Immer mehr Bioprodukte
Discounter fahren auf Öko ab

Immer mehr deutsche Discounter springen auf den Bio-Trend auf. So führt Lidl in seinen Geschäften die Eigenmarke „Bioness“ ein. Langfristig sollen 20 Prozent des gesamten Sortiments auf Ökoprodukte umgestellt werden. Die Mega-Order der Supermarktketten sorgen jedoch für wachsenden Unmut bei den Biobauern.

HB NECKARLASUM. Laut Lidl sollen die die angebotenen Bioprodukte das Gütesiegel der EU-Ökoverordnung tragen. „Langfristig werden 20 Prozent des gesamten Lidl-Sortiments Bioprodukte sein und somit ein fester Bestandteil der Sortimentspolitik“, sagte Lidl-Unternehmenssprecher Thomas Oberle.

Bereits heute werde in den Lidl-Märkten Obst und Gemüse aus biologischem Anbau verkauft, sagte Oberle. Von Ostern an werde das Sortiment auch auf Molkereiprodukte, Tiefkühlkost, Wurstwaren, Schokolade, Olivenöl, Wein oder auch Ketchup. Lidl-Bioprodukte stammten vorwiegend aus deutschem Anbau.

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, beschäftigt 166 000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 35 Milliarden Euro.

Neben Lidl springen auch die anderen Discounter auf die Bio-Welle auf. Plus hat schon seit 2002 Ökoprodukte unter der Eigenmarke BioBio in den Regalen. „Das ist ein dynamisch wachsendes Sortiment“, betont eine Sprecherin des Tengelmann- Discounters. In den kommenden Monaten soll das Öko-Angebot in den 2800 Filialen auf 100 Produkte aufgestockt werden.

Aldi ist nach Einschätzung von Branchenexperten mittlerweile der größte Abnehmer deutscher Bio-Kartoffeln. „Bio ist schon längst keine Nische mehr“, heißt es auch bei der Rewe-Gruppe (Rewe, minimal, Toom, Penny). Der zweitgrößte Handelskonzern setzt schon seit 1988 mit seiner Eigenmarke „Füllhorn“ auf „Bio“ (300 Produkte). Derzeit bauen die Düsseldorfer eine eigene Bio-Kette unter dem Namen „Vierlinden“ auf. Bereits im vergangenen Jahr wurden Filialen mit bis zu 7000 verschiedenen Öko-Artikeln in Düsseldorf und Köln eröffnet. Weitere sollen folgen - vorerst nur in Nordrhein-Westfalen.

Preisdruck sorgt für ein Paradoxon

Die Bio-Lebensmittelbranche sieht das wachsende Angebot von Öko-Lebensmitteln bei den großen Discount-Ketten kritisch. Zwar habe der Markt für Bio-Lebensmittel in Deutschland im vergangenen Jahr um 15 Prozent zugenommen, sagte Götz Rehn vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Die Mega-Order der Discounter sorgte jedoch für erste „Angebotslücken“.

Vor allem Bio-Fleisch, aber auch Bio-Milch und Bananen aus biologischer Erzeugung seien in einigen Regionen Deutschlands knapp geworden. Der von den Ketten ausgeübte Preisdruck sorgt dabei für ein Paradoxon: Trotz der hohen Nachfrage kämen die Erzeuger immer weniger auf ihre Kosten. Demeter- Bauern in der Region Stuttgart etwa hätten erst unlängst beklagt, sie könnten ihre Produkte nicht mehr zu Kosten deckenden Preisen absetzen.

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