Ikea, Hornbach, Saturn

Große Ketten testen Mini-Filialen

Lange Zeit wurden Geschäfte in Deutschland immer größer. Inzwischen gibt es einen Gegentrend: Media Markt, Saturn und Ikea gehen mit Zwergfilialen auf Kundenfang. Das hat auch mit dem Internet zu tun.
Die Elektronikkette hat am Berliner Hauptbahnhof Ende Mai einen neuen Media Markt mit nur 800 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet. Quelle: dpa
Media Markt im Hauptbahnhof Berlin

Die Elektronikkette hat am Berliner Hauptbahnhof Ende Mai einen neuen Media Markt mit nur 800 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet.

(Foto: dpa)

DüsseldorfImmer mehr Handelsketten in Deutschland experimentieren mit Läden im Mini-Format. Jüngstes Beispiel ist die Elektronikkette Media Saturn, die am Berliner Hauptbahnhof Ende Mai einen neuen Media Markt mit nur 800 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnete. Damit ist der kleinste Media-Markt Deutschlands nicht einmal ein Drittel so groß wie ein durchschnittliches Geschäft der Kette. Das Schwesterunternehmen Saturn will in seinen neuen „Saturn Connect“-Märkten sogar mit 300 bis 700 Quadratmetern auskommen.

Die Elektronikhändler sind mit ihren Schrumpfversuchen nicht allein. Der schwedische Möbelgigant Ikea hat damit begonnen, zusätzlich zu den klassischen Einrichtungshäusern auf der grünen Wiese kleine „Pick-up-Points“ einzurichten.

Während die blauen Riesenwürfel im Schnitt rund 25.500 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, ist das jüngste Bestell- und Abholcenter der Schweden in Ravensburg gerade einmal 800 Quadratmeter groß. Es bietet auf dieser Fläche neben einem kleinen Ausstellungsbereich vor allem Beratungsangebote sowie Bestellmöglichkeiten und dient als Abholpunkt für online georderte Ware.

Diese Geschäfte werden Sie bald häufiger sehen
CCC
1 von 10

Insgesamt gibt es 475 Einkaufszentren in Deutschland – und es werden immer mehr. Zu den Shooting Stars in den zwölf Shopping Centern, die im vergangenen Jahr neu in Deutschland eröffneten, gehört CCC. Das polnische Unternehmen ist mit gleich vier Läden vertreten. Das Unternehmen, das in Polen mit hunderten Läden unter verschiedenen Marken erfolgreich ist, bietet Schuhe im Discountstil wie Deichmann an, zum Beispiel in Aquis-Plaza in Aachen und im Werk-Statt Limburg.

Quelle: EHI-Shopping-Center-Report

Reserved
2 von 10

Mit insgesamt drei Läden startete „Reserved“ in den neuen deutschen Shopping Malls. Das polnische Unternehmen verkauft junge Mode für junge Frauen, unter anderem die Kollektion von Model und Mick-Jagger-Tochter Georgia May Jagger, und ist in etwa vergleichbar mit dem viel größeren Konzern H&M aus Schweden. Im Einkaufszentrum „Minto“ in Mönchengladbach, das mit einem hochwertigeren Angebot punkten will, belegt „Reserved“ gleich zwei Etagen.

Fynch-Hatton
3 von 10

Die Marke hört sich very british an, kommt aber aus Mönchengladbach. Das Label ist nach dem britischen Abenteurer Denys Finch-Hatton benannt. Bisher verkaufte das Unternehmen seine hochwertige Herrenkleidung für junge Männer ab etwa 30 Jahren vor allem in sogenannten Shop-in-shops bei seinen Handelspartnern. Jetzt wagt sich „Fynch-Hatton“ mit zwei eigenen Läden in große Einkaufsmeilen wie in das „Minto“ in Mönchengladbach.

Quelle: Minto.de

Chisu
4 von 10

Der Textilhändler aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz importiert Designermode aus Italien und Frankreich. Er will sich mit wöchentlich wechselnden Kollektionen von der Masse im Modemarkt abheben. Das erst 2006 gegründete deutsche Unternehmen setzt auf ein Franchise-Konzept und hat ehrgeizige Ziele: Es will bis 2021 mit etwa 450 Chisu-Boutiquen mehr als 110 Millionen Euro umsetzen, zum Beispiel im Forum Hanau.

Sergent Major
5 von 10

Die französische Kindermodemarke „Sergent Major“ ist im vergangenen Jahr in zwei neuen Einkaufsmeilen gestartet – unter anderem im Einkaufszentrum Neuer Markt in Neumarkt/Oberpfalz. Sie wirbt mit detailreicher und fantasievoller Mode für ganz junge Kunden. Das Unternehmen setzte 2014 nach Angaben des Fachmagazins Textilwirtschaft 2014 mit 550 Verkaufspunkten rund 215 Millionen Euro um.

Superdry
6 von 10

Die britische Marke mit dem japanischen Touch hat große Expansionsziele. CEO Euan Sutherland will vor allem in Deutschland stark wachsen – der zweitwichtigste Markt nach dem Heimatmarkt Großbritannien. Superdry ist eine junge Marke, erst zwölf Jahre alt, und setzt auf ein schnörkelloses Design für Freizeitmode, das stark an den japanischen Purismus erinnert. Sie ist gleich in drei der neuen Shoppingcenter vertreten, zum Beispiel im „Minto“ in Mönchengladbach. Und folgende bekannten Label wachsen weiter...

Orsay
7 von 10

Das Unternehmen, vor 40 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, gehört zur französischen Mulliez-Gruppe. Es verkauft Mode für junge Frauen in 26 Ländern Europas und expandiert weiter. Es hat in sechs der neuen Shopping-Center neue Läden eröffnet, wie in der Holsten-Galerie in Neumünster.

