In Hannover startet neue Betriebsgesellschaft bereits am 1. Januar
DB Regio steigt in örtlichen Nahverkehr ein

In der niedersächsichen Landeshauptstadt steigt die Deutsche Bahn AG zum ersten Mal in den kommunalen Nahverkehr ein. Nachdem das Kartellamt letzte Woche grünes Licht gab, sollen schon vom 1. Januar 2004 an die Busse und Bahnen der Hannoveraner Nahverkehrsgesellschaft Üstra und die S-Bahnen der DB Regio in einer gemeinsamen Firma fahren.

DÜSSELDORF. Möglicherweise werden der Partnerschaft in Hannover weitere Kooperationen zwischen Bahn und kommunalen Verkehrsunternehmen in anderen Großstädten folgen.

An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen Üstra intalliance AG sind die beiden Verkehrsunternehmen zu je 40 % beteiligt; den restlichen Anteil hält die NordLB. 390 Stadt- und Straßenbahnen, 230 Busse und 40 S-Bahnen werden in der neuen Betriebsgesellschaft für den Großraum Hannover eine jährliche Verkehrsleistung von über 1,1 Mrd. Personenkilometer erbringen. Rund 3 000 Mitarbeiter werden von Üstra und DB Regio in das neue Unternehmen überstellt. Am 17. Dezember findet die erste Aufsichtsratssitzung statt. In ihr soll Üstra-Chef Heinrich Ganseforth zum AR-Chef und der DB-Regio-Manager Andreas Sturmowski zum Vorstandsvorsitzenden gewählt werden.

Von der gemeinsamen Betriebsabwicklung erhoffen sich die beiden Partner, die das Projekt schon seit 2001 verfolgen, erhebliche Synergie- und Rationalisierungseffekte sowie eine bessere Kundenbedienung, von der Optimierung der Anschlüsse bis zu gemeinsamen Tarifangeboten. „Mit der Fusion des operativen Geschäfts von Üstra und DB Regio wird die Produktion von Nahverkehrsleistungen in Hannover aus einer Hand möglich,“, betonte Üstra-Chef Ganseforth. Zusätzlich verbessere sich die Position der Üstra im Wettbewerbsmarkt des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ganz erheblich. „Jetzt müssen wir beweisen, dass unser gemeinsamer strategischer Ansatz im ÖPNV Sinn macht“, ergänzte der künftige Vorstandschef Sturmowski gegenüber dem Handelsblatt.

DB Regio versucht mit dem lang ersehnten Einstieg in den kommunalen Nahverkehrsmarkt, sich ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Während die Liberalisierung im Schienennahverkehr zu einem stetigen Verlust von Marktanteilen und Geschäftsvolumen führt, will sich die Bahn den Städten und Kreisen als großer Partner im hier ebenfalls stärker werdenden Wettbewerb empfehlen. Es gebe „eine gute Handvoll von Verkehrsunternehmen, mit denen man jetzt die Gespräche intensivieren kann“, so Sturmowski.

Der Einstieg der Bahn in den Nahverkehrsmarkt, der mit rund 27 Mrd. Euro mehr als doppelt so groß ist wie das Geschäft im regionalen Schienenverkehr, kam bisher nicht voran, weil die Entscheidung des Kartellamtes ausstand. Das hat das Zusammengehen in Hannover nun unter den Auflagen genehmigt, dass bereits 2007 mindestens 30 % des Schienennahverkehrs und 2010 mindestens die Hälfte der Busverkehrsleistungen europaweit ausgeschrieben werden müssen.

Auch in Göttingen hatte es bereits Kooperationspläne zwischen DB Regio und der Stadtwerke-Tochter Göttinger Verkehrsbetriebe GmbH gegeben. Die scheiterten an der Kartellamts-Auflage, schon 2006 Verkehrsleistungen europäisch auszuschreiben – nach Ansicht der Beteiligten zu früh, weil die Restrukturierung des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen gewesen wäre. Betriebsleiter Thomas Zimmermann will aber wieder nach starken Schultern Ausschau halten: „Ohne einen Partner geht es mittelfristig nicht mehr.“ Möglicherweise findet er den dann in Hannover: DB Regio bringt dort ihre Regionalbus Braunschweig (RBB) als Tochter in die neue intalliance ein. Die RBB aber war der ursprüngliche Traumpartner der Göttinger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%