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Alexander Kirchner: Nur nicht Mehdorns Pudel

Im Poker um die Zukunft von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat er eine Schlüsselrolle: Sollte Alexander Kirchner, Chef der Bahngewerkschaft Transnet, in den nächsten Tagen den Daumen senken, würde Mehdorn wohl endgültig nicht mehr an der Spitze der Bahn zu halten sein.

DÜSSELDORF. Im derzeit auf Hochtouren laufenden Poker um die Zukunft von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat er eine Schlüsselrolle. Sollte Alexander Kirchner (52), Chef der Bahngewerkschaft Transnet, in den nächsten Tagen den Daumen senken, würde Mehdorn wohl endgültig nicht mehr an der Spitze der Bahn zu halten sein. Doch so einfach macht es sich der gelernte Energieanlagenelektroniker nicht. Er wolle den Rücktritt des ungeliebten Bahnchefs nur fordern, wenn der die versprochene lückenlose Aufklärung schuldig bleibe, sagt er. Dabei steht der Vater einer Tochter wie kein Transnet-Vorsitzender vor ihm unter dem Druck, bei der Basis jeden Eindruck zu vermeiden, er sei allzu nachsichtig gegenüber den Bahn-Mächtigen. Denn sein Vorvorgänger Norbert Hansen hat viel Vertrauenskapital zerschlagen. Erst drängte er Transnet, den unpopulären Börsengang mitzutragen und ließ sich dann im Mai 2008 zur Belohnung von Mehdorn in den Vorstand holen. Das brachte ihm den Spitznamen "Mehdorns Pudel" ein. Hansens Nachfolger musste im November nach nur sechs Monaten gehen, weil er satten Bonuszahlungen für die Vorstände im Fall eines Börsengangs im Aufsichtsrat zugestimmt hatte. Vergleichbares darf Kirchner nun nicht passieren. Alles, nur nicht Mehdorns Pudel darf er sein.

Dabei kommt ihm zu Hilfe, dass er das Bahn - und das Gewerkschaftsgeschäft von der Pike auf gelernt hat. Mit 18 begann er seine Transnet-Karriere als Jugendvertreter. Als langjähriger Tarifexperte hat er ein bombiges Standing bei den Mitgliedern. Er gilt als Kumpeltyp, der für jedes Anliegen ein offenes Ohr hat. Seine Wassertaufe als neuer Transnet-Chef hat er bereits bestanden: Ohne größere Streiks erreichte er einen respektablen Tarifabschluss. Erste Punkte machte er auch in der Datenaffäre: Mehdorn entschuldigte sich schriftlich bei allen Mitarbeitern. Außerdem sorgte Kirchner dafür, dass der Aufsichtsrat und nicht, wie Mehdorn wollte, der Vorstand die Aufklärung der Affäre koordiniert. Zu den externen Gutachtern, die berufen werden, sollen auf sein Drängen auch der Anwalt Gerhard Baum und Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin gehören.

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