In den Kellern lagert eine Million Liter Wein
Mit jedem Schoppen Gutes tun

Das Würzburger Juliusspital arbeitet noch immer im Geist seines Stifters Bischof Julius Echter von Mespelbrunn. Zweiter Teil der Handelsblatt-Serie "Standorte".

HB WÜRZBURG. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich immer weiter geöffnet und die wenig Begüterten finden bei den Vermögenden keine Hilfe mehr so wie früher. In der Ökonomen-Sprache ausgedrückt: Die Sozialtransfers werden kräftig eingeschränkt. Kurz und volkstümlich gesagt: Die Zeiten sind mal wieder schlecht.

Derlei beredte Klage stammt diesmal nicht aus Protestaktionen des Jahres 2004, sondern aus einer Urkunde von 1579. In der konstatiert der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn eine hervorragende Infrastruktur der Kirche mit ihren prächtigen Bauten und reichen Kunstschätzen, aber den ganz und gar unchristlichen Mangel an Fürsorge für arme und abgearbeitete, kranke und verlassene Leute. Dem gelte es abzuhelfen mit einer großzügigen Stiftung aus Kirchengut, befand Bischof Julius. Der Ertrag von Weinbergen, Äckern und Wald nebst etliche Zinseinkünfte sollten für alle Zeiten Grundstock des caritativen Unternehmens sein.

Anders jedoch als heute, da großen Politiker-Versprechungen oft keine Investitionen folgen, hatte der spendable Kirchenfürst schon drei Jahre vor seiner Ankündigung mit dem Bau eines Krankenhauses begonnen. Daher gilt 1576 als das eigentliche Gründungsdatums des Würzburger Juliusspitals, einer weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Institution, die in der Diktion von Julius Echter "notleidende Menschen angemessen mit Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Gesundheitsversorgung" dienen soll. Wir sind, so heißt es heute bei der Stiftung "ein modernes Dienstleistungsunternehmen mit humanitärem Auftrag."

Das Unternehmen wissen die Würzburger in erster Linie als Krankenhaus und Altenstift zu schätzen, Einheimische wie Touristen als Gaststätte mit Lokalkolorit und Weinkenner in aller Welt als Produzent großer Gewächse mit klangvollem Namen. Berühmt sind die Steillagen ringsum: Abtsleite, Innerer Leisten und Würzburger Stein. Und andere fränkische Spitzenlagen wie Iphöfer Julius-Echter-Berg oder Randersacker Pfülben.

Die Weine kann man allesamt in den Gaststuben des Stiftes an der Juliuspromenade genießen, in altfränkischer Gemütlichkeit und unten den Augen des im Gemälde verewigten Stifters. Da mag man vor dem ersten Schoppen - der hier wirklich noch einen Viertel Liter misst - vielleicht noch ein paar kritische Gedanken haben. Etwa den, dass die hochherzige soziale Stiftung von einem Kirchenfürsten stammt, dessen Vorgänger noch in blutigen Kämpfen die Bauern abstraften, die gegen die Obrigkeit und Steuerlast rebelliert hatten. Da mag auch für Julius Echter die Stiftung so etwas wie ein erhoffter Bonus für die Ewigkeit gewesen sein.

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