Immobilienbranche
"Die Finanzierungslücke kann niemand schließen"

Was mit der Schuldenkrise in Griechenland begann, mündet nun in einer Konjunkturkrise in Europa. Laut Christian Ulbrich, Europachef von Jones Lang Lasalle, könnten bald auch Kredite für Immobilienfirmen knapp werden.
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DüsseldorfDie Konsequenz aus der von den Banken hinterlassenen Finanzierungslücke liegt für Christan Ulbrich, Europa-Chef des weltweit agierenden Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle, auf der Hand: „Wir werden in einigen Ländern rezessive Tendenzen sehen, die dazu führen, dass die Neuvermietungen zurück gehen und die Mieten sinken. Das wird quer durch Europa gehen“, so Ulbrich gegenüber dem Handelsblatt. Doch mehr als darüber sorgt sich Ulbrich, über die Finanzierung von Immobilienunternehmen. Er fürchtet, dass fällige Bankdarlehen nicht verlängert oder in Anleihen verbriefte Immobilienkredite nicht umgeschuldet werden: „Die Lücke, die die Banken hinterlassen, kann niemand schließen.“

Besonders hart treffe diese Situation schon jetzt hoch verschuldete Immobilienaktiengesellschaften. Sie notieren weit unter ihren Nettovermögenswerten. „Kapitalerhöhungen, um bei Banken vertrauen zu schaffen, sind kaum möglich, wenn Kurs und Nettovermögenswert weit auseinander klaffen“, so der JLL-Manager.

Auf den Immobilieninvestmentmarkt wirkt die beginnende Kreditknappheit in diesem Jahr in Deutschland noch nicht negativ, weswegen Ulbrich bei seiner Prognose bleibt, dass auf dem deutschen Gewerbeimmobilienmarkt 2011 etwa 22 bis 24 Milliarden Euro umgesetzt werden. Andere Märkte wie UK zeigten Schwächetendenzen und somit erwarten wir insgesamt in Europa etwa 150 bis 180 Milliarden Dollar.

Zu den großen Immobilieninvestoren in Europa zählen Versicherer. Anders als viee in der Branche rechnet Ulbrich nicht damit, dass diese sich aufgrund höherer Eigenkapitalanforderungen für Immobilieninvestitionen (Solvency II) am Gebäudemarkt zurückhalten werden: „Die Bedeutung der Solvency II genannten neuen Eigenkapitalvorschriften wird völlig übertrieben. Im Moment wollen die meisten Versicherer ihre Immobilienquote erhöhen.“

 

Kommentare zu " Immobilienbranche: "Die Finanzierungslücke kann niemand schließen""

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  • Wenn es im Artikel heißt, dass bei einer Rezession Neuvermietungen zurückgehen, dann sind wohl hauptsächlich Büroimmobilien gemeint, nicht Wohnimmobilien. Dann sollte dies auch erwähnt werden.

  • Kein Wunder, denn die überschuldeten westlichen Staaten saugen die vorhandenen Finanzierungskapazitäten völlig vom Markt und lassen der Wirtschaft nichts mehr. Wie schon mehrfach beanstandet dürften Staatsanleihen in Basel III nicht derart bevorzugt werden wie das nun tatsächlich der Fall ist. Selbstbedienung ist ein zu schwaches Wort dafür, Raub wäre treffender.

  • Die Oma ohne Vermittlervertrag, der Schwager ohne Gutachten und die Ehefrau ohne Beratertätigkeit und somit auch keine 8 000 Euro/m² macht die Bauerei uninteressant.
    Dafür muß nun die Familie antreten und muß selbst renovieren?

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