Im Sog der Finanzkrise
Hapag-Lloyds einsamer Kurs birgt Risiken

Die Finanzkrise macht auch vor der schwächelnden Containerbranche nicht halt. Entsprechend herrscht auch bei Hapag-Lloyd dieser Tage eher gedämpfte Stimmung. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass der neue Konzerneigner schon bald in rauhe See kommen wird

HAMBURG. Kaum sind die Feierlichkeiten in Hamburg über den Sieg im Bietergefecht um Hapag-Lloyd am vergangenen Sonntag verklungen, macht sich angesichts der eingetrübten Aussichten für die Containerbranche hanseatische Nüchternheit breit. „Das Wetter wird rauer. Auch Hapag-Lloyd muss Vorkehrungen treffen“, sagte Christian Olearius, als Chef der Privatbank M.M. Warburg einer der neuen Eigner der Reederei, dem Handelsblatt.

Es könnten Routen ausgedünnt und Schiffe in die Werften gebracht werden, um die Frachtkapazität zu reduzieren, hieß es in Branchenkreisen. Einen Jobabbau hatte Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt Anfang der Woche explizit ausgeschlossen: „Egal, was da kommt.“

Die neuen Besitzer müssen das Unternehmen schnell wetterfest machen. „2009 könnte ein recht schwieriges Jahr werden“, warnte Betriebsratschef Dieter Lübkemann bereits Anfang der Woche. Bis Ende des Jahres gehört die fünftgrößte Reederei der Welt mit allein 7 700 Mitarbeitern in der Containerschifffahrt noch zum Dax-Konzern Tui. Dann wechseln zwei Drittel des Hamburger Traditionsunternehmens inklusive Schuldenabbau für rund 2,8 Mrd. Euro in den Besitz eines lokalen Konsortiums um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, M.M. Warburg und die Stadt Hamburg. Tui beteiligt sich zu einem Drittel an der neuen Gesellschaft. Hapag-Lloyd äußert sich innerhalb der Schweigeperiode des Mutterkonzerns nicht zu den Geschäftsaussichten: Tui will am 14. November die Konzernzahlen für das dritte Quartal vorlegen.

Der vor allem vom China-Boom der vergangenen Jahre verwöhnten Schifffahrtsbranche machen neben sinkenden Frachtraten, steigenden Treibstoffkosten und weltweiten Konjunktureinbrüchen nun auch verstärkt die Folgen der Finanzkrise zu schaffen. „Kurzfristig ist die Krise ein Problem für die Branche. Die Auswirkungen werden ein bis zwei Jahren anhalten“, sagte Schifffahrtsexperte Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. Von der Schere aus verringertem Wachstum bei steigenden Kapazitäten seien alle Reedereien betroffen. Konsequenz: „Die Fracht- und Charterraten sinken weiter“, prognostizierte der Branchenkenner.

Die Kluft könnte noch größer werden. Bis ein Schiff ausgeliefert wird, war zuletzt ein Vorlauf von drei bis vier Jahren nötig. „Die im Boom bestellten Schiffe kommen jetzt auf den Markt“, sagte Lemper.

Bislang gab es kaum nennenswerte Überkapazitäten, vor allem die rasante Entwicklung der chinesischen Exportwirtschaft trieb den Containerverkehr. Doch seit sich das chinesische Wachstum abkühlt, trüben sich auch die Aussichten für die Reeder ein. Experten rechnen nur noch mit gut sieben Prozent jährlichem Zuwachs anstelle von bislang zwölf Prozent.

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