er nach vielen Jahren in der Schweiz nach dem Tod seiner Frau zurückgekehrt ist, wird Kamprad verehrt. Er wurde zum Unternehmer des Jahres, ja des Jahrhunderts gewählt. Und wenn er sich seltener Weise einmal öffentlich äußert, hören alle zu.

Allerdings meidet der Firmengründer meist die Öffentlichkeit. Wenn er dann doch einmal vor die Kameras oder Mikrofone tritt, dann sorgt der unscheinbare ältere Herr mit mittlerweile etwas zotteligen Haaren und wildem Bartwuchs stets für Schlagzeilen. So war es, als er vor über 20 Jahren einräumen musste, in seiner Jugend von Anfang der 40er-Jahre bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit den schwedischen Nazis sympathisiert zu haben. Er entschuldigte sich öffentlich dafür. Es sei die „wohl schwerste Krise meines Lebens“ gewesen, gestand er. Man hat es ihm damals nachgesehen. Und nicht nur das: Man hat ihm abgenommen, dass er sich von der Unglück bringenden Ideologie losgesagt hat. Das gilt auch für sein späteres offenes Eingeständnis, zeitweise mit dem Alkohol ein zu enges Verhältnis gehabt zu haben.

Dass dem Konzern und seinem charismatischen Gründer vieles verziehen wird, liegt auch daran, dass Ikea kein gewöhnliches Möbelhaus ist, sondern eher an eine weltumspannende Religion erinnert. 1976 verfasste Kamprad „Das Testament eines Möbelhändlers“, in dem er die Eckpfeiler der Ideenwelt von Ikea ausführlich beschrieb. „Lasst uns eine Gruppe von positiven Enthusiasten bleiben, die sich mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit weigern, das Unmögliche, das Negative zu akzeptieren“, schwur er schon damals seine Mitarbeiter auf den Ikea-Weg ein. „Was wir wollen, das können wir, und wir werden es gemeinsam tun. Wunderbare Zukunft“.

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Über Geld spricht Kamprad nicht gerne

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  • Früher war IKEA cool, weil die "Bausätze" einer Reihe modular verwenden bzw. zusammengesetzten konnten. Das geht heute bestenfalls noch mit "Ivar". Alles andere wird Jahr für Jahr verändert. Dieser Beutelschneidertrick geht sogar so weit, dass, wenn man neue Bettwäsche kaufen will, auch neue Oberbetten und Kissen kaufen muss, weil sich die Maße geändert haben. Damit ist der ganze Zauber hin und es bleibt nur noch die weite Verbreitung und damit Erreichbarkeit des Konzerns. Lass mal einen kapitalstarken amerikanischen Konkurrenten vorbei kommen, der das Baukastenprinzip übernimmt und alles vor die Haustür liefert, weil er über das WWW verkauft...

  • Auch VW als Deutschlands grösstes Automobil-Unternehmen ist eine politische Aktie geworden. INSIDER wissen vorher Bescheid bevor neue Hiobs-Botschaften veröffentlicht werden.
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    Wenn man VW kennt, weiß man, dass Piech IMMER Recht hatte und haben wird. aber der schlaue Fuchs hat sich so weit von diesem Müllhaufen aus Verlogenheit und Korruption zurück gezogen, dass man so eien Aktien nur noch shorten kann.

    Was die Börsen betrifft, so hatten Insider dort schon immer die besseren Karten. Früher war das noch 1000 mal schlimmer. Heute kann man sich allerdings im Internet zum Trader ausbilden lassen und hat auch als Nicht-Insider / Banker eine sehr gute Chance.

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    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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