Auch die Baumarktkette Hornbach ist mit „Hornbach Compact“ beim sogenannten Downsizing dabei. Kommt die durchschnittliche Filiale bisher auf 11.600 Quadratmeter, sind die neuen Compact-Shops nur 800 Quadratmeter groß. Das Branchenblatt „Immobilien-Zeitung“ spricht angesichts der Entwicklung von „Läden im Spielzeugformat“.

„Lange Jahre ging der Trend zu immer größeren Ladenlokalen, doch inzwischen experimentiert eine wachsende Zahl von Händlern mit stark geschrumpften Ladenformaten“, beobachtet der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Der Branchenkenner sieht gute Gründe für ein Umdenken: Die Genehmigungshürden für die Mini-Geschäfte seien geringer als bei Großflächen am Stadtrand. Darüber hinaus seien die kleineren Läden auch eine Antwort auf die wegen des Online-Booms vielfach zu beobachtenden sinkenden Flächenumsätze.

Doch spricht aus Heinemanns Sicht noch ein weiteres Argument für die Mini-Läden: der Trend zur Verschmelzung von stationärem Handel und Online-Handel. Dadurch sei es heute möglich, „Tablets oder Online-Terminals als Verlängerung des Ladenregals zu nutzen und damit auf auch auf kleiner Fläche eine große Produktauswahl anzubieten, die dann schnell zum Kunden nach Hause geliefert werden kann“. So viel Platz wie früher werde gar nicht mehr unbedingt benötigt.

Das sind die beliebtesten Händler Deutschlands
Platz 20: C&A
1 von 20

Schlechter Service wird bei den großen Handelsmarken offenbar immer seltener. Das fand nun eine Studie zur Kundenzufriedenheit der Unternehmensberatung OC&C heraus: „In den vergangenen fünf Jahren ist beim Service verdammt viel passiert. Das verdanken die Kunden dem Druck, den Amazon gemacht hat“, sagt OC&C-Partner Christian Ziegfeld.

Die Modekette C&A landet in diesem Ranking auf Platz 20. Das sind allerdings keine guten Nachrichten für das Unternehmen: Im vergangenen Jahr lag man noch sieben Plätze besser platziert.

Mehr zu der Studie lesen Sie hier.

Platz 19: Peek & Cloppenburg
2 von 20

Ähnlich sieht es beim Konkurrenten P&C aus, auch hier ging es sieben Plätze nach unten. Tatsächlich waren die Service-Angebote aus dem Netz für viele stationäre Händler aber ein heilsamer Schock: großzügigste Umtauschregeln, scheinbar unbegrenzte Sortimente, hohe Preistransparenz. Damit konnte sich vor allem der US-Angreifer Amazon zunächst deutlich von den traditionellen Händlern absetzen. Doch offenbar haben diese die Botschaft verstanden: In den jährlichen OC&C-Studie zur Kundenzufriedenheit steigt das Niveau deutlich. Diejenigen Kunden, die einen Laden oder einen Webshop in Deutschland nutzen, sind im Schnitt deutlich zufriedener als noch vor wenigen Jahren.

Platz 18: Lidl
3 von 20

Der Discounter Lidl landet auf Platz 18. Die deutschen Händler schließen bei der Kundenzufriedenheit insgesamt zu Amazon auf. Einheitlich ist das Bild jedoch nicht: Einige Händler können sich besonders verbessern, andere fallen zurück. Lidl hat im Vergleich zum Vorjahr drei Plätze gewonnen.

Platz 17: s.Oliver
4 von 20

Die Modekette s.Oliver kommt auf den 17. Platz im Ranking der Kundenzufriedenheit, einen Rang schlechter als im Vorjahr.

Platz 16: Bonprix
5 von 20

Auf Platz 16 kommt Bonprix. Die Modekette konnte drei Plätze gewinnen.

Eine bessere Wahrnehmung beim Kunden funktioniert über verschiedene Wege: Karstadt (Platz 43) etwa arbeitet sich langsam nach vorn. Das liegt allerdings nach Meinung von Ziegfeld auch dran, dass die angeschlagene Warenhauskette durch mehrere Strategiewechsel etliche kritische Kunden vergrault hat und somit unter der gesunkenen Gesamtkundenanzahl prozentual mehr überzeugte Karstadt-Fans verbleiben.

Platz 15: Globus
6 von 20

Die SB-Warenhauskette Globus kommt bei der Kundenzufriedenheit auf Platz 15. Damit verliert die Kette acht Plätze im Vergleich zum Vorjahr.

Platz 14: Kaufland
7 von 20

Der nächst Discounter im Ranking: Kaufland erreicht mit Platz 14 einen fünf Plätze schlechteren Rang als noch im Vorjahr.

Weit verbreitet ist der Trend zu kleineren Filialen seit Jahren im Buchhandel, wo das Online-Geschäft seinen Siegeszug begonnen hatte. Nur ein Beispiel dafür ist der gerade stattfindende Umbau des einstigen Bücherkaufhauses von Hugendubel am Münchner Marienplatz, durch den die Filiale von 3.600 auf 1.200 Quadratmeter schrumpft.

Heinemann glaubt, die Entwicklung könnte noch viel weiter gehen: hin zu Showrooms, die die präsentierten Waren gar nicht mehr vorrätig haben, sondern nur zum Anschauen und Ausprobieren zeigen. Bestellt werde dann online - und die Lieferung erfolge direkt zum Kunden nach Hause. „Dafür reicht deutlich weniger Platz, als er heute noch benötigt wird.“

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Ikea, Hornbach, Saturn - Große Ketten testen Mini-Filialen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%