Ikea-Gründer Steuersünder Kamprad kehrt heim

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zahlt wieder Steuern in seiner Heimat. Der Fiskus darf sich über rund 640.000 Euro freuen. Doch von den Milliarden, die Kamprads Möbelhäuser erwirtschaften, sieht Schweden weiter nur wenig.
Der Ikea-Gründer zahlt wieder in seiner schwedischen Heimat Steuern. Quelle: AFP
Ingvar Kamprad

Der Ikea-Gründer zahlt wieder in seiner schwedischen Heimat Steuern.

(Foto: AFP)

StockholmIst da ein reuiger Steuersünder zur späten Einsicht gekommen? Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat 42 Jahre, nachdem er sein Heimatland verlassen hat, erstmals wieder Steuern in Schweden gezahlt. Der mittlerweile 89-jährige Gründer des größten Möbelhauses der Welt gab für das Jahr 2014 bei den schwedischen Steuerbehörden ein Einkommen von 17,7 Millionen Kronen (1,9 Millionen Euro) an. Die Finanzbeamten errechneten daraufhin eine Steuer von rund sechs Millionen Kronen, etwa 640.000 Euro.

Es dürfte Kamprad nicht sonderlich schwer gefallen sein, diesen Betrag zu überweisen. Denn der als geizig geltende Unternehmer zählt mit einem Vermögen von knapp 70 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt. Allerdings hat Kamprad schon früh großen Wert darauf gelegt, dass der Fiskus nicht unnötig viel von seinem Vermögen erhält. Kamprad hatte nicht nur früh seine Liebe zu preiswerten, aber trotzdem pfiffigen Möbeln entdeckt, sondern auch zu Steuersparmodellen.

Trotz seines oft formulierten sozialen Anspruchs wollte Kamprad dem Fiskus nicht unnötig viel überweisen. Da das in den 1970er-Jahren im sozialdemokratisch geprägten Schweden aber recht schwierig war, zogen Kamprad und seine Frau Margaretha zunächst ins benachbarte Dänemark, dann in die Schweiz, wo sie seit 1976 lebten. Hier zahlte Kamprad fortan seine Steuern, allerdings deutlich weniger als es in seiner Heimat der Fall gewesen wäre. Nach dem Tod seiner Frau 2011 beschloss der Ikea-Gründer wieder zurück nach Schweden zu ziehen und ist somit nun erstmals seit langer Zeit in seiner Heimat wieder steuerpflichtig.

Dass selbst die sonst in Steuerdingen äußerst findigen schwedischen Finanzbeamten keine höheren Abgaben für das vergangene Jahr erhoben haben, dürfte an der äußerst komplizierten Unternehmens- und Eignerstruktur von Ikea gelegen haben. Während für die Ikea-Kunden der kleine Imbus-Schlüssel der Garant zum Erfolg ist, hat Ingvar Kamprad die Erfolgsgarantie durch eine undurchsichtige Konzernstruktur gefunden.

Kernstück ist die von Kamprad kontrollierte Inter Ikea Systems B.V. im steuerlich günstigen Holland. Dieses Unternehmen besitzt seit 1982 die Rechte am Namen Ikea und dem Konzept. Alle Ikea-Häuser und der Ikea-Konzern müssen seitdem drei Prozent ihres Umsatzes an Lizenzgebühren auf das Konto der Inter Ikea Systems überweisen. Diese Royalty-Gebühren schlagen als Ausgaben für die einzelnen externen Möbelhäuser und den Ikea-Konzern zu Buche und wirken sich somit positiv auf die Steuerbelastung aus.

Die Super-Trends vom Schweden-Riesen
Die Heimat von Ikea
1 von 13

Der Geburtsort des Mythos: In unscheinbaren grauen Bürokästen im verschlafenen schwedischen Städtchen Älmhult residiert die Ikea-Zentrale. Von hier wird das globale Imperium mit knapp 150.00 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 29 Milliarden Euro minutiös gesteuert. So verspielt sich der Konzern nach außen hin gibt – hier wird nichts dem Zufall überlassen. Im Bild ist das Ikea Kulturzentrum, das im Keller auch ein kleines Museum beherbergt, das an die Anfänge des Konzerns erinnert. 2016 öffnete genau gegenüber ein neues, großes Ikea-Museum.

Der Ikea-Chef
2 von 13

Die Konzernführung tritt locker auf, alle sind per du, selbst Chef Peter Agnefjäll wird nie mit Krawatte gesehen. „Wir müssen verstehen, was die Wünsche der Kunden sind und wir müssen sie erfüllen“, gibt Agnefjäll die Richtung vor. Dazu werden aufwendige Kundenbefragungen in Auftrag gegeben, fast jeden Tag besuchen Researcher von Ikea gemeinsam mit Produktentwicklern Kunden in ihren Häusern und Wohnungen um ihre Gewohnheiten zu erforschen und so auf Ideen für neue Produkte zu kommen.

Das Entwicklungszentrum
3 von 13

Im Design-Center in der Konzernzentrale entstehen viele der Ideen für die rund 2.000 Produkte, die jedes Jahr neu in die Kataloge aufgenommen werden. Im großen Aufenthaltsraum herrscht eine Atmosphäre fast wie bei einem Start-up.

Prototypen-Bau
4 von 13

Die Entwicklung ist auf höchstem Standard, bereits seit 2003 nutzt Ikea auch 3D-Drucker. Hier das Modell eines Wasserhahns frisch aus dem Drucker. Die meisten Prototypen entstehen jedoch ganz traditionell in der Werkstatt mit handwerklichen Methoden aus Original-Werkstoffen.

Die Arbeit der Entwickler
5 von 13

Neue Kollektionen entstehen in Kooperation aus internen oder externen Designern zusammen mit Produktentwicklern. James Futcher ist verantwortlich für die Weiterentwicklung der PS Kollektion für das Produktjahr 2017: „Wir entwickeln einen neuen Zugang zum Thema Komfort, wir wollen damit die junge Generation aus der Stadt erreichen.“ Unter den Ideen sind Decken im Stil von Schlafsäcken oder Sessel mit 3-D-Strick wie ihn z.B. Nike für seine Turnschuhe verwendet.

Die Kollektion von Katie Eary
6 von 13

Um dem Programm einen Touch Avantgarde zu geben, arbeitet Ikea jetzt mit international bekannten Modedesignern zusammen. So hat die Herrenmodedesignerin Katie Eary eine farbenfrohe Kollektion mit Geschirr, Textilien und Notizbüchern entworfen, die unter dem Namen „Giltig“ im März 2016 in die Möbelhäuser kamen.

Designs aus Indien
7 von 13

Der Designer Martin Bergström, der sonst Stoffmuster für Couture-Häuser in Paris entwirft, ist im Auftrag von Ikea nach Indien gereist, um dort mit Studenten des National Institute of Fashion Technology in Neu Delhi moderne indische Motive in schwarz-weiß zu entwickeln.

Vor vier Jahren kam zudem heraus, dass der Möbelriese über eine bis dahin unbekannte Stiftung in Liechtenstein kontrolliert wird. Bis dahin war nur bekannt, dass Ikea-Gründer Ingvar Kamprad sein Imperium über verschiedene Stiftungen in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Zypern und den Jungferninseln kontrolliert. Die eigentliche Schaltzentrale von Kamprad scheint jedoch die Interogo in Liechtenstein zu sein, an die ein Großteil der Gelder der Inter Ikea Systems überwiesen wird.

Schon Astrid Lindgren klagte über die Steuern
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Ikea-Gründer - Steuersünder Kamprad kehrt heim

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%