In Berlin eröffnet der erste von 300 Fanshops
Karstadt startet den WM-Kommerz

Neue Shops, eigene Kollektionen, exklusive Vermarktungsrechte: 631 Tage vor Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat Karstadt-Quelle in Berlin mit dem Verkauf der offiziellen WM-Devotionalien begonnen. Der Warenhauskonzern hat in seiner Sporthausfiliale am Kurfürstendamm am Donnerstag den ersten „Fifa-WM 2006-Shop“ eröffnet – 300 weitere sollen bundesweit bis zur Eröffnung des Fußballfestes im Juni 2006 folgen.

fas BERLIN. „Wir wollen unsere Kunden für die WM in Deutschland einfangen“, sagte Karstadt Warenhaus-Vorstand Helmut Merkel bei der Eröffnung. Der zuletzt schwer gebeutelte Kaufhauskonzern hat die exklusive Vermarktungslizenz vom Münchener Rechtehändler EM.TV erworben, über die Summe sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Merkel auf Nachfrage. Karstadt-Quelle ist damit das einzige Handelsunternehmen in Deutschland, das Produkte verkaufen darf, die geschützte Marken wie den Weltpokal, das Veranstalter-Logo und den Begriff-Weltmeisterschaft 2006 zieren.

Die Shops erhalten ein einheitliches Design: Grüner Kunstrasen an den Wänden soll „Stadionatmosphäre“ vermitteln, zweimal im Jahr wird die hauseigene Kollektion von T-Shirts, Mützen und Bällen gewechselt. Doch nicht nur Eigenkreationen werden feilgeboten. Der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon, einer der Hauptsponsoren der WM, wird für die Shops eigene Kollektionen ins Rennen schicken.

Der weitere Ausbau der Shops soll rasch vorangetrieben werden. Bis November will Karstadt in allen WM-Austragungsstädten von München bis Hamburg Flagge zeigen. Auch in den Stadien sollen Shops eröffnet werden. Wie viel Karstadt- Quelle mit seinen WM-Läden zu erlösen hofft, ließ Warenhauschef Merkel offen. Weltweit rechnet die Fifa in den nächsten beiden Jahren mit Einnahmen von mehr als 1,6 Milliarden Euro, eine Milliarde soll allein in Europa erzielt werden. Deutschland ist als Gastgeberland der wichtigste Markt. Zum Vergleich: Die WM 2002 in Japan und Südkorea brachte 1,2 Milliarden Euro, die WM 1998 in Frankreich eine Milliarde Euro.

Karstadt setzt neben den deutschen Fußballfans auch auf die rund eine Million WM-Touristen, die im Sommer 2006 in Deutschland erwartet werden. Um den Umsatz hier zu Lande anzukurbeln, wird der Sportsender DSF, an dem Karstadt- Quelle und EM.TV mehrheitlich beteiligt sind, das Fußballfieber mit einer intensiven Vorberichterstattung weiter anheizen.

Für den Warenhauskonzern ist ein Erfolg der WM-Vermarktung von zentraler Bedeutung. Seit Jahren kämpfen die Essener mit sinkenden Umsätzen. Allein für dieses Jahr wird ein operativer Verlust von 200 Mill. Euro erwartet, im ersten Halbjahr brach der Umsatz um sechs Prozent ein. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, sollen konzernweit 4 000 Stellen gestrichen und mindestens drei Kaufhäuser geschlossen werden. Zudem hat das neue Management um Vorstandschef Christoph Achenbach angekündigt, Randaktivitäten verkaufen zu wollen. Dazu zählt auch die defizitäre Beteiligung an der Kaffeehauskette Starbucks sowie die Fitness-Studios von Karstadt.

Jürgen Elfers, Analyst der Commerzbank Securities, sieht daher das WM-Engagement trotz der Schwierigkeiten des Kaufhauskonzerns positiv. „Sicher ist, das Karstadt zu viel Verkaufsfläche hat, die der Konzern nutzen muss“, sagt er. „Die WM 2006 ist ein Ereignis, das wir die nächsten Jahrzehnte in Deutschland nicht mehr haben, das emotionalisiert die Menschen.“ Die guten Verkäufe des Sportartikelherstellers Adidas während der Europameisterschaft in Portugal zeigten, dass man mit Fanartikeln gutes Geld verdienen könne. Allein den EM-Ball konnte Adidas über eine Million mal verkaufen.

Ein weiterer Umsatzbringer kommt im November auf den Markt. WM-Organisator Franz Beckenbauer wird in der ZDF-Sendung „Wetten dass?“ das offizielle Maskottchen vorstellen – zu kaufen bei Karstadt.

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