Im Winter sind weitere Erhöhungen wahrscheinlich
Gaspreise steigen auf breiter Front

Ab Freitag müssen Millionen deutscher Gaskunden höhere Preise bezahlen: Zahlreiche Kommunal- und Regionalversorger kündigten in diesen Tagen an, ihre Tarife zum 1. Oktober deutlich anzuheben. Sie verweisen auf den kräftig gestiegenen Ölpreis, an den die Gastarife in der Regel gekoppelt sind. Andere Versorger prüfen noch, dürften in den kommenden Monaten aber nachziehen.

DÜSSELDORF. Die RWE AG hat über ihre Regionalversorger die Preise ebenso um rund 4 Prozent erhöht wie die Kölner GEW Rhein-Energie, einer der größten deutschen Kommunalversorger. Die Stadtwerke Hannover heben ihre Tarife um sechs Prozent an, die Frankfurter Mainova AG um durchschnittlich sieben Prozent. Eingeläutet hat die Runde der Oldenburger Regionalversorger EWE, der bereits im September seine Preise um 13 Prozent erhöhte.

Hintergrund ist der drastische Anstieg des Ölpreises, der in den vergangenen Monaten um über 50 Prozent kletterte. In den Verträgen, die die Versorger mit den Importeuren und diese mit den Produzenten schließen, ist der Gaspreis traditionell an den Ölpreis gekoppelt. Damit folgt er zeitlich verzögert und geglättet den Vorgaben des Ölmarkts.

Verbraucherschützer kritisieren die Ölpreisbindung und halten vor allem die Höhe, in der die Vorgaben an die Privathaushalte weitergegeben werden, für überzogen. Die Kosten für den Gasbezug machten schließlich nur ein Drittel der Gesamtkosten aus, bemängelt der Bund der Energieverbraucher. Nachdem die EWE ihre Gaspreiserhöhung mitgeteilt hatte und wenig später RWE und Vattenfall Europe auch eine Anhebung der Strompreise ankündigten, ist eine scharfe Diskussion in Politik und Öffentlichkeit über die Energiepreise entflammt. Bundeskanzler Gerhard Schröder will eigens zu dem Thema einen Energiegipfel mit den Chefs der großen Energiekonzerne organisieren.

Die aktuelle Preisrunde dürfte freilich nicht die letzte gewesen sein. Eine Reihe von Versorgern lässt zwar den 1. Oktober aus, schließt künftige Erhöhungen aber nicht aus. „Es ist wahrscheinlich, dass wir die Preise im vierten Quartal erhöhen müssen“, sagte eine Sprecherin des Berliner Gasversorgers Gasag. Die Stadtwerke Düsseldorf AG können nach den Worten eines Sprechers zwar bislang die höheren Kosten für den Gasbezug abfedern: „Zum 1. Januar müssen wir aber noch einmal kalkulieren“, ergänzte er.

Selbst Unternehmen, die schon erhöht haben, schließen weitere Schritte nicht aus: „Üblicherweise überprüfen wir zum 1. April und zum 1. Oktober die Preise“, sagte ein Mainova-Sprecher, „aber natürlich beobachten wir den Markt.“ Ein weiterer Preisschritt sei derzeit zwar nicht absehbar, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher von RWE Rhein-Ruhr.

Wie und wann die Versorger die höheren Bezugspreise überhaupt weitergeben können, hängt von den zum Teil sehr unterschiedlichen Vertragsbedingungen ab. GEW Rhein-Energie beispielsweise muss die Tarife bis Ende März konstant halten. „Wir können nur zum 1. Oktober und 1. April die Preise anpassen“, erläutert ein Sprecher. Das sei in den Verträgen festgelegt.

Viele Stadtwerke hätten sich in der aktuellen Preisrunde aber auch schon etwas Luft verschafft, um weiter steigende Bezugspreise abfedern zu können, meint ein Branchenkenner.

Mit höheren Großhandelspreisen ist eindeutig zu rechnen: Bei Deutschlands größtem Gasimporteur, der Eon Ruhrgas AG, beispielsweise ist eine Erhöhung offensichtlich. Der Marktführer hat zum 1. Oktober seine Tarife schließlich nur moderat um vier Prozent angehoben. Hintergrund: Seine zu diesem Stichtag gültige Referenzperiode endete am 30. Juni, und der Ölpreis stieg in diesem Zeitraum noch nicht so stark. Der eigentliche Anstieg am Ölmarkt fällt erst in den Zeitraum zum 30. September, den Eon Ruhrgas zum Stichtag 1. Januar heranzieht. Vorstandschef Burckhard Bergmann hat bereits angedeutet, dass ein weiterer Preisschritt wahrscheinlich ist. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, sagte eine Sprecherin gestern auf Anfrage.

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