Im Streit mit Dresden
Gagfah wehrt sich mit Gegenklage

Die Immobiliengesellschaft wehrt sich im Streit mit der Stadt Dresden wegen angeblichen Vertragsbruchs nun ihrerseits mit einer Klage. Und auch gegen den Finanzbürgermeister reichte Gagfah eine Klage ein.
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DresdenDer Wohnungskonzern Gagfah lässt die milliardenschwere Klage der Stadt Dresden nicht auf sich sitzen und holt zum Gegenschlag aus. Die beiden beklagten Woba-Tochtergesellschaften reichten am Dienstag Widerklagen gegen die sächsische Landeshauptstadt ein, wie Gagfah mitteilte. Dabei soll geklärt, ob ihnen Ansprüche aus dem Rechtsstreit zustehen, die sich auf bis zu 800 Millionen Euro belaufen könnten. Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann, bis vor kurzem Aufsichtsratsmitglied bei einer der Gagfah-Töchter, soll sich daneben persönlich vor dem Landgericht Dresden wegen schwerwiegender Sorgfaltspflichtverletzungen verantworten. Schließlich habe er die nun umstrittenen Immobilienverkäufe jahrelang nicht beanstandet.

Wochenlang hatten Investoren darauf gewartet, wie sich Gagfah zur Wehr setzen wird. Die Stadt Dresden hat die börsennotierte Wohnungsgesellschaft Ende März wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Mieterschutzklauseln auf über eine Milliarde Euro verklagt. In einer Vielzahl von Fällen sei beim Weiterverkauf von Wohnungen die Sozialcharta verletzt worden, die Unternehmen und Stadt 2006 bei der Privatisierung von mehr als 45.000 Wohnungen zum Schutz der Mieter vereinbart hätten, hieß es zur Begründung. Das Unternehmen, das mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Die juristische Antwort stand allerdings noch aus.

Nun fand Gagfah-Chef William Joseph Brennan deutliche Worte: „Wir sind überzeugt, dass wir die geltenden Verträge nach deren Wortlaut und Geist eingehalten haben. Es gibt daher unsererseits keine Pflichtverletzungen und Versäumnisse“, erklärte er auf einer eigens eingerichteten Internetseite, auf der die Gesellschaft zu dem Rechtsstreit ausführlich Stellung nimmt. Niemandem sei durch den Weiterverkauf von Wohnungen ein Schaden entstanden. Die Klage der Stadt sei „rechtsmissbräuchlich“, erklärte er. Es dürften vor allem „handfeste wirtschaftliche Aspekte“ eine Rolle spielen. So habe die Stadt angeboten, auf eine Klageerhebung zu verzichten - falls sie im Gegenzug von dem dann zu erwartenden Kursanstieg der Gagfah-Aktie mit profitieren könne. „Dieser ungeheuerliche Vorgang ist beispiellos“, kritisierte Brennan.

Die Stadt Dresden wollte sich am Dienstag weder zu den Widerklagen noch zu den Vorwürfen der Gagfah äußern.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Gagfah-Aktie verteuerte sich um mehr als sieben Prozent. Börsianer sehen derzeit eine gute Gelegenheit zum Wiedereinstieg in das Papier. Allein von Anfang März bis Mitte Mai hat der Konzern nach eigenen Angaben rund eine halbe Milliarde Euro an Börsenwert verloren. Die nun von Gagfah ins Gespräch gebrachten Ansprüche gegenüber der Stadt von bis zu 800 Millionen Euro entsprechen in etwa dem Wert, mit dem eine der betroffenen Tochtergesellschaften in den Büchern steht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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