Immer mehr Börsen steigen in den Handel mit Kohlendioxid-Emittenten ein
Preise für Emissionsrechte klettern auf Rekordniveau

Der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten nimmt mächtig Fahrt auf. Immer mehr Akteure in der Finanzwelt glauben an den Erfolg der aus dem Kyoto-Protokoll von 1997 abgeleiteten Idee, Ökonomie und Ökologie zusammenzuführen – zum ersten Mal überhaupt bekommt damit die Umwelt einen Marktpreis.

FRANKFURT/M. Der Erfolg des Handels von Kohlendioxid-Emissionsrechten ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass die Preise in den vergangenen Tagen auf neue Rekordmarken von knapp 23,5 Dollar je Tonne CO2 gestiegen sind. Die Umsätze sind an den bereits aktiven Börsen in die Höhe geschossen. Außerdem steigen immer mehr Börsen und Handelsplattformen in das zukunftsträchtige Geschäft ein. Noch Anfang des Jahres waren CO2-Emissionszertifikate lediglich auf einem Niveau zwischen sechs und sieben Dollar je Tonne gehandelt worden.

Rund um den Globus werden auf OTC-Handelsplattformen (Freiverkehr) sowie an mehreren Börsen Emissionszertifikate auf die Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Stickstoffdioxid (NO2) und Schwefeldioxid (SO2) gehandelt. Die fünf in Europa aktiven Börsen und Marktplätze fokussieren sich vor allem auf den Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten. Das größte Interesse der Öffentlichkeit gilt bislang der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und der European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam.

Die EEX bietet ihren Nutzern nach Angaben von Stefan Niessen, dem Kommunikationschef der Leipziger Börse, bislang lediglich einen CO2-Spotmarkt, während die ECX neben dem Spothandel auf der Handelsplattform der Londoner International Petroleum Exchange (IPE) auch einen CO2-Futuresmarkt betreibt.

Auch einige kleinere Player haben zuletzt für Aufmerksamkeit gesorgt. Im März hatten Spaniens OTC-Markt Sendeco2 und das niederländische Unternehmen New Values eine Kooperation vereinbart. Vinod Kesava, geschäftsführender Direktor der ersten asiatischen Emissionsbörse ACX-Change, kündigte jetzt ebenfalls eine Zusammenarbeit mit New Values an. Und Österreichs Strombörse EXXA wird, so ihr Vorstandschef Ludwig Nießen, heute in den Handel von CO2-Zertifikaten einsteigen.

Am vergangenen Freitag war bereits Frankreichs Powernext Carbon mit einem CO2-Spotkontrakt an den Start gegangen. Bemerkenswert war, dass die Tochter der Strombörse Powernext (die teilweise in Besitz von Euronext liegt) zuvor eine Kooperation mit der ECX abgeschlossen hatte. Beide Börsen wollen ihre Kontrakte künftig gemeinsam auf einem elektronischen Bildschirm anbieten. „Wir sind der Schaffung eines globalen CO2-Marktes näher gekommen“, sagt Richard Sandor, Chairman des ECX-Eigentümers Climate Exchange plc.

Sandor ist die treibende Kraft hinter der Idee des Handels mit Treibhausgas-Emissionsrechten. Bereits 2001 gründete er die Chicago Climate Exchange (CCX). Obwohl die US-Regierung Bedenken gegen das Kyoto-Protokoll äußert, fand Sandor genügend Unternehmen, Verbände und Organisationen, die auf freiwilliger Basis ein System des Handels von Emissionsrechten praktizieren. Am vergangenen Freitag haben die 100 CCX-Mitglieder beschlossen, das zunächst bis zum Jahr 2006 befristete System um vier weitere Jahre bis 2010 zu verlängern. Dass jetzt die mächtige New York Mercantile Exchange (Nymex) versucht, in die Domäne der CCX einzudringen, zeigt, dass auch etablierte Terminbörsen inzwischen gute Chancen im Emissionshandel sehen.

All diese Aktivitäten machen deutlich, dass weltweit am Sinn des Kyoto-Abkommens, das im Rahmen eines UN-Treffens geschlossen wurde, nicht mehr gezweifelt wird. Und dies, obwohl sich mit China und den USA zwei Wirtschaftsriesen bisher völkerrechtlich nicht an die Vereinbarung zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase gebunden fühlen.

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