Importquoten für Textilien fallen zum 1. Januar 2005 weg
Kleidung wird billiger

Kleidung und andere Textilien werden 2005 billiger. Am 1. Januar fallen die Importquoten. Damit steht insbesondere China der europäische Markt ohne Einschränkung offen. Arbeitsplätze in der deutschen Textilindustrie sind aber kaum gefährdet.

HB BERLIN/HAMBURG. „Es wird sinkende Preise geben, aber keine Preiseinbrüche“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ erwarten Chefeinkäufer von Warenhäusern und Bekleidungskonzernen, dass nach dem Fall der Importquoten auf Textilien in der Europäischen Union die Preise für Kleidungsartikel drastisch sinken werden.

Jürgen Dax vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) in Köln sieht mittelfristig allenfalls Preissenkungen von 3 bis 5 Prozent. „In der Tendenz werden die Preise sinken, aber längst nicht in dem Ausmaß, wie manche meinen“, sagte er. Ein Grund sei, dass zum Beispiel China schon bisher seine Quoten nicht ausgeschöpft habe. Außerdem verhinderten die begrenzten Transportkapazitäten vor allem bei Schiffscontainern, dass das Angebot aus China sofort steige könne. Pellengahr erklärte: „Es profitieren in erster Linie die großen Einzelhandelsunternehmen, die in China einkaufen können. Der Mittelstand tut sich da schwer.“

Helmut Klier, Einkaufsvorstand der Karstadt Warenhaus AG, sagte dem „Spiegel“ zufolge: „Durch niedrigere Einkaufspreise im Basic, also nicht im modischen Bereich, wird es durch den Konkurrenzdruck zur Weitergabe der verbesserten Einkaufspreise kommen.“ Auch sein Kollege von Kaufhof, Ralf Pütmann, erwartet nach Angaben des Magazins, dass in allen Sektoren, in denen es auf Masse ankomme, „der Preis noch weiter nachgeben wird“. „Wenn das Quotensystem beseitigt ist, wird dies höchstwahrscheinlich zu niedrigeren Konsumentenpreisen führen“, sagte auch Karl Gunnar Fagerlin, weltweiter Produktionschef von Hennes & Mauritz (H&M).

Vom 1. Januar 2005 an fallen in der Europäischen Union und in Nordamerika die Einfuhrquoten auf sämtliche Artikel im Textil- und Bekleidungsgewerbe. Bislang galten für China exakt festgelegte Mengenkontingente. Die Konzerne in den Abnehmerländern stellen sich dem Magazin zufolge bereits jetzt darauf ein, zunehmend Waren in der Volksrepublik zu ordern. „Der China-Anteil wird steigen“, sagte Karstadt-Vorstand Klier dem „Spiegel“. Auch der Versandhandelsriese Otto werde voraussichtlich „in China mehr Artikel und auch in größeren Mengen einkaufen“, insbesondere bisher einfuhrbeschränkte Produkte wie Hosen, Jeans, Pullover und Damen-Unterwäsche, sagte Importdirektor Eckhardt Fechtner.

Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Textil- und Modeindustrie, Wolf-Rüdiger Baumann, rechnet zwar auch mit sinkenden Einkaufspreisen bei Standardbekleidung (Basic), aber nicht damit, dass die Verbraucher davon profitieren werden. Die großen Einzelhandelsunternehmen arbeiteten schon heute in diesem Bereich nicht mehr mit Gewinnen. Wenn sie für ihre Textilien aus dem Ausland weniger zahlen müssten, würden sie wohl zunächst einmal wieder an ihre Gewinnmargen denken, sagte Baumann. Er rechnet auch nicht nicht mit der Einfuhr von noch mehr Textilien und Bekleidung. Der Markt nehme zur Zeit in Deutschland nicht mehr auf. Der Konkurrenzkampf unter den Textil- und Bekleidungsanbietern werde sich in erster Linie in den Schwellenländern abspielen. Vor allem in Indien, Pakistan und China seien in Erwartung auf die Abschaffung der Einfuhrquoten in Europa gewaltige Überkapazitäten aufgebaut worden.

